Manchmal wünschte ich, …

… ich wäre viel schlagfertiger. Dann hätte ich heute, als ich ein Elternpaar eines Kindes an der Bahn traf, nicht nur fragend gucken müssen, als der männliche Part einen eindeutig rassistischen Kommentar brachte. Aber ich war perplex, überrumpelt, als er beim Einsteigen in die Bahn „Die Kopftuchträger werden auch immer mehr.“ sagte. Er meinte damit eindeutig, die Frauen mit Kopftüchern, die mit uns einstiegen und ich dachte nur: Wtf?!

Aber anstatt dieses wtf auch auszusprechen oder zu kontern „Rassisten aber auch“, starrte ich ihn nur an. Und überlegte den ganzen Tag, wieso man sowas – ganz ohne Scham – ausspricht. Wieso man glaubt, sich dafür nicht rechtfertigen zu müssen. WTF?!

Ein Hoch auf die Gleichberechtigung

Heute ist #Weltfrauentag und das Internet ist voll mit Infografiken wie „Frauen machen viel mehr im Haushalt“, „Frauen investieren mehr Zeit in unbezahlte Sozialaufgaben“ blablabla… Aber ganz ehrlich? Es geht doch auch anders? Warum redet da denn keiner drüber?

Ich bin ja kein Freund von „die einen sind viel besser als die anderen“. Und schon gar nicht bin ich ein Freund von „Frauen gehören an den Herd“. Nun habe ich das Glück in einer gleichberechtigten Beziehung zu leben. Also in einer richtig gleichberechtigten.

Wir haben beide einen Vollzeitjob. Deshalb teilen wir uns alles, was sonst noch gemacht werden muss: Ich übernehme morgens die Kinder und bringe sie zu Kita, der Hauptfreund holt sie dafür jeden Tag pünktlich ab. Wir teilen uns in die Kinderkrankentage und in Elternabende. Er kauft meistens in der Mittagspause ein. Dafür gehe ich am Freitag auf dem Heimweg am Wochenmarkt vorbei oder schnippse noch schnell in den Drogeriemarkt des Vertrauens. Meine Aufgabe ist das Besorgen von Geburtstagsgeschenken, dafür muss der Mann aber sämtliche Bastelsachen übernehmen.

Okay – die Wäsche ist tatsächlich mein Ding. Aber auch nur, weil er sie einfach nicht so aufhängt, wie ich das mache. Ihr wisst, was ich meine, oder? Dafür teilen wir uns das Kochen, putzen, aufräumen. Ich überlasse ihm gern handwerkliche Sachen und er steht am Wochenende viel häufiger früher auf, um sich um die Kinder zu kümmern.

Apropos Kinder: Auch hier hat der Hauptfreund bisher nur eine einzige Sache allein mir überlassen. Aber das ging auch nicht anders, weil er das Stillen echt schlecht hinbekommen hätte.

Wenn ich jetzt aufrechnen würde, hätte der Mann wahrscheinlich sogar den größeren Anteil an der Kinderbetreuung. Einmal in der Woche verabschiede ich mich schließlich für knapp zwei Stunden zum Yoga – zwei Stunden nur für mich allein.

Ich weiß, dass wir nicht zum Durchschnitt gehören. Dass es in vielen Familien normal ist, dass Papa lange arbeitet und Mama dafür zu Hause ist. Ich will das gar nicht be- oder verurteilen. Jeder soll sein Leben so leben, wie es ihm oder ihr gefällt. Ich freue mich aber, dass der Mann und ich da ziemlich gleich ticken. Und wir unseren Kindern zeigen, dass es auch gleichberechtigt geht. So haben es meine Eltern gemacht und so machen es  – vielleicht, wenn sie es wollen – auch unsere Kinder. Ein Hoch auf die Gleichberechtigung!

Neues von der No Poo-Front

Da die letzten Wochen arg anstrengend waren und wir nach den Krankenwochen auch echt noch irgendwie in den Seilen hingen, habe ich euch noch gar kein Update vom Haarexperiment geschrieben. Nachdem ich dann letzte Woche auch noch ein kleines Haarfail hatte und fast wieder zu Shampoo gegriffen hätte, ist das auch nötig.

Nach den ersten fünf Wochen „nur Wasser“ und der Tatsache, dass mein Immunsystem durch meine Erkältung quasi anderweitig beschäftigt war, blühte meine N*eurodermitis erstmal so richtig. Dadurch wurde meine Kopfhaut extrem trocken und ich kratzte mir diese quasi komplett runter. Nicht schön und vor allem nicht zielfrührend. Ich befragte also das Internet und wurde auch ziemlich schnell fündig: Eine Ölkur soll Besserung bringen. Stinknormales Olivenöl ins Haar, mit Klarsichtfolie abdenken, einziehen lassen und dann auswaschen. Gesagt, getan.


Leider klappt das ganze nur in der Theorie: Das Öl zog nicht so richtig ein (zuviel?) und naja, nur mit Wasser auswaschen kann geht ja auch nicht. Das bemerkte ich dann auch. Meine Haare sahen am nächsten Morgen immer noch wie klatschnass – nämlich total fettig und strähnig – aus. Ich versuchte es dann noch mit Dinkelmehl, da wir kein Roggenmehl im Haus hatten. Aber auch das brachte nichts, das Öl blieb und ich verzweifelte so langsam.


Eine letzte Chance wollte ich dem „Kein Shampoo“ noch geben. Also googelte ich wieder und stieß dann auf „Lavaerde“. Also fuhr ich zum örtlichen Bio-Supermarkt und kaufte mir Lava-Wascherde, rührte diese mit etwas Wasser an und wusch mir die Haare. Sollte das Öl diesmal wieder nicht rausgehen, würde ich direkt zu Shampoo greifen. Aber zack: Es half und war fantastisch! Meine Haare wurden sauber und trotzdem nicht so dünn, wie bei richtigem Shampoo. Zudem haben sie in dieser Woche gar nicht wirklich nachgefettet. Entweder es liegt an der Erde oder mein Kopf hat sich jetzt, nach sieben Wochen, an den Abstand gewöhnt und ich bin jetzt bei „einmal alle sieben Tage waschen“ angekommen.


Heute war dann wieder Haarwaschtag und ich nahm diesmal Kaffeesatz von heute Nachmittag. Das geht nämlich auch ziemlich gut und danach riechen die Haare nach Kaffee… Mmmmhhh.

Auf den Nadeln

Warum erzähle ich hier eigentlich nie, was ich eigentlich gerade so stricke? Jetzt, wo ich abends (meistens) nicht allzu müde bin, habe ich mir mal wieder ein Strickprojekt zugetraut, welches umfangreicher als ein Paar Socken ist. Nachdem ich das letzte Paar Socken dann nach unglaublichen 12 Monaten beendet hatte, kaufte ich mir diese tolle Wolle von der Wollmeise und schlug „Sleeves“ von Martina Behm an.


Sleeves ist ein Dreieckstuch mit Ärmeln. Also quasi eine Mischung aus Bolero und Tuch. Perfekt für jemanden wie mich, die quasi nie genug Strickjacken/ Pullover etc. hat. Den rechten Ärmel habe ich bereits fertig – hat nur drei Monate gedauert 😂 – nun stricke ich am zweiten. Die Wolle ist farblich der Hammer und lässt sich auch prima verarbeiten. 


Leider wird sie mit 2,5er Nadeln verstrickt – und das dauert eben. Aber der Weg ist das Ziel und nächsten Winter werde ich es wohl geschafft haben. Hoffe ich.

Das Haarexperiement – Woche 3

Heute ist Sonntag und damit ist heute „Haarwaschtag“. Es wird also Zeit für ein Update an der Water-only-Front. Ich muss sagen, die letzte Woche wart hart. Meine Haare waren einen Tag nach dem Waschen schon so „geht so“. Ich trug sie am Montag offen, aber da fühlte es sich schon sehr grenzwertig ab. Ab Dienstag ging nur Zopf oder Haarklammer. An offene Haare war da nicht mehr zu denken. Ab Freitag fühlte ic mich sichtlich unwohl und versuchte die Situation auf meinem Kopf zu ignorieren. Das gelang mir aber nur bedingt: Meine Kopfhaut ist immer noch sehr unausgeglichen und schuppt. Und sie juckt, was mich wahnsinnig nervt. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass sich das bald reguliert.

Das Nachfetten war diese Woche ein arges Problem. Das liegt aber wahrscheinlich einmal daran, dass es erst die zweite Woche im 7-Tage-Abstand war. Auf der anderen Seite muss ich mir endlich angewöhnen, mir nicht ständig mit den Händen durch die Haare zu fahren. Selbstdisziplin ist eine Tugend, die mir leider verwehrt blieb.

Wenn die Haare so fettig sind, ist das Bürsten mit der Wildschweinbürste leider gar keine Freude. Dann tut mein Haaransatz weh und wenn man dann noch eine Bürste nutzt, die das Bürsten jeder einzelnen Strähne verlangt, wird das nicht besser. Zudem kostet dieses Bürsten Zeit, die ich mir eben jeden Tag nehmen muss. Aber nach dem Bürsten sind meine Haare glänzend und fluffig – juhu!

Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Wildschweinbürste bereits unter der Woche alle alten Haare herausbürstet und ich unter der Dusche viel weniger verliere. Früher hatte ich beim Haarewaschen unter der Dusche ganze „Büschel“ in der Hand. Jetzt ist das viel besser. Ich hole die Büschel jedoch nun unter der Woche aus meiner Bürste. ;)

Vor und nach dem Waschen – welches ich ja nur mit Wasser mache – käme ich die Haare auch Strähne für Strähne mit der Bürste. So verteile ich den Talg noch einmal bis in die Spitzen. Unter der Dusche habe ich meine Haare heute zusätzlich mit einem Waschlappen abgerubbelt. Sie fühlen sich jetzt deutlich unfertiger und „gewaschener“ als letzte Woche an. Aber irgendwie scheinen sie jetzt auch strohig. Ich werde sie nochmal gründlich kämmen, wenn sie trocken sind und sehe dann weiter. Nach dem Waschen sehen sie jetz so aus:


Was mich jedoch etwas beunruhigt: Mein Ansatz wird langsam aber sicher sichtbar, was mich vor ein klitzekleines Problem stellt. Soll ich meine Haare weiter färben? Wenn ich so „öko“ bin und nicht mal Shampoo benutzen will, ist Farbe (Elumen) eben eigentlich keine Option. Alternativ mag ich meinen aschigen Naturton so gar nicht. Es bleibt also spannend, wie ich mich entscheiden werde…

Das Haarexperiment – Woche 2

Whoop, whoop, ich habe es geschafft. Die erste Woche ganz ohne Haarwaschen ist geschafft. Ab ca. Donnerstag war es richtig ätzend und ich trage seitdem auch nur Zopf, aber ey – ich habe es geschafft.


Ich muss sagen, dass meine Haare auch gar nicht sooo schrecklich speckig sind, wie ich es erwartet habe. Der Ansatz fettet, aber die Längen sind eher weich und fühlen sich echt gut an. Einen großen Anteil hat daran natürlich auch die Zauberbrüste, wie sie hier nun nur noch genannt wird. (Sogar das Osterkind liebt sie – die ziept nämlich nicht.) Meine Kopfhaut gewöhnt sich langsam an die neue Situation, ist aber aufgrund der Witterung immer noch arg irritiert. Ich versuche mir aber nur selten die komplette Kopfhaut runter zu kratzen. Einzig ätzend waren die fettigen Spitzen in der vergangenen Woche. Kennt ihr das, wenn die Haaransätze dann so sehr weh tun? Aber das hat sich nach dem Kämmen immer wieder relativiert und wird sich hoffentlich bald geben.

Ich bleibe als dran. Auf geht’s in Woche 3.

Das Haarexperiment – Woche 1

Vor ca. zwei Wochen laß ich das erste Mal etwas über „No poo“. Es war ein Artikel der „B*unte“ und er war mit einer dieser Klick-generierenden-reißerischen Überschriften betitelt. Ich klicke nicht darauf, googlete aber „no poo“, weil ich wissen wollte, worum es da geht. Dass es sich um „no shamPOO“ handelt und nicht das andere (hihi), hätte ich tatsächlich nicht gedacht. Ich las‘ mich also ein wenig durch Web (z.B. hier oder hier) und schaute mir das eine oder andere YouTube-Video dazu an.

Aber was ist das?

Die No-Poo-Methode war wohl vor einigen Jahren in den USA der letzte heiße Scheiß. Es geht darum, dass man aufhört sich Chemie in Form von Shampoo in die Haare zu schmieren und stattdessen auf natürliche Wäsche setzt. Es gibt Menschen, die waschen sich die Haare mit Roggenmehl und machen danach eine „sauere Rinse“ (das ist irgendwas mit Wasser und Apfelessig…) oder sie nutzen eben „nur Wasser“. Das Ganze bedeutet eben nicht, dass man seine Haare nicht mehr pflegt. Im Gegenteil: Man gönnt seiner Kopfhaut Ruhe und gibt ihr die Möglichkeit, eben genauso viel Talg zu produzieren, wie man benötigt. Dazu gehört dann aber eben auch eine gewisse Disziplin was das Waschen und die „Fellpflege“ betrifft. Soll heißen: Ich werde meine Haarwäschen jetzt auf einmal die Woche beschränken und meine Haar zukünftig mit einer guten Wildschweinborstenbürtse gründlich – eben die obligatorischen 100 Bürstenstriche – durchkämmen.

Warum ist das mache? Nunja, durch meine Neurodermitis habe ich schon immer eine problematische Kopfhaut. Es ist schwierig für mich, das richtige Shampoo zu finden. Kauf ich die „guten“ aus der Apotheke, werden meine Haare trocken und stumpf. Kaufe ich welche aus der Drogerie könnte ich mir häufig nach dem Waschen die Kopfhaupt mit bloßen Nägeln vom Kopf kratzen. Es ist kompliziert. Häufiges Waschen macht es schlimmer. Das krasse austrocknen der Kopfhaut und Haare begünstigte das schnelle Nachfetten, was einen Waschdrang auslöst und so weiter und so fort. Mittlerweile lagen zwischen meinen Haarwäschen immer so vier Tage. Bei mehr fühlte ich mich unwohl, bei weniger rebellierte mein Kopf.

Jetzt habe ich mich jedoch für das „Only Water“-Programm entschieden. Alle, die es ausprobiert und im Netz darüber berichtet haben, erzählen, ihre Haare werden stärker, robuster und glänzender. Mir ist klar, dass jeder einen anderen Haartyp hat. Aber dennoch will ich es ausprobieren. Acht Wochen soll ich meiner Kopfhaut mindestens geben, dann sollte sich die Talgproduktion eingependelt haben. Bis dahin versuche ich meine Haarwäschen auf ca. einmal die Woche zu reduzieren.

So sahen meine Haare zu Beginn des Experiments vier Tage nach dem Waschen aus:

Da waren sie schon etwas fettig und ich band sie danach direkt zum Zopf. ;) Die Bürste ist jedoch der Hammer. Sie macht die Haare sehr glänzend und verteilt den Talg bis in die Spitzen. Auch die Haare der Kinder, die wir eh nur einmal die Woche waschen (und die fast ganz nicht nachfetten), sehen nach dem Bürsten wie nach einer tollen Haarkur aus.

Nach fünf Tagen habe ich es erstmal nicht mehr ausgehalten. Ich habe meine Haare gestern Abend also nur mit Wasser gewaschen. Das Ergebnis: Sie fühlen sich lange nicht mehr so fettig an, wie vor dem Waschen. Aber „frisch shampooniert“ war auch anders. Jetzt ist das Ergebnis eher so, wie zwei bis drei Tage nach dem eigentlichen Waschen mit Shampoo. Sie sind nicht fettig oder ekelig, aber eben auch nicht fluffig. Ich finde es aber gar nicht schlimm, wenn „fluffig“ nervte mich bisher eh immer. Meine Kopfhaut juckt jedoch gerade sehr. Keine Ahnung, ob das jetzt an der Kälte& Heizungsluft liegt, oder an „nur Wasser“. Ich werde das beobachten.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie meine Kopfhaut und meine Haare das Experiment annehmen. Und ich habe noch keine Ahnung, was ich mache, wenn meine derzeitige Farbe rausgewachsen ist und ich eigentlich nachfärben müsste.

Der Weg zu mir

Wie ich bereits schrieb, besuchte ich letzte Woche ein Inhouse-Seminar meines Arbeitgebers. Titel: „Seminar für Frauen: Starker Auftritt“ Es ging um Rhetorik, Ausstrahlung, selbstbewusstes Auftreten und heute dann schließlich auch noch um Kommunikation.

Ich war schon einmal auf ähnlichen Seminaren. Im Grunde hatte ich viele Sachen auch schon einmal gehört, aber leider im Laufe der Zeit tief in mir drinnen verschüttet. Und dennoch waren diese beiden Tage auch ein Weg zu mir selbst.

Wir sollten uns selbstreflektieren und per Video analysieren und stellten schnell fest: Irgendwie ging es jeder von uns Teilnehmerinnen ähnlich. Lampenfieber, wenn wir vor den anderen sprechen sollten. Den Wunsch, die anderen nicht zu enttäuschen. Die Angst, nicht gemocht zu werden. Wir alle sind uns so ähnlich und doch dachte ich von den meisten anderen Teilnehmerinnen: Boah, sind die selbstbewusst. Alles gestandene Frauen.

Mir ist vor allem aufgefallen, was die letzten Jahre aus mir gemacht haben. Dass ich mich seit den letzten Seminaren dieser Art – bevor ich Mutter wurde – weiterentwickelt habe. Erwachsener geworden bin. Ich weiß, dass nicht jedes Problem das Ende der Welt ist. Ich weiß, dass ich eine Menge aushalten kann. Und ich habe reflektiert, dass ich in meinem Leben noch nichts richtig schlimmes durchmachen musste. Es gab Schicksalsschläge in den letzten 32 Jahren – klar. Vielleicht auch mehr, als sie ein anderer Mensch bis hierher erleben musste. Aber es ist niemals exsistenzbedrohend gewesen. Ich bin stärker geworden. Es stimmt: Was einen nicht umbringt, macht einen stark. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

Diese Tage waren ein Weg zu mir selbst, sie haben mir gezeigt, was ich kann und dass ich das auch zeigen kann. Dass ich mich nicht verstecken muss, auch wenn mir meine Erziehung das Wort „Bescheidenheit“ eingebläut hat. Ich gehe seitdem aufrechter durchs Leben und bin dankbar, dass mir das alles so passiert ist. Das Leben kann nicht immer nur gradlinig und glücklich verlaufen, aber erst die Tiefen lassen uns die Höhen wertschätzen.

Tief durchatmen

Gestern und heute besuche ich ein Seminar zu sicherem und selbstbewusstem Auftreten – für Frauen. Alle, die mich näher kennen, fragen mich dann zwar immer, warum gerade ich so ein Seminar brauche. Die wissen aber auch nicht, dass ich in fremder Umgebung eben nicht ich selbst bin und dann sehr ruhig werde. Und dass wirkt dann auf andere eben wieder arrogant. Sagten mit im privaten, wie im beruflichen Umfeld schon einige…

Die Trainerin malte gestern ein schönes Bild: Wenn man Ü60 ist, ist man eher eine Eiche, der egal ist, welcher Pinscher ihr an den Stamm pinkelt. Und ach, wie gern wäre ich da schon! Ich merke, dass ich schon deutlich „reifer“ bin, vieles aufgrund meiner Lebenserfahrung (boah, das klingt wirklich alt) besser einordnen und damit gelassener nehmen kann. Aber das Grübeln konnte ich noch nicht abstellen. Und das zehrt doch in manchen Momenten arg an mir.

Sie, also die Trainerin, stellte und dann gestern noch in Aussicht, dass wir lernen Wut und Stress wegzuatmen. Und das, meine Lieben, wäre tatsächlich ein erstrebenswertes Lernziel. Wir werden sehen.

„Kleine Kinder haut man nicht.“

Heute hat Susanne von geborgen wachsen diesen Link geteilt. Und seitdem grummelt es in meinem Bauch und ich überlege, was ich im diesem Moment gesagt oder auch nicht gesagt hätte.

Vielleicht wäre das meine Antwort:

„Ich verstehe Sie! Ich verstehe Sie so gut! Auch ich habe zwei Kinder und weiß daher, wie es ist, wenn die Nerven blank liegen. Wenn man scheinbar keinen Ausweg mehr sieht. Manchmal, wenn ich so richtig genervt bin und die Kinder dann ’nicht funktionieren‘ denke ich auch daran: Eine Ohrfeige und es ist Ruhe.

Denn leider habe ich keine anderen Problemlösungsstrategien gelernt. Auch mir wurde eine Ohrfeige verpasst, wenn ich nicht funktioniert habe. Oder ich wurde mit einer Jeans (inkl. Gürtel) ‚verwackelt‘, als ich mit einer 4 in Deutsch nach Hause kam. Deshalb ist es das einzige, was mit einfällt, wenn eins meiner Kinder nur noch brüllt und nicht das macht, was ich mir wünsche. Klatsch! Ruhe! Dann hast du einen Grund zum Heulen.

Ich habe es jedoch nie getan. Ich brülle. Daran arbeite ich noch. Aber schlagen, nein. In Gedanken spielen sich die Szenen meiner Kinderheit ab: Ich hebe die Hand und ohrfeige mein Kind. Dann erschrecke ich, denn den Schmerz, den spüre ich noch wie heute. Deshalb tue ich es nicht. Und schäme mich dafür, dass ich es auch nur in Gedanken in Erwägung zog. Ich lerne gerade Probleme anders zu lösen. Vielleicht ist das dieses ‚Man lernt nie aus‘. Denn eins habe ich als Kind verinnerlicht: Respekt hatte ich nur vor dem nicht-schlagenden Elternteil. Vor dem, der nicht müde wurde zu betonen: ‚Kleine Kinder haut man nicht!'“