AOK 2.0

17. Januar 2012 - 19:19 Uhr

Gestern Abend klingelte mein Handy. Eine Magdeburger Nummer wollte mich sprechen. Zuerst konnte ich mir nicht vorstellen, wer das sein sollte. Ich kenne niemanden (mehr) in MD. Ach doch, da sitzt ja die Hauptstelle meiner Krankenkasse. Und diese war es auch.

Am anderen Ende der Leitung war ein netter Herr der AOK, der von seinen Mitarbeitern über meine Tweets kurz vor der Entlassung des kleinen Prinzen aus der MHH informiert wurde. Wir erinnern uns.

Aus einem Tweet wurden viele, da meine Timeline nachfragte, woran es liegt und mit uns gehofft hat, dass der kleine Prinz schnell nach Hause kann. Natürlich wurden Retweets verschickt, die Nachricht zog also einige Kreise. Aber zurück zum Gespräch mit dem AOK-Mensch.

Dieser wollte mir kurz erklären, warum die Bewilligung des Antrags vermeintlich so lange gedauert hat und mir anbieten, dass ich mich demnächst direkt bei ihm informieren kann, wenn ich Fragen zu etwas habe. In dem Gespräch erklärte er mir, dass der Antrag auf Sauerstoff etc., den wir ja für den kleinen Prinz benötigen, am 30. Dezember 2011 bei der AOK einging. Am 05. Januar 2012 kam das okay. Zwischendurch musste das eben durch den MDK geprüft werden und deshalb dauerte das eben. Er könnte verstehen, dass das für uns eine lange Zeit gewesen ist, man sich aber alle Mühe gegeben habe, die Sache zu beschleunigen. [Wobei ich da in der MHH was anderes gehört habe - anscheinend musste man mit Engelszungen auf die Mitabeiter einreden, um unseren Antrag ein bisschen vorzuziehen.]

Aber das tut auch nichts zur Sache. Irgendwann kam ja das okay und der kleine Prinz konnte nach Hause. Sehr überrascht war ich jedoch, dass die AOK nicht nur ein funktionierendes Online-Monitoring hat, sondern daraufhin der “Geschäftsführer Kunde und Markt” [das fand ich später in der anschließenden Mail raus] auch bei den Kunden anruft und den Sachverhalt aufklärt. Nett. Find ich gut.

Ich kann zwar nicht versprechen, dass ich nie wieder meinen evtl. Unmut bei Twitter und Co. kundtun werde. Aber im Umkehrschluss bin ich gern bereit, auch über die positiven Sachen zu twittern und/ oder bloggen. #ilike #AOK

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Mama-Sohn-Zeit

14. Januar 2012 - 17:47 Uhr

Berufsbedingt und um seine Wohnung weiter auszuräumen hat der Hauptfreund gestern und heute im hessischen Outback, also 220 km von uns entfernt, verbracht. Der kleine Prinz und ich waren also das erste Mal seit seinem Einzug allein. So richtig allein.

Zuerst dachte ich noch, dass das ganz schön anstrengend wird. Das Baby und ich, wo ich doch eigentlich keine Ahnung von Kindern (also den eigenen!) habe. Und dann ist da ja noch Onkel Sauerstoffkanister und der Überwachungsmonitor, die man immer mit sich rumschleppen muss, will man den kleinen Prinz auch nur von A nach B tragen. Vorallem, wenn er schreit und nachts kann das nämlich zu einem richtig ätzenden Unterfangen werden, muss man ja auch noch auf die Kabel aufpassen. Ich blickte den zwei Tagen also mit gemischten Gefühlen entgegen. Sicher werde ich das schaffen, aber wie?

Tja, was soll ich sagen? Ich habe ein gar zauberhaftes Kind. Während der kleine Prinz die ganze Woche über nämlich sehr unleidlich war und eher zum Meckern und Motzen neigte, war er in den letzten beiden Tagen ein Traum von einem Baby. Wir haben uns sogar mitsamt der Kabellage vor die Tür getraut und sind eine Minirunde spazieren gegangen. Ansonsten haben wir ausgiebig gekuschelt und ich habe mir meinen perfekten kleinen Sohn angesehen. Das war Mama-Sohn-Zeit in HQ. (((♥)))

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Comin’ home

7. Januar 2012 - 18:21 Uhr

70 Tage. 70 lange und mal mehr, mal weniger aufreibende Tage verbrachte der kleine Prinz auf der Station 69 der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover. Davor lagen wir gemeinsam noch über einen Monat auf Station 84. Gestern kam der kleine Prinz endlich nach Hause.

Es war eine Zeit voller Hoffen und Bangen. Ich habe mehr als einmal heulend an seinem Bettchen gesessen und das Schlimmste vermutet – obwohl es aus medizinischer Sicht niemals so aussah. Aber ich habe auch meinen Sohn kämpfen sehen. Ich habe gesehen, wie sich dieses winzige Würmchen von 1.330g auf krasse 3.180g hochfuttert. Ich habe gesehen, wie er immer besser atmet. Ich habe gesehen wie er groß wird.

Für über 100 Tage ist die MHH mein “Zuhause” geworden. Ich habe viele Menschen und ihre Geschichten kennengelernt, die mich prägten. Die Sicht auf die Welt hat sich nicht nur mit der Geburt des kleinen Prinz, sondern auch wegen der Umstände geändert. Ich habe nicht zu Gott gefunden – genauer gesagt, fragte ich mich des Öfteren, warum “Gott” (insofern es ihn gibt) so etwas zulässt: Nicht nur unser Schicksal, denn auf der Station 69 – und in der ganzen Kinderklinik – liegen Kinder, die weitaus kränker sind als es mein Sohn je war. Ich verstehe nicht, warum so kleine Menschen diese Prüfungen bestehen müssen. Aber ich bin dankbar. Für jeden Tag, jede Minute, die ich mit dem kleinen Prinz verbringen darf. Für die Menschen, die ich in dieser Zeit kennenlernen durfte und den Beistand, den ich dadurch erfahren habe. In den vergangenen 70 Tagen haben die Ärzte und Schwestern der Station 69 alles für das Leben meines Kindes getan. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Oberärztin Frau Dr. B. sagte einmal, dass Ärzte auch keine Götter sein. Das sie nur damit arbeiten können, was ihnen die Kinder zeigen. Und wenn diese Kinder eben leben wollen, dann können die Ärzte nur unterstützen. Ärzte sind vielleicht keine Götter, aber Engel, die unseren Sohn auf seinem harten Weg schützend zur Seite standen. Damit kann ich nur die Zeilen zitieren, die vor dem Büro von Frau Dr. B. an einer Pinnwand hängen. Sinngemäß steht da: Engel haben keine Fügel, sie tragen Blau und arbeiten auf der Frühchenintensiv der MHH.

Der kleine Prinz wurde bei 27+6 SSW geboren. Zwölf Wochen und einen Tag vor seinem eigentlichen Termin. Er hat sich in dieses Leben gekämpft wie ein Löwe und hat seinen Willen bei uns zu sein, unter Beweis gestellt. Dafür bin ich ihm so unendlich dankbar. Dieses kleine Wesen bereichtert unser Leben so sehr, das ich es nicht in Worte fassen kann. Und jetzt kann das Leben mit ihm endlich los gehen. ♥♥♥

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Danke, AOK. Not.

4. Januar 2012 - 23:36 Uhr

Vor acht Tagen wurden der Hauptfreund und ich in das Büro der Oberärztin in der Kinderklinik der MHH gebeten. Es ging um die Impfung, die der kleine Prinz noch stationär erhalten sollte [das ist bei Frühchen durchaus normal] und um seine Entlassung. Kurz stockte mir der Atmen, schließlich hatte ich das Wort “Entlassung” aus meinem Wortschatz verbannt. Zu ätzend war es, immer wieder erklären zu müssen, dass er eben zu klein und zu krank ist, um an ein Nachhausekommen zu denken. Schließlich hat der kleine Prinz immer noch Sauerstoffbedarf.

Dennoch wurde uns vor acht Tagen eröffnet, dass wir ihn – sofern er die Impfung gut verträgt und nichts unvorhergesehenes passiert – mit nach Hause nehmen dürfen. Nach der Impfung, in ca. zwei Wochen. Allerdings mit Sauerstoff. Wir werden also einen Eisenbehälter mit 45l Sauerstoff in den fünften Stock geliefert bekommen. Wir bekommen einen tragbaren Behälter für kurze Ausflüge und wir bekommen einen Monitor, der die Sauerstoffsättigung des kleinen Prinzen durchweg überwacht. Zu Hause, so sagte es die Oberärztin, wird es ihm besser gehen und bis auf den Sauerstoff gibt es nix, was ihn in der Klinik halten könnte.

Zuerst musste ich diese Nachricht schlucken. Sauerstoff, zu Hause, ohne geschultes Personal, Sensorenwechsel, Sättigungsabfälle, Apnoen… OMG Aber je mehr Tage ins Land gingen, je mehr wir selbst in der Klinik machen konnten (bspw. ebendiese Sensorenwechsel etc), je mehr wuchs auch die Vorfreude, den kleinen Schatz endlich mit nach Hause zu nehmen. Ihn in sein Bettchen zu legen. Ihn immer bei uns zu haben. Und nachdem er auch die Impfung ganz prima weggesteckt hatte – keine Atmenaussetzer! – waren wir uns sicher, dass es so lange nicht mehr dauern kann.

Bereits gestern deutete die Oberärztin jedoch an, dass es mit dem Sauerstoffbehälter und dem fünften Stock (80 Stufen, ohne Fahrstuhl) kleine Problemchen geben könnte. Man müssen halt mal überlegen, wie das Ding hier hoch gewuchtet werden kann. Aber so kompliziert kann das ja nicht sein. Heute bekamen wir dann die nächste Info: Es liegt nicht am fünften Stock, es liegt an meiner Krankenkasse. Die grandiose AOK Sachen-Anhalt diskutiert nun anscheinend, ob es denn wirklich notwenig ist, das Kind mit Sauerstoff zu entlassen. Ob die Geräte, der Monitor etc. nicht etwas teuer (weil genauer etc) sind. Ob das wirklich sein muss…

Und ich frage mich einmal mehr, wie sich dieser Verein als “Gesundheitskasse” bezeichnen kann. Ist es nicht viel gesünder, zu Hause, bei den liebenden Eltern zu sein sein, als sich im Krankenhaus noch einen Keim einzufangen? Ist es für uns als Eltern nicht seelisch weniger belastend, wenn wir zwar den kleinen Prinz mit Sauerstoff, aber eben zu Hause haben? Wenn wir endlich das Elternsein das erste Mal seit 68 Tagen genießen könnten?! Da nicht absehbar ist, wie lange er noch den Sauerstoff benötigt, wäre auch der Krankenhausaufenthalt auf unbestimmte Zeit. Und klar, so ein Tag auf der Kinderintensiv kostet sicher viel weniger, als die Geräte für zu Hause. Danke, AOK. Not.

edit Das okay ist da. Jetzt kann der Sauerstoff geliefert werden. Dann bekommen wir eine Einweisung in den Monitor und eine Anleitung in Baby Reanimation und dann kanns losgehen.

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“Räuber, Diebe…” *sing*

3. Januar 2012 - 23:18 Uhr

Man hört ja immer wieder, dass Singen für Kinder gut ist. Es wirkt beruhigend, lässt die Kleinen die Stimme von Mama oder/ und Papa hören und und und. Leider bin ich – zumindest was Kinderlieder betrifft – sehr unmusikalisch. Ich kann mir einfach die Texte nicht merken. Oder mir fallen nur die Lieder ein, die ich als Kind ätzend fand.

Aus diesem Grund beschränke ich mich auf Lieder, die ich kenne und singen kann. Ganz vorn ist dabei “Don’t speak” von No Doubt, ziemlich viel von Wir sind Helden, die Ärzte. Ganz gerne greife ich neuerdings aber auch auf die Titelsongs von Chip und Chap sowie Pinky und Brain zurück. ;)

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Jahresrückblick 2011

31. Dezember 2011 - 18:05 Uhr

Januar

Nettes und entspannes Silvester beim Lieblingsbruder des Hauptfreundes. Vorher nochmal die Herzfreundin in Darmstadt besucht. So kann das Jahr beginnen. Ende des Monats mit dem Hauptfreund nach Hamburg ins Miniatur Wunderland gefahren – zwei zauberhafte Tage gehabt. Danach entschieden, mal die Sache mit dem Elternwerden anzugehen.

Februar

Die Lieblingsnichte wird Mama. Der Neffe vom Hauptfreund wird eins. Noch mehr Gründe, das Elternwerden anzugehen. ;)

März

Die legendäre Geburtstagsparty der Schwiegermama in Spe – inkl. Diskofox und einer Menge Rotkäppchen Sekt. Nebenher die Erkenntnis erlangt, dass Köthen (Sachen-Anhalt) an der polnischen Grenze liegt. Somit liegt auch meine Heimat fast in Polen. Ja nee, is klar.

April

Ostern bei der Familie verbracht. Zwei harte Nächte auf der Luftmatratze, aber einen grandiosen Abend mit viel selbstgemachten Kirschschnaps auf der schwesterlichen Terrasse. Die traurige Nachricht erhalten, dass die Großtante schon vor Weihnachten 2009 verstorben ist. Deshalb Rotz und Wasser geheult – obwohl ich sie nicht kannte.

Mai

Treffen mit den Mädels. Sekt auf A.s Balkon. Am nächsten Abend Caipi beim Lieblingsbruder in der Küche. Sollten die letzten alkoholischen Getränke für eine lange Zeit werden – denn nur zwei Tage später wusste ich vom kleinen Prinz. [Okay, da hätte es auch noch eine Prinzessin sein können.] David Garrett in der T*ui-Arena. Ich war sofort hin und weg – Durchbrennen war dann aber auch keine Option mehr. Das schönste Geburtstaggeschenk, dass sich der Hauptfreund und ich dann machten: Der Besuch beim Arzt und das erste Ultraschallbild.

Juni

Das erste Mal wegen der Schwangerschaft im Krankenhaus gewesen. Kurz blieb unser Herz stehen, dann alles gut. Trotzdem eine Woche krankgeschrieben zu Hause gewesen, das erste Mal seit Jahren. Viele gesunde Sachen in mich reingeschaufelt – besonders Wassermelone fand der kleine Prinz prima.

Juli

Endlich waren zwölf Wochen um und wir konnten die Neuigkeit verkünden. Freunde, Familie waren begeistert. Chef eher nicht so. Im Büro trotzdem der Brüller.

August

Der Hauptfreund und ich gehen auf unser erstes Barcamp. Tolle Leute, tolle Sessions. Herausgefunden, dass ich der Nerd in unserer Beziehung bin – und es für gut befunden.

September

Reisen nach Hessen zur hauptfreund’schen Familie. Taufe in Magdeburg. Dann eine Mitbewohnerin für zwei Wochen bekommen. Und gegen Ende in die MHH eingeliefert wurden. Angst um den kleinen Prinz gehabt. Bettruhe eingehalten und gehofft, gebangt.

Oktober

Den ganzen Monat im Krankenhaus verbracht. Jeder Tag war ein kleiner Sieg. Viel gelesen, viel im Netz gesurft, viel über die Risiken einer Schwangerschaft gelernt. Am Ende kam der kleine Prinz zur Welt. Schmerzen, Angst und doch habe ich nie mehr Liebe empfunden.

November

Der kleine Prinz liegt auf der Station 69 und kämpft, wie ein Löwe. Wir sind so stolz auf ihn.

Dezember

Die Wochen verfliegen, der kleine Prinz macht Fortschritte. Weihnachten und Silvester sind in diesem Jahr nichts als ganz normale Tage. Es gibt nur eins, was zählt: Der kleine Prinz.

Fazit | Diesem Jahr gebe ich 9 von 10 Punkten. Und fünf davon nur, weil der kleine Prinz nun Teil unseres Lebens ist.

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Geschützt: Kleiner Geburtstag II

29. Dezember 2011 - 23:08 Uhr

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Sieben Wochen.

17. Dezember 2011 - 17:24 Uhr

Heute ist der kleine Prinz sieben aufregende Wochen bei uns. Krass, wie die Zeit vergeht. Und was er in diesen sieben Wochen oder auch 50 Tagen alles schon gelernt hat. Atmen, verdauen, Temperatur halten. Wir sind so stolz.

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Lohnende Investition.

7. Dezember 2011 - 10:42 Uhr

In der Stadtbahn lesen der Hauptfreund und ich gestern, dass G*eorge Cloo*ney weder heiraten noch Kinder möchte. Ich quittiere diese Tatsache mit einem herzhaften “Och schade.”. Aber dann hatte der Hauptfreund eine Idee, die einfach grandios ist und die man Geo*rge wirklich mal vorschlagen sollte.

Hauptfreund: “Warum friert er sein Sp*erma nicht einfach ein und lässt es nach seinem Tod versteigern?! Das Geld geht dann an eine gemeinnützige Organisation.”

Ich muss dann mal sparen. :P

[aus der Rubrik: Alltag_bei_den_Wendels]

2 Kommentare » | meine meinung, Projekt: MfL, that's life

Dreizehn.

5. Dezember 2011 - 10:56 Uhr

Du fehlst hier so. ♥

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