Vom vertrauen

Heute war ich erst kurz (also wirklich sehr kurz) vor neun im Büro. Im Grunde habe ich da immer schon ein schlechtes Gewissen: Die Kollegen sind dann meist schon eine Stunde da. Die Kinder werden heute Abend länger auf mich warten müssen. Als arbeitender Elternteil zerreißt man sich ja schon ein bisschen.

Heute war ich also wirklich spät dran. Weil ich von der Kita nochmal nach Hause ging, um dem Prinz doch noch eine kurze Hose zu holen. Beim Verlassen der Wohnung hatte ich mich nämlich leider vertan und den Kindern (und mir) lange Hosen angezogen. Auf dem Weg zu Kita merkten wir dann aber: Puh, dass werden heute mehr als 20 Grad. Kurze Sachen wären prima. Das Osterkind hatte Glück: Sie muss nur die Leggings unter ihrem Rock ausziehen und – zack – Sommeroutfit. Dem Prinz und mir wäre nur ein Tag ohne Hose geblieben – keine Option.


In der Kita fragte ich den Prinz also, ob ich ihm noch eine kurz Hose holen soll. Wir wohnen ja zum Glück nur zwei Straßen von der Kita entfernt. Er bejaht und icj denke: Byebye Bahn um 8.10 Uhr. Auch die Hose aus dem Kita-Kleiderpool wollte er nicht anziehen. Ich möge einer seiner Hosen holen. Ich bemühe mich zehn Minuten die Kitahose anzupreisen und denke: Tja, die Diskussionszeit hättest du auch für den Heimweg nutzen können. Ich drücke ihm also einen Kuss auf die Wange und entschwinde mit den Worten: „Ich hol dir eine!“

Als ich zurück zur Kita komme, steht der Prinz immer noch neben der Tür. Mit zitternder Unterlippe fällt er mir in die Arme und eine andere Mama erklärt, dass er nach mir geweint hat. Ich schaue ihn an und erkläre, dass ich doch gesagt hätte, ich käme mit einer kurzen Hose zurück. „Das hab ich nicht gehört“, schluchzt mein Sohn. Ich drücke ihn an mich und denke: Das war wichtig für uns beide. Er lernt, dass er sich auf mich verlassen kann. Und ich lerne, dass er solche Bestätigungen eben noch braucht. Anders wächst dieses Urvertrauen ja auch nicht.