Lessons learned. Go ahead.

Man lernt ja nie aus. Sagt man. Niemals aber hätte ich gedacht, dass dieses „Weiter lernen“ als Eltern nochmal auf ein ganz anderes Level gehoben wird. Gestern habe ich viel über mich gelernt. Und realisiert, dass wir noch lange nicht am Ende unserer Reise sind…

Seit ein paar Wochen bekommen wir die volle Breitseite Vorschulkind ab. Wer jetzt noch keins zu Hause hat: Es gibt eine Vorschulpubertät. Glaubt ihr nicht? Ich auch nicht, bis mein Sohn sechs wurde und seitdem wütet wie Rumpelstilzchen. Es. Ist. Anstrengend. Verdammt.

Am Wochenende nicht aus dem Schlafanzug kommen – geschenkt. Das kann ich auch. Aber in den letzten Wochen ist jedes Zähne putzen, jedes Anziehen, jeder Termin (oder einfach nur mal das Haus verlassen) ein Kampf. Wir reden und ermahnen und schreien und wüten. Aber dem Sohn ist das egal. Im Zweifel ignoriert er unsere Ansagen und spielt vor sich hin.

Gestern war die Kita zu. Studientag. Da ich eh krank geschrieben war, cancelte der Mann sein Homeoffice und die Kinder blieben bei mir. Es versprach zumindest ein Vormittag im Schlafanzug zu werden – also für den Prinz, nicht für uns Mädels. Irgendwann nach dem Mittagessen sagte ich ihm jedoch, er müsse sich anziehen. Schließlich war Freitag und er hat dann immer seinen Termin bei der Logopädin. Das war dem Herrn egal. Er ignorierte mich. Vollkommen. Ich sagte es nochmal. Ich erklärte ihm die Konsequenzen und dass Frau F. sich extra Zeit für ihn nimmt und ich sie ungern versetzen möchte. Es juckte ihn nicht. Irgendwann wurde es so spät, dass ich den Termin sehr widerwillig absagen musste. Ich hasse es, andere Menschen „einfach so“ zu versetzen. Wäre er morgens mit Fieber aufgewacht, ok. Aber einfach „kein Bock“ ist keine Entschuldigung. Aber was blieb mir übrig? Sicher, ich hätte ihn packen und im Schlafanzug dorthin schleifen können. Aber das Kind ist sechs. Für mich war das keine Option.

Ich erklärte dem Sohn sehr deutlich, was mir an seinem Verhalten missfiel. Und, dass ich eine Entschuldigung von ihm bei Frau F. erwarte. Ich erklärte, dass ich dieses Verhalten nicht noch einmal tolerieren werde. Termine platzen lassen, nur weil man sich nicht anziehen will – nö.

An diesem Punkt lernten wir beide aber unsere Lektion. Ich, dass die Welt nicht untergeht, wenn man Menschen einmal versetzt oder Termine platzen lässt. Und, dass mein Sohn sehr wohl „gut“ und „schlecht“ unterscheiden kann. Denn kurz nach meiner Ansprache kam ein sehr zerknirschter kleiner Mann aus seinem Zimmer und hielt mir ein selbst gemaltes Bild hin. Wir besprachen die Sache und das er sich eigentlich nicht bei mir entschuldigen muss. Mal sehen, wie er das nächste Woche mit Frau F. meistert.

Aber dann sind da noch die Wutausbrüche. Von 0 auf 100 in 10 Sekunden. Heute hat er die Wohnzimmertür solange gegen die Wand gedonnert, bis eine Kerbe in der Wand war. Er schreit und wütet und macht Dinge absichtlich kaputt. Und keine Stunde später ist er das Kuschelkind, welches mir unbedingt beim Kochen helfen will. Er testet seine Grenzen und rastet aus, wenn wir sie ihm aufzeigen. Meine Lektüre für die kommenden Wochen ist dann wohl „Wenn die Zähne wackeln, wackelt die Seele“. Aus Gründen.

Und nun sitze ich hier. Trinke ein Glas Wein, schreibe meine wirren Gedanken auf und der Prinz liegt in seinem Bett und hört ein Hörspiel. Das ist nämlich auch eine Errungenschaft der Vorschulzeit: Das große Kind geht nun allein ins Bett, hört noch ein Hörspiel und braucht keine Einschlafbegleitung mehr. Es hat ja alles eine gute und eine weniger gute Seite, ne?