In der Unterwelt

Wenn der Freund und ich ein Wochenende ohne die Kinder haben, weil diese ihre Papa-Zeit genießen, dann nutzen wir das fĂŒr Dinge, die sich mit Kindern nicht oder nur schwer machen lassen. Den ganzen Tag im Bett herumliegen. Oder wir begeben uns, wie gestern, in die Unterwelt.

Ja, wir waren gestern in der Unterwelt. Genau genommen in den Berliner Unterwelten und haben an der FĂŒhrung M „Unterirdisch in die Freiheit“ teilgenommen. Ich als „Ossi“ und er als „Wessi“ hatten ganz andere Blickwinkel auf die Geschichte meines „Heimatlandes“ (also dem Staat, in denen ich geboren wurde).

Wir begaben uns also in der unterirdische Berlin und erfuhren nicht nur etwas ĂŒber die eigentlichen Fluchten durch die U-Bahn, AbwasserkanĂ€le oder selbst gegrabenen Tunnel. Wir erfuhren vor allem etwas ĂŒber den Staat, der es als letztes Mittel gegen die „Flucht der Elite“ sah, seine Bevölkerung einzusperren. Der seine Grenzsoldaten am „antifaschistischen Schutzwall“ nicht etwa mit dem Blick zu den „bösen Kapitalisten“, sondern mit Blick auf die eigenen Landsleute postierte. Wir lernten so viel mehr ĂŒber die Teilung des Landes und vor allem dieser Stadt, als ich das in der Schule getan habe. Dort war mit Bau der Mauer Schluss, weil „plötzlich“ das Abi vor der TĂŒr stand.

Es ist immer noch erschreckend, wie bedrĂŒckend auch die neuere deutsche Geschichte ist. Eine Geschichte, die meine Eltern noch hautnah miterlebt haben. Wer jedenfalls einmal in Berlin ist, dem sei der Verein „Berliner Unterwelten e.V.“ ans Herz gelegt. Es gibt so viel mehr in der Hauptstadt zu sehen und zu erleben als den Fernsehturm und das Brandenburger Tor.

Krankenlager

Die Kinder haben in der letzten Woche eine Menge fĂŒr ihr Immunsystem getan. Vier Tage Fieber, absolute Abgeschlagenheit und wenig Schlaf (auf allen Seiten 😭) liegen nun hinter uns. Zum GlĂŒck war mein weltbester Bruder da, der das Osterkind kuschelte und puschelte, wĂ€hrend ich das beim Prinz ĂŒbernahm. Vier Tage haben beide kaum etwas gegessen – nicht die Waffeln, nicht die Brownies. Bei Kindern, die kein Gramm Fett zuviel haben, wird man (ich) da leicht unruhig.

Nun fangen sie wieder langsam an, etwas zu essen. Liegen nicht mehr den ganzen Tag nur auf dem Sofa. Es geht bergauf. Und ich schaffe es vielleicht, mal wieder zu schlafen.

Und ach ja: Eine Woche mit zwei kranken Kindern ist genauso anstrengend wie vier Wochen Krankheit bei allen Familienmitgliedern. 🙄

Ein Wochenende voller SelbststÀndigkeit

Als ich am Freitag zum Hort kam, um dort den Sohn abzuholen, war er wenig erfreut. Es hatte vorher geregnet und wir wollten eh direkt zum Einkaufen starten, also kam ich mit dem Auto. Seinen Roller wollte ich einfach in den Kofferraum werfen. Der Prinz sah das anders: Er wollte mit dem Roller zur Kita, um dort das Osterkind abzuholen. Und weil er das sehr vehement einforderte und er den Weg kennt, dachte ich: Warum nicht? Der Prinz rollerte also ganz allein zur Kita. Ich fuhr mit dem Auto. Als ich dort ankam, war er schon da: Stolz und ĂŒberglĂŒcklich. So stolz, dass er gleich noch mit der kleinen Schwester allein nach Hause fahren wollte – ich sollte doch bitte einen Umweg machen.

Am Samstag ging es dann gleich weiter mit der SelbststÀndigkeit. Wenn ich bei den Kindern bin, ist der Papa in seiner Wohnung. Die ist im gleichen Ort und nur 10 Minuten von uns entfernt. Und weil der Prinz am Freitag die Freiheit geschnuppert hat und das so gut lief, wollte er am Samstag direkt mal Papa besuchen fahren. Allein. Oder besser gesagt: Mit der kleinen Schwester, aber ohne Begleitung eines Erwachsenen.

Heute Morgen fuhr er dann allein zur Schule. Ich brachte das Osterkind in die Kita, setzte mich danach aufs Rad und war wenig ĂŒberrascht, dass der Prinz sein Rad ordentlich auf dem Schulhof angeschlossen hatte. Ins Klassenzimmer bin ich nicht gegangen, mir reichte das Rad auf dem Schulhof als Beweis, dass alles in Ordnung war.

Welch Meilensteine, an nur einem Wochenende. Er wird groß und mich macht das unendlich stolz.

JahresrĂŒckblick 2018

Oh. Mein. Gott.
Obwohl hier im Blog ab Mai quasi nichts mehr passiert ist, war das Jahr alles andere als ruhig. Es ist eine Menge passiert, inkl. eines halben Auszugs, einer Trennung, dem Bruch kleiner und eines großen Herzens… Aber der Reihe nach:

Januar
Wir fahren nach Bremen und besuchen die Bremer Stadtmusikanten und das Universum. Der eigentliche Grund ist aber ein Konzertbesuch mit einer Freundin: Gemeinsam himmeln wir MPK an.

Februar
Der Prinz und ich gehen das erste Mal gemeinsam ins Kino. NatĂŒrlich das Astor mit Loge, sodass wir beide schön die FĂŒĂŸe hochlegen können. Wir gucken „Die kleine Hexe“ und sind beide ganz verzaubert.

Die Kinder feiern im Kiga als Fee und Ninjago Fasching. Auch der Mann und ich gehen ins Kino – nachdem wir das seit fast neun Jahren nicht mehr gemacht hatten. Achja, und wir kaufen einen Ranzen fĂŒr unser Bald-Schulkind.

MĂ€rz
Wir fahren nach Hessen, um den 18. Geburtstag der Nichte vom Mann zu feiern. Ich fahre dienstlichen nach Köln und erkenne den Dom erschreckend wenig in Blutwurst.

Ende des Monats steht natĂŒrlich der Geburtstag des Osterkindes an. Sie wird 5.

April
An Ostern helfen wir der Nichte beim Streichen im neuen Haus. Danach packen wir unsere Taschen und fliegen nach Kreta. Dort genießen wir die Sonne, das Essen und die Ruhe. So ein Urlaub ist schon was feines. :)

Mai
Über den 1. Mai schleifen wir die Kinder nach Berlin. Wir besuchen den Reichstag und machen die FamilienfĂŒhrung. Wir fahren Bus, Straßenbahn, U-Bahn und S-Bahn. Wir treffen Menschen aus dem Internet auf SpielplĂ€tzen und genießen die Zeit. Danach fĂ€hrt die Familie wieder nach Hause, ich bleibe noch fĂŒr die re:publica. Ende des Monats steht schon wieder eine Reise auf dem Plan: Der Mann feiert einen Runden Geburtstag und bekam von mir einen Tag im Logo House in Billund.

Juni
Der Prinz darf als Vorschulkind in der Kita ĂŒbernachten. Das Osterkind nutzt das sturmfrei vom Bruder und lĂ€dt ihre Freundinnen zur allerersten Übernachtungsparty ein. Ende des Monats grillen wir auf dem Betriebshof – und ich lege die Weichen.

Juli
Ich muss mal raus und schnappe mir die Nachbarin/ Freundin. Wir trinken viel zu viele Cocktails, haben aber eine Menge Spaß.
Wir fahren zu Ed Sheeran nach Berlin und ich bin arg begeistert. Mir wird klar, dass ich unzufrieden bin und Àndere das mit Feiern. Ich verliebe mich neu, stelle alles in Frage und erkenne sehr schnell, was ich will und was nicht (mehr).

August
Der Mann und ich trennen uns. Wir schulen den Prinz ein. Wir sagen es den Kindern. Ich schwanke zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrĂŒbt. Ich wollte das so nicht. Aber weitergehen konnte es auch nicht.

September
Wir versuchen ein geregeltes Familienleben aufzustellen. Es ist fĂŒr alle nicht leicht. Aber mein Herz sagt ziemlich klar, was es will.

Oktober
Wir fahren mit dem neuen Freund (aber ohne Ex) in den Urlaub und besuchen die NĂŒrburg und wandern an der Mosel. Die Kinder gewöhnen sich an die neue Situation und kommen an. Klare Regeln machen es fĂŒr alle leichter.

November
Der Ex hat eine Wohnung, ich pendele nach Magdeburg. Die Kinder bleiben in der ehemals gemeinsamen Wohnung und haben so einen zentralen Zufluchtsort. Wir gewöhnen uns langsam an den neuen Alltag. Beruflich wird es nochmal spannend. Da kommt eine Menge Arbeit auf mich zu. Ärmel hochkrempeln.

Dezember
Die Vorweihnachtszeit ist das erste Mal so ganz anders als sonst, die Kinder sind entweder bei Mama oder bei Papa. Weihnachten wird ein Diskussionspunkt und ich entscheide, was entschieden werden muss. Dieses Jahr hat sich unser Leben um 180 Grad gedreht. Aber ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war.

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Geburtstagsreise nach Billund

[Ich wurde fĂŒr diesen Beitrag nicht bezahlt oder habe sonstige VergĂŒnstigungen etc. erhalten. Dies ist ein Erlebnisbericht von vier Legofans, die auszogen, Billund zu erkunden.]

Gestern hatten der Mann und ich Geburtstag – und weil er einen runden (also einen, der eine neue Zahl vorn und eine Null dahinter macht), stand eine ganz besondere Reise an. Sein Geschenk war nĂ€mlich, dass wir alle nach Billund ins L*ego House fuhren.

Okay, die Anreise war Ă€tzend. Wir brauchten allein vier Stunden, um aus Deutschland raus zu kommen. Die A7 ist Richtung Norden im Moment scheinbar eine einzige Baustelle. Daher haben wir unseren Geburtstag quasi im Auto verbracht. Aber egal, denn was uns erwartete, entschĂ€digte fĂŒr alles:

Die Ninjago-HĂŒtte im Lego Holiday Village Billund ist mit viel liebe eingerichtet und bietet sechs Personen Platz. Wobei zwei davon auf einer Schlafcouch ĂŒbernachten mĂŒssten. Die Ausstattung an Kochgeschirr ist zwar sehr ĂŒbersichtlich (ein Topf, eine Pfanne), was Nudeln mit Tomatensoße wohl zum einzigen Gericht macht, was hier gekocht wird. Man setzt eben schon darauf, dass die Besucher essen gehen.

Die SpielplĂ€tze sind aber der Hammer und die Tiere aus Lego-Steinen sind sowieso eine SehenswĂŒrdigkeit. NatĂŒrlich stehen hier auch die Ninjago-Charaktere rum und wir haben schon das eine oder andere Fan-Foto gemacht. 😍

Aber die HĂŒtte ist nur das Beiwerk unseres Besuchs. Eigentlich sind wir fĂŒr das Lego House angereist. Und das haben wir heute sechs Stunden lang besucht.

Im Prinzip kann man das Lego House mit dem Universum in Bremen oder dem Phaeno in Wolfsburg vergleichen – aber eben mit Lego. Wir hatten eine Menge Spaß, haben viel gebaut, bestaunt, waren kreativ und gingen geschafft, aber glĂŒcklich, nach Hause.

Im Keller befindet sich das „Museum“: Hier erhĂ€lt man einen Überblick ĂŒber die Geschichte des Unternehmens. Ich wusste z.B. nicht, dass die UrsprĂŒnge von Lego im Holzspielzeug liegen. Erst in den 50er Jahren kamen die uns heute bekannten Steine. Wir schwelgten in Erinnerungen, schließlich war das Spielzeug auch ein Teil meiner Kindheit.

Es ist erstaunlich, was man aus den Plastiksteinen alles bauen kann. Einen Wasserfall, einen Baum, der vom Ergeschoss bis ins dritte Obergeschoss reicht – alles aus den bunten Legosteinen. Wir haben Fische gebaut und sie im virtuellen Meer schwimmen lassen. Wir haben Blumen gebaut und sie in das Meer aus Lego-Blumen (jede anders, man kann so kreativ sein!) gesetzt.

Den BĂ€renhunger, den man beim Bauen nun mal bekommt, haben wir im Restaurant gestillt. Und auch hier gibt es eine Überraschung. Das Essen bestellt man natĂŒrlich ĂŒber Legosteine, die durch einen Computer eingelesen werden. Der Chefkoch (natĂŒrlich ein Lego-Chefkoch), kann eben nur in Bausteine denken. Das Essen kommt dann in Lego-Lunchboxen, ĂŒber ein Förderband. Es ist nicht billig (was wahrscheinlich eine Mischung aus dĂ€nischen und den allgemeinen „Erlebnisrestaurant“-Preisen ist), aber das Erlebnis war es uns wert.

Ach ja, und Dinos gibt es nicht nur im Naturkundemuseum in Berlin. Dinos gibt es auch komplett aus Lego (auch aus Lego Duplo) in Billund.

Wir sind immer noch ganz berauscht von diesem tollen Tag und können nur bestĂ€tigen: Das Lego House ist „The Home of the Brick“.

Berlin in Bildern (und mit Text)

Es ist Anfang Mai und daher wieder Zeit, um nach Berlin zu pilgern. Warum? Weil ich als Internetmensch natĂŒrlich die re:publica als „Pflichtveranstaltung“ ansehe. Wobei das Pflicht da sehr klein und der Spaß sehr groß ist. Nirgends fĂŒhle ich mich so wohl, wie zwischen all den anderen Internetmenschen, die verstehen, warum ich mein Handy in die Hand nehme und die Erlebnisse im Digitalen teile. Denn mein Leben ist eben nicht nur analog oder nur digital.

Egal. Dieses Jahr gibt es nĂ€mlich eine kleine Änderung. Die #rp18 startete am Mittwoch, direkt nach dem Feiertag. Und weil der Haupfreund am Montag „Zwangsurlaub“/ BrĂŒckentag hatte, nutzen wir das verlĂ€ngerte Wochenende und fuhren mit den Kindern in die Hauptstadt. Wir wollen ihnen schließlich die Welt zeigen und Berlin ist definitiv ein StĂŒck dieser sehenswerten Welt.

Am Samstag machten wir uns also mit dem IC auf in die Hauptstadt. Und es war ein Doppelstock IC! Leider fuhr dieser durch die brandenburgische Pampa und ist damit locker 1,5 Stunden lĂ€nger unterwegs als der direkte ICE. Aber was soll’s? Der Wer ist das Ziel. Die Kinder (vor allem der Prinz) sind glĂŒcklich Bahn zu fahren und Mama lernt ganz nebenbei, dass Brandenburg nicht nur ein Bundesland, sondern auch eine Stadt ist.

Am Sonntag ging es dann fĂŒr uns alle in den deutschen Reichstag. (Dank eines Tipps per Twitter – danke @figgerit!) Uff, ich hatte tatsĂ€chlich unterschĂ€tzt, wie emotional anstrengend diese „Last“ an deutscher Geschichte werden kann. Und ich meine nicht nur die „braune“ deutsche Geschichte, denn immerhin wurde ich in einem Land geboren, dass nicht direkt ein Teil der Geschichte der Bundesrepublik ist. FĂŒr die Kinder war das alles natĂŒrlich nicht nachzuvollziehen. FĂŒr sie war es ein „altes“ Haus und auch was diese „Demokratie“ bedeuten soll, ist mit 5 bzw. 6 Jahren noch nicht zu greifen. Aber vielleicht haben wir ein PflĂ€nzchen gepflanzt, dass nun in ihnen reifen kann.

Danach verbrachten wir den Tag auf einem der drei bis vier (Ă€hem) Berliner SpielplĂ€tze und trafen uns – wie sollte es sein – mit Menschen aus dem Internet. Wir fuhren mĂŒde und dreckig, aber auch sehr glĂŒcklich (und mit einer Kugel Eis im Bauch) wieder ins Hotel.

Am nĂ€chsten Morgen setzte ich mich erstmal vor den Rechner, denn ich hatte an diesem Tag „Homeoffice“. Der Mann und die Kinder verschwanden auf den nĂ€chsten tollen Berliner Spielplatz („Pippi Langstrumpf“ in Charlottenburg) und ich konnte in Ruhe arbeiten. Den Nachmittag wollten wir aber wieder fĂŒr Sightseeing nutzen – diesmal aber mit getrennten Wegen. Die Jungs fuhren ins Lego Discovery Center, wir MĂ€dels besuchten das Aquarium.

Am 1. Mai stand dann fĂŒr uns dass „Museum fĂŒr Naturkunde“ auf dem Plan. Ich war das letzte Mal vor mehr als 25 Jahren dort – damals selbst noch ein Kind. Aber ich kann mich noch genau an den grauen, regnerischen Tag und die riesigen Dinosaurier erinnern. Und soll ich euch was verraten? Obwohl ich in den Jahren dazwischen gewachsen bin, sind die Dinos trotzdem noch mĂ€chtig groß. ;)

Als der Prinz dann vor dem Museum die Straßenbahnen entdeckte, stand auch der nĂ€chste Programmplan fest. Schließlich hatten wir in den vergangenen Tagen bereits U-Bahn, S-Bahn und den Bus genutzt. Niemals könnten wir die Hauptstadt verlassen, um nicht auch das letzte öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Also fuhren wir noch einen kleinen Schlenker durch „den Osten“ zum Alex.

Dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Ich brachte die Familie zum Bahnhof,  die sich diesmal im ICE auf den Heimweg machten. Ich jedoch blieb fĂŒr drei spannende Tage auf der #rp18. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zahnfee – die Erste

Gestern Nacht kam zum ersten Mal die Zahnfee zu uns. Also zum Prinz, denn er verlor gestern in der Kita Zahn Nr. 1.

Wir legten also gestern den Zahn und eine Banane zur StĂ€rkung – man kann der Zahnfee ja schließlich keine SĂŒĂŸigkeiten anbieten – bereit und schliefen mehr oder weniger schnell ein. Denn: Wir alle wissen ja, die Zahnfee kommt ja erst, wenn alle schlafen.

Heute Morgen gingen dann die Augen viel schneller auf als sonst, als ich den Prinz noch einmal an ihren möglichen Besuch erinnerte. Sie brachte die heiß ersehnten flexiblen Lego-Schienen und natĂŒrlich einen Brief.

Weil diese Zahnfeegeschichte aber auch mega spannend ist, macht sich unser Großer nun mĂ€chtig Gedanken.

Prinz: „Papa? Wie groß ist wohl so eine Fee?“

Papa: đŸ€”

Prinz: „Bei mir waren bestimmt vier. Drei tragen die Banane und eine guckt, ob sie auch nichts vergessen haben.“

Ich liebe dieses Alter. Sie machen sich so viele Gedanken und kommen zu solch logischen SchlĂŒssen. Von mir aus kann das noch ein bisschen so bleiben.

Lessons learned. Go ahead.

Man lernt ja nie aus. Sagt man. Niemals aber hĂ€tte ich gedacht, dass dieses „Weiter lernen“ als Eltern nochmal auf ein ganz anderes Level gehoben wird. Gestern habe ich viel ĂŒber mich gelernt. Und realisiert, dass wir noch lange nicht am Ende unserer Reise sind…

Seit ein paar Wochen bekommen wir die volle Breitseite Vorschulkind ab. Wer jetzt noch keins zu Hause hat: Es gibt eine VorschulpubertĂ€t. Glaubt ihr nicht? Ich auch nicht, bis mein Sohn sechs wurde und seitdem wĂŒtet wie Rumpelstilzchen. Es. Ist. Anstrengend. Verdammt.

Am Wochenende nicht aus dem Schlafanzug kommen – geschenkt. Das kann ich auch. Aber in den letzten Wochen ist jedes ZĂ€hne putzen, jedes Anziehen, jeder Termin (oder einfach nur mal das Haus verlassen) ein Kampf. Wir reden und ermahnen und schreien und wĂŒten. Aber dem Sohn ist das egal. Im Zweifel ignoriert er unsere Ansagen und spielt vor sich hin.

Gestern war die Kita zu. Studientag. Da ich eh krank geschrieben war, cancelte der Mann sein Homeoffice und die Kinder blieben bei mir. Es versprach zumindest ein Vormittag im Schlafanzug zu werden – also fĂŒr den Prinz, nicht fĂŒr uns MĂ€dels. Irgendwann nach dem Mittagessen sagte ich ihm jedoch, er mĂŒsse sich anziehen. Schließlich war Freitag und er hat dann immer seinen Termin bei der LogopĂ€din. Das war dem Herrn egal. Er ignorierte mich. Vollkommen. Ich sagte es nochmal. Ich erklĂ€rte ihm die Konsequenzen und dass Frau F. sich extra Zeit fĂŒr ihn nimmt und ich sie ungern versetzen möchte. Es juckte ihn nicht. Irgendwann wurde es so spĂ€t, dass ich den Termin sehr widerwillig absagen musste. Ich hasse es, andere Menschen „einfach so“ zu versetzen. WĂ€re er morgens mit Fieber aufgewacht, ok. Aber einfach „kein Bock“ ist keine Entschuldigung. Aber was blieb mir ĂŒbrig? Sicher, ich hĂ€tte ihn packen und im Schlafanzug dorthin schleifen können. Aber das Kind ist sechs. FĂŒr mich war das keine Option.

Ich erklĂ€rte dem Sohn sehr deutlich, was mir an seinem Verhalten missfiel. Und, dass ich eine Entschuldigung von ihm bei Frau F. erwarte. Ich erklĂ€rte, dass ich dieses Verhalten nicht noch einmal tolerieren werde. Termine platzen lassen, nur weil man sich nicht anziehen will – nö.

An diesem Punkt lernten wir beide aber unsere Lektion. Ich, dass die Welt nicht untergeht, wenn man Menschen einmal versetzt oder Termine platzen lĂ€sst. Und, dass mein Sohn sehr wohl „gut“ und „schlecht“ unterscheiden kann. Denn kurz nach meiner Ansprache kam ein sehr zerknirschter kleiner Mann aus seinem Zimmer und hielt mir ein selbst gemaltes Bild hin. Wir besprachen die Sache und das er sich eigentlich nicht bei mir entschuldigen muss. Mal sehen, wie er das nĂ€chste Woche mit Frau F. meistert.

Aber dann sind da noch die WutausbrĂŒche. Von 0 auf 100 in 10 Sekunden. Heute hat er die WohnzimmertĂŒr solange gegen die Wand gedonnert, bis eine Kerbe in der Wand war. Er schreit und wĂŒtet und macht Dinge absichtlich kaputt. Und keine Stunde spĂ€ter ist er das Kuschelkind, welches mir unbedingt beim Kochen helfen will. Er testet seine Grenzen und rastet aus, wenn wir sie ihm aufzeigen. Meine LektĂŒre fĂŒr die kommenden Wochen ist dann wohl „Wenn die ZĂ€hne wackeln, wackelt die Seele“. Aus GrĂŒnden.

Und nun sitze ich hier. Trinke ein Glas Wein, schreibe meine wirren Gedanken auf und der Prinz liegt in seinem Bett und hört ein Hörspiel. Das ist nĂ€mlich auch eine Errungenschaft der Vorschulzeit: Das große Kind geht nun allein ins Bett, hört noch ein Hörspiel und braucht keine Einschlafbegleitung mehr. Es hat ja alles eine gute und eine weniger gute Seite, ne?

Ich will nicht!

Woche zwei vom Schwimmkurs und schon gibt es TrÀnen. TrÀnen beim Prinz, TrÀnen (fast) bei mir. Es ist kompliziert und es liegt wahrscheinlich auch an mir und meinem inneren Kind, welches irgendwie noch nicht abgeschlossen hat.

Der Prinz wollte gestern schon nicht ins Becken. Morgens sagte er bereits zum Mann, dass er nicht zum Kurs will. Als ich ihn dann von der Kita abholte, blutete sein eingerissener Fingernagel ein wenig – Pflaster drauf und da war sie, die Ausrede, nicht ins Wasser zu mĂŒssen. Ich erlaubte es. Zwingen hat beim Prinz noch nie etwas gebracht. Einmal „Pause“ machen, ist schon mal okay. Das Osterkind lies sich davon nicht beeindrucken und verschwand mit der Schwimmtrainerin in der Dusche, wĂ€hrend der Prinz sichtlich glĂŒcklich war, dem Kurs von außen beiwohnen zu dĂŒrfen.

Ich erklĂ€rte ihm, dass das keine Dauerlösung sein kann. Man kann nicht immer Ausreden finden. Entweder soll er mir sagen, dass er den Kurs abbrechen will oder er muss mitmachen. Die Trainer nehmen sich Zeit und ich halte nichts von „ich hatte eben keinen Bock“. Wenn man Zusagen macht, dann hĂ€lt man die auch ein. Oder sagt eben vorher ab.

Heute stand dann die vierte Stunde Schwimmen an. Wir betraten die Umkleide und plötzlich klammerte sich der Prinz wieder an mich. Er wolle die ganze Zeit bei mir sein. Ich solle mitkommen. Das ist aber nicht vorgesehen: Die Eltern warten im Schwimmbadcafé hinter einer Glasscheibe. Ich hatte nicht mal einen Badeanzug dabei. Wir machten einen Kompromiss und ich begleitete die Kinder noch bis zur Dusche.

Als die Kinder aus der Dusche kamen, war der Prinz schon ziemlich aufgelöst. Er wollte nicht ins Wasser und wurde vom Trainer rein gehoben. Mein Sohn weinte und ich konnte von außen nicht erkennen, warum. Weint er nach mir? Weint er, weil er Angst hat? Weint er, weil die Trainer eben doch noch fremd sind?

Ich lief wie ein Tiger auf und ab. War mehr als einmal versucht, die TĂŒr vom CafĂ© direkt ins Bad aufzureißen und mein Baby in die Arme zu schließen. Aber ich tat es nicht. Denn in mir tobte ein Kampf:

„Das Kind etwas „stupsen“ vs. gegen seinen Willen etwas tun mĂŒssen. Es ist kompliziert.“ (Tweet)

Plötzlich war ich wieder Kind. Und erinnerte mich an all die schrecklichen Sportstunden, in denen ich zu Dingen gezwungen wurde, vor denen ich Angst hatte. Ich habe erst in der achten oder neunten Klasse gelernt, ĂŒber den Bock zu springen. Vorher hatte ich wahnsinnige Angst und eben nie eine Lehrerin oder einen Lehrer, der sich ausreichend Zeit fĂŒr die Ă€ngstlichen Kinder nehmen konnte oder wollte. Mich bekommt man nicht mit dem Satz „Aber dann kannst du voll stolz auf dich sein!“ Mir ist das schnuppe. Ob ich ĂŒber einen Bock springen kann oder nicht, wird niemals die Welt retten oder Krebs heilen. Das alles sind keine Ziele, an denen ich mich messe. 2010 waren wir bei einem Seminar mal in einem Hochseilgarten. Ich sollte da rum klettern, traute mich aber erst nicht. Irgendwann kletterte ich bis auf die erste Empore und alle meinten so: „Und? Biste jetzt stolz auf dich?“ und ich dachte nur: Warum? Habe ich irgendwas wirklich wichtiges gemacht? Niemals wird man auf meiner Trauerrede sagen: Sie kletterte in einem Hochseilpark rum. Das ist nichts, was mir wichtig ist.

Ich weiß, dass meine Kinder – und gerade der Prinz – sich nicht immer alles gleich trauen. Dass er oft die NĂ€he zu uns sucht und sich daher auch Dinge entgehen lĂ€sst. Den Kindergeburtstag seiner besten Freundin hat er mal sausen lassen, weil er Angst vor dem Holzdrachen am Eingang des Indoorspielplatzes hatte. Da ist er konsequent, auch wenn er sich manchmal selbst im Weg steht.

Als der Prinz nach dem Kurs in die Umkleide kam, hatte er blaue Lippen und zitterte wie Espenlaub. Und er weinte bitterlich, weil er mich vermisst habe. Aber mit dem Abtrocknen und wieder aufwĂ€rmen kam auch das LĂ€cheln zurĂŒck. Es war „nur“ die Sehnsucht, nicht die Angst, etwas tun zu mĂŒssen, was er nicht will.

Ich denke, wir finden eine Lösung. Im Zweifel schwimme ich eben ein paar Bahnen, wĂ€hrend die Kinder auf der Bahn nebenan trainieren. Ich möchte den Kindern halt geben, aber sie dennoch nicht einzwĂ€ngen. Sie mĂŒssen auch lernen, ohne Mama und Papa klar zu kommen. Aber sie dĂŒrfen es in ihrem Tempo lernen. Und ich versuche, mein inneres Kind endlich mit seinen Erfahrungen zu versöhnen – und es bei meinen Kindern besser zu machen.

Große Kinder <3

Heute sind die Kinder ĂŒber sich hinaus gewachsen, haben neue Ufer erkundet und uns damit bewiesen, dass sie groß werden. Denn heute war der erste Tag des Schwimmkurses.

Der Schwimmkurs, den beide Kinder noch bis vor vier Wochen kategorisch ablehnten. Niemals wĂŒrden sie ins Wasser gehen! Also gingen wir öfter mit ihnen schwimmen und plötzlich waren sie kleine Wasserratten. Den Prinz ĂŒberzeugten wir dann relativ schnell. Er ist schließlich ein Vorschulkind und Vorschulkinder können oft schon schwimmen. Das Osterkind hingegen war noch auf der Fahrt ins Schwimmbad fest davon ĂŒberzeugt, nicht ins Wasser zu gehen. Es waren einfach zu viele neue EindrĂŒcke: Fremde Menschen, keine Ahnung, wie genau das ablĂ€uft, Mama kommt nicht mit ins Wasser, sondern wartet vor einer Glasscheibe…

Selbst im Schwimmbad, als ich den Prinz gerade umzog, weinte sie und kuschelte sich an mich. Sie nölte und wollte nicht mehr von meinem Schoß runter. Bis ich einsah, dass ich hier nichts erzwingen kann. Ich bot ihr an, selbst zu entscheiden. Sie sollte sich aber vorher wenigstens mal den Trainer angucken und sich dann entscheiden. Und was soll ich sagen? Mein schĂŒchternes MĂ€dchen taute auf – was auch an der einfĂŒhlsamen und witzigen Art des Schwimmtrainers lag. Mit dem Wissen, dass ihr Bruder bei ihr ist, entschloss sie sich also doch den Badeanzug anzuziehen und ins Wasser zu gehen. Ach was. Zu springen!

Nach einer Stunde kamen jedenfalls zwei sehr stolze Kinder in die Umkleidekabine. Sie waren um ca. 5 Jahre gealtert, wahnsinnig stolz und glĂŒcklich. Sie sind ĂŒber sich hinausgewachsen. Haben sich Dinge getraut, die sie ein wenig von uns Eltern lösten. Sie haben sich und uns bewiesen, dass Sie groß werden. Und ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus – meine großen Babies sind gar keine Babies mehr.