In der Unterwelt

Wenn der Freund und ich ein Wochenende ohne die Kinder haben, weil diese ihre Papa-Zeit genießen, dann nutzen wir das fĂŒr Dinge, die sich mit Kindern nicht oder nur schwer machen lassen. Den ganzen Tag im Bett herumliegen. Oder wir begeben uns, wie gestern, in die Unterwelt.

Ja, wir waren gestern in der Unterwelt. Genau genommen in den Berliner Unterwelten und haben an der FĂŒhrung M „Unterirdisch in die Freiheit“ teilgenommen. Ich als „Ossi“ und er als „Wessi“ hatten ganz andere Blickwinkel auf die Geschichte meines „Heimatlandes“ (also dem Staat, in denen ich geboren wurde).

Wir begaben uns also in der unterirdische Berlin und erfuhren nicht nur etwas ĂŒber die eigentlichen Fluchten durch die U-Bahn, AbwasserkanĂ€le oder selbst gegrabenen Tunnel. Wir erfuhren vor allem etwas ĂŒber den Staat, der es als letztes Mittel gegen die „Flucht der Elite“ sah, seine Bevölkerung einzusperren. Der seine Grenzsoldaten am „antifaschistischen Schutzwall“ nicht etwa mit dem Blick zu den „bösen Kapitalisten“, sondern mit Blick auf die eigenen Landsleute postierte. Wir lernten so viel mehr ĂŒber die Teilung des Landes und vor allem dieser Stadt, als ich das in der Schule getan habe. Dort war mit Bau der Mauer Schluss, weil „plötzlich“ das Abi vor der TĂŒr stand.

Es ist immer noch erschreckend, wie bedrĂŒckend auch die neuere deutsche Geschichte ist. Eine Geschichte, die meine Eltern noch hautnah miterlebt haben. Wer jedenfalls einmal in Berlin ist, dem sei der Verein „Berliner Unterwelten e.V.“ ans Herz gelegt. Es gibt so viel mehr in der Hauptstadt zu sehen und zu erleben als den Fernsehturm und das Brandenburger Tor.

JahresrĂŒckblick 2018

Oh. Mein. Gott.
Obwohl hier im Blog ab Mai quasi nichts mehr passiert ist, war das Jahr alles andere als ruhig. Es ist eine Menge passiert, inkl. eines halben Auszugs, einer Trennung, dem Bruch kleiner und eines großen Herzens… Aber der Reihe nach:

Januar
Wir fahren nach Bremen und besuchen die Bremer Stadtmusikanten und das Universum. Der eigentliche Grund ist aber ein Konzertbesuch mit einer Freundin: Gemeinsam himmeln wir MPK an.

Februar
Der Prinz und ich gehen das erste Mal gemeinsam ins Kino. NatĂŒrlich das Astor mit Loge, sodass wir beide schön die FĂŒĂŸe hochlegen können. Wir gucken „Die kleine Hexe“ und sind beide ganz verzaubert.

Die Kinder feiern im Kiga als Fee und Ninjago Fasching. Auch der Mann und ich gehen ins Kino – nachdem wir das seit fast neun Jahren nicht mehr gemacht hatten. Achja, und wir kaufen einen Ranzen fĂŒr unser Bald-Schulkind.

MĂ€rz
Wir fahren nach Hessen, um den 18. Geburtstag der Nichte vom Mann zu feiern. Ich fahre dienstlichen nach Köln und erkenne den Dom erschreckend wenig in Blutwurst.

Ende des Monats steht natĂŒrlich der Geburtstag des Osterkindes an. Sie wird 5.

April
An Ostern helfen wir der Nichte beim Streichen im neuen Haus. Danach packen wir unsere Taschen und fliegen nach Kreta. Dort genießen wir die Sonne, das Essen und die Ruhe. So ein Urlaub ist schon was feines. :)

Mai
Über den 1. Mai schleifen wir die Kinder nach Berlin. Wir besuchen den Reichstag und machen die FamilienfĂŒhrung. Wir fahren Bus, Straßenbahn, U-Bahn und S-Bahn. Wir treffen Menschen aus dem Internet auf SpielplĂ€tzen und genießen die Zeit. Danach fĂ€hrt die Familie wieder nach Hause, ich bleibe noch fĂŒr die re:publica. Ende des Monats steht schon wieder eine Reise auf dem Plan: Der Mann feiert einen Runden Geburtstag und bekam von mir einen Tag im Logo House in Billund.

Juni
Der Prinz darf als Vorschulkind in der Kita ĂŒbernachten. Das Osterkind nutzt das sturmfrei vom Bruder und lĂ€dt ihre Freundinnen zur allerersten Übernachtungsparty ein. Ende des Monats grillen wir auf dem Betriebshof – und ich lege die Weichen.

Juli
Ich muss mal raus und schnappe mir die Nachbarin/ Freundin. Wir trinken viel zu viele Cocktails, haben aber eine Menge Spaß.
Wir fahren zu Ed Sheeran nach Berlin und ich bin arg begeistert. Mir wird klar, dass ich unzufrieden bin und Àndere das mit Feiern. Ich verliebe mich neu, stelle alles in Frage und erkenne sehr schnell, was ich will und was nicht (mehr).

August
Der Mann und ich trennen uns. Wir schulen den Prinz ein. Wir sagen es den Kindern. Ich schwanke zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrĂŒbt. Ich wollte das so nicht. Aber weitergehen konnte es auch nicht.

September
Wir versuchen ein geregeltes Familienleben aufzustellen. Es ist fĂŒr alle nicht leicht. Aber mein Herz sagt ziemlich klar, was es will.

Oktober
Wir fahren mit dem neuen Freund (aber ohne Ex) in den Urlaub und besuchen die NĂŒrburg und wandern an der Mosel. Die Kinder gewöhnen sich an die neue Situation und kommen an. Klare Regeln machen es fĂŒr alle leichter.

November
Der Ex hat eine Wohnung, ich pendele nach Magdeburg. Die Kinder bleiben in der ehemals gemeinsamen Wohnung und haben so einen zentralen Zufluchtsort. Wir gewöhnen uns langsam an den neuen Alltag. Beruflich wird es nochmal spannend. Da kommt eine Menge Arbeit auf mich zu. Ärmel hochkrempeln.

Dezember
Die Vorweihnachtszeit ist das erste Mal so ganz anders als sonst, die Kinder sind entweder bei Mama oder bei Papa. Weihnachten wird ein Diskussionspunkt und ich entscheide, was entschieden werden muss. Dieses Jahr hat sich unser Leben um 180 Grad gedreht. Aber ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war.

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Ich will nicht!

Woche zwei vom Schwimmkurs und schon gibt es TrÀnen. TrÀnen beim Prinz, TrÀnen (fast) bei mir. Es ist kompliziert und es liegt wahrscheinlich auch an mir und meinem inneren Kind, welches irgendwie noch nicht abgeschlossen hat.

Der Prinz wollte gestern schon nicht ins Becken. Morgens sagte er bereits zum Mann, dass er nicht zum Kurs will. Als ich ihn dann von der Kita abholte, blutete sein eingerissener Fingernagel ein wenig – Pflaster drauf und da war sie, die Ausrede, nicht ins Wasser zu mĂŒssen. Ich erlaubte es. Zwingen hat beim Prinz noch nie etwas gebracht. Einmal „Pause“ machen, ist schon mal okay. Das Osterkind lies sich davon nicht beeindrucken und verschwand mit der Schwimmtrainerin in der Dusche, wĂ€hrend der Prinz sichtlich glĂŒcklich war, dem Kurs von außen beiwohnen zu dĂŒrfen.

Ich erklĂ€rte ihm, dass das keine Dauerlösung sein kann. Man kann nicht immer Ausreden finden. Entweder soll er mir sagen, dass er den Kurs abbrechen will oder er muss mitmachen. Die Trainer nehmen sich Zeit und ich halte nichts von „ich hatte eben keinen Bock“. Wenn man Zusagen macht, dann hĂ€lt man die auch ein. Oder sagt eben vorher ab.

Heute stand dann die vierte Stunde Schwimmen an. Wir betraten die Umkleide und plötzlich klammerte sich der Prinz wieder an mich. Er wolle die ganze Zeit bei mir sein. Ich solle mitkommen. Das ist aber nicht vorgesehen: Die Eltern warten im Schwimmbadcafé hinter einer Glasscheibe. Ich hatte nicht mal einen Badeanzug dabei. Wir machten einen Kompromiss und ich begleitete die Kinder noch bis zur Dusche.

Als die Kinder aus der Dusche kamen, war der Prinz schon ziemlich aufgelöst. Er wollte nicht ins Wasser und wurde vom Trainer rein gehoben. Mein Sohn weinte und ich konnte von außen nicht erkennen, warum. Weint er nach mir? Weint er, weil er Angst hat? Weint er, weil die Trainer eben doch noch fremd sind?

Ich lief wie ein Tiger auf und ab. War mehr als einmal versucht, die TĂŒr vom CafĂ© direkt ins Bad aufzureißen und mein Baby in die Arme zu schließen. Aber ich tat es nicht. Denn in mir tobte ein Kampf:

„Das Kind etwas „stupsen“ vs. gegen seinen Willen etwas tun mĂŒssen. Es ist kompliziert.“ (Tweet)

Plötzlich war ich wieder Kind. Und erinnerte mich an all die schrecklichen Sportstunden, in denen ich zu Dingen gezwungen wurde, vor denen ich Angst hatte. Ich habe erst in der achten oder neunten Klasse gelernt, ĂŒber den Bock zu springen. Vorher hatte ich wahnsinnige Angst und eben nie eine Lehrerin oder einen Lehrer, der sich ausreichend Zeit fĂŒr die Ă€ngstlichen Kinder nehmen konnte oder wollte. Mich bekommt man nicht mit dem Satz „Aber dann kannst du voll stolz auf dich sein!“ Mir ist das schnuppe. Ob ich ĂŒber einen Bock springen kann oder nicht, wird niemals die Welt retten oder Krebs heilen. Das alles sind keine Ziele, an denen ich mich messe. 2010 waren wir bei einem Seminar mal in einem Hochseilgarten. Ich sollte da rum klettern, traute mich aber erst nicht. Irgendwann kletterte ich bis auf die erste Empore und alle meinten so: „Und? Biste jetzt stolz auf dich?“ und ich dachte nur: Warum? Habe ich irgendwas wirklich wichtiges gemacht? Niemals wird man auf meiner Trauerrede sagen: Sie kletterte in einem Hochseilpark rum. Das ist nichts, was mir wichtig ist.

Ich weiß, dass meine Kinder – und gerade der Prinz – sich nicht immer alles gleich trauen. Dass er oft die NĂ€he zu uns sucht und sich daher auch Dinge entgehen lĂ€sst. Den Kindergeburtstag seiner besten Freundin hat er mal sausen lassen, weil er Angst vor dem Holzdrachen am Eingang des Indoorspielplatzes hatte. Da ist er konsequent, auch wenn er sich manchmal selbst im Weg steht.

Als der Prinz nach dem Kurs in die Umkleide kam, hatte er blaue Lippen und zitterte wie Espenlaub. Und er weinte bitterlich, weil er mich vermisst habe. Aber mit dem Abtrocknen und wieder aufwĂ€rmen kam auch das LĂ€cheln zurĂŒck. Es war „nur“ die Sehnsucht, nicht die Angst, etwas tun zu mĂŒssen, was er nicht will.

Ich denke, wir finden eine Lösung. Im Zweifel schwimme ich eben ein paar Bahnen, wĂ€hrend die Kinder auf der Bahn nebenan trainieren. Ich möchte den Kindern halt geben, aber sie dennoch nicht einzwĂ€ngen. Sie mĂŒssen auch lernen, ohne Mama und Papa klar zu kommen. Aber sie dĂŒrfen es in ihrem Tempo lernen. Und ich versuche, mein inneres Kind endlich mit seinen Erfahrungen zu versöhnen – und es bei meinen Kindern besser zu machen.

JahresrĂŒckblick 2017

Nachdem ich auch in 2017 dieses Blog strĂ€flich vernachlĂ€ssigt habe (das muss sich Ă€ndern!), krame ich es aber dennoch wieder fĂŒr einen JahresrĂŒckblick hervor. Eben weil ich so leichter in der Vergangenheit kramen kann und ich daran erinnert werde, hier wieder öfter meine Gedanken nieder zu schreiben. Das ist auf jeden Fall schon mal ein guter Vorsatz fĂŒr 2018!

Januar

Wir waren alle insgesamt fast vier Wochen krank. Immer ein anderer, manchmal ĂŒberlappend. Mit richtig hohem Fieber und der Erkenntnis, dass auch ich Fieber nicht mehr so leicht wegstecke. Mit dem Jahreswechsel gab ich es ja auch auf, mir die Haare mit Shampoo zu waschen. Zuerst nahm ich nur Wasser, was mich aber bald an die Grenzen brachte.

Februar

Die Krankheit war immer noch nicht ganz ausgestanden. Im Februar erwischte es das Osterkind richtig fies. :( Wir fuhren zum Geburtstag des Neffen- und Patenkindes des Manns in die NĂ€he von Frankfurt. Dort beschloss ich aus „No-Poo“ jetzt „Waschen mit Lavaerde“ zu machen. Lavaerde zieht nĂ€mlich wenigstens das Fett aus den Haaren. Das einmal pro Woche waschen behielt ich aber bei. Und es macht meine Haare tatsĂ€chlich „besser“.

MĂ€rz

Der Mann packte die Kinder fĂŒr vier Tage ein und ich hatte „strumfrei“. Seit mehr als vier Jahren lag ich daher das erstmal wieder in der Wanne. Eben, weil ich so die nötige Ruhe dafĂŒr hatte. <3 Dienstlich verbrachte ich einen sehr regnerischen und kalten MĂ€rztag auf dem ADAC-TrainingsgelĂ€nde. Die Erinnerung fröstelt mich heute noch. Der Prinz bekommt ein grĂ¶ĂŸeres Fahrrad und gibt sein altes an die kleine Schwester weiter. Diese steigt auf und lernt quasi in 20 Minuten Radfahren. Am Ende feiern wir den Katzengeburtstag vom Osterkind.

April

Ich besuchte seit vier Jahren das erste Mal wieder ein Kino. Und nicht irgendein Kino, sondern das „ASTOR Grand Cinema“ – da kann man in der Loge die FĂŒĂŸe hochlegen. Ostern verbrachten wir dann in meiner alten Heimat und zeigten den Kindern die Burgen „an der Saale hellem Strande“.

Mai

Anfang Mai ging es mal wieder nach Berlin auf die re:publica – bei der ich ein ziemlich cooles Meet“n’Greet hatte:

Ende Mai lernte ich dann noch fĂŒr’s Leben: Nie, nie wieder werde ich an meinem Geburtstag arbeiten! Die Wahrscheinlichkeit mit Ă€tzenden Kollegen in einem noch Ă€tzenderen Meeting zu landen ist einfach zu groß und rechtfertigt jeden Urlaubstag.

Juni

Wir verbringen die ersten Junitage in Hamburg und verlieben uns spontan in die Stadt. Der Mann und ich gehen gemeinsam auf unser erstes Konzert (?) und genießen zudem einen kinderfreien Abend.

Juli

Den halben Monat haben die Kinder Kitaferien, weshalb auch wir Eltern nacheinander Urlaub haben. Die heißen Tage verbringen die Kinder und ich bei der Familie und liegen im Freibad rum. Es ist so, wie Ferien sein sollen: Keine Aufgaben, faulenzen, im Schwimmbad abhĂ€ngen. :)

August

Der Großneffe kommt in die Schule und der Prinz schnuppert schon mal, wie es nĂ€chstes Jahr bei seiner Einschulungsparty werden könnte. Nach den Ferien ist er nĂ€mlich ganz offiziell ein Vorschulkind. Wir fahren noch einmal nach Hessen zur Familie, denn auch dort wird ein Kind eingeschult. Wir kommen aus dem Feiern quasi gar nicht mehr raus. Am Ende besuchen wir gemeinsam die MakerFaire und sind – wie immer – verblĂŒfft, was sich Menschen so einfallen lassen.

September

Der Prinz und ich gehen zur Schuleingangsuntersuchung und bekommen schwarz auf weiß das „Go“. Mein Sohn  ist also nĂ€chstes Jahr ein Schulkind. Unser Jahresurlaub steht vor der TĂŒr: Die erste Flugreise fĂŒr die Kinder und den Mann. Wir genießen die freien Tage auf Mallorca und wollen am Liebsten gar nicht mehr weg. :)

Oktober

Das Ninjgo-Fieber ist nun auch bei uns angekommen. Daher schleichen wir morgens gern mal wie die Ninja zum Kindergarten. NatĂŒrlich stehen auch die jĂ€hrlichen LaternenlĂ€ufe an – ich muss also im Kindergarten meine BastelkĂŒnste unter Beweis stellen. Und Ă€hem naja, ich bekomme es ganz gut hin. Am Ende feiern wir eine Ninjagoparty, denn der Prinz wird 6.

November

Das spektakulÀrste im November war wahrscheinlich, dass ich mir eine Blase an den Finger gespitzt habe.

Dezember

Wir schalten im Dezember einen Gang zurĂŒck – die KrĂ€fte sind tatsĂ€chlich irgendwie am Ende. Weihnachten verbringen wir mit einem Teil der Familie hier und besuchen den anderen am 1. Feiertag. Zwischen den Jahren faulenzen wir viel und gehen mit den Kindern schwimmen. Dort entdecken sie endlich ihre Liebe zu Wasser – dem Schwimmkurs steht also nichts mehr im Weg. Und damit war schon wieder ein Jahr vorbei und wir bereiten die Party mit unseren Freunden heute Abend vor.

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Was bleibt.

Die Frage, warum man Kinder hat/will, beantworten ja viele mit: Damit etwas von mir bleibt. Nach dem eigenen Tod ein kleines „Ich“ auf diesem Planeten wandelt. Ich habe das ja nie so ganz verstanden. Kinder klonen uns ja nicht, durch die Mischung der Gene entstehen immer – selbst bei Geschwistern – eigene, neue Menschen. Und dennoch fand ich die Idee, dass etwas meiner (toten) Eltern in uns Kindern weiterlebt, immer irgendwie schön. Ich muss mir das aber immer bewusst machen – meist mit dem Hintergedanken, nicht so zu werden wie meine Mutter.

Aber jetzt haben wir den Beweis: Ein Teil meines Papas steckt tief in mir. In meinen Chromosomen und jetzt eben auch im Prinz. Das Ergebnis ist eine „Rot-GrĂŒn-SchwĂ€che“ beim Sohn. Ich trage sie in einem „defekten“ X, der Prinz hat genau dieses X geerbt und kann deshalb Rot- und GrĂŒntöne schwerer erkennen. Ein Teil meines Papas schlummert in mir – ohne, dass es mir bewusst war. Und der Prinz zeigt uns, dass eben doch etwas bleibt.

[Ich hoffe jedoch, dass das die einzige genetische Erbschaft ist. Die Krankheit, die zum Tod meines Papas gefĂŒhrt hat, braucht de Prinz oder das Osterkind oder sonstjemand nĂ€mlich nicht.]

Das Ende der Weihnachtsferien

Ach, wie haben wir die letzten 1,5 Wochen genossen: Familienzeit in ihrer Reinstform, Pancakes an Weihnachten zum FrĂŒhstĂŒck (dafĂŒr liebt mich der Neffe wahrscheinlich immer noch) und ansonsten rumlungern im Schlafanzug und kuscheln, kuscheln, kuscheln.

Diese Ferien taten sooo gut. Wir waren alle zu Hause, haben nur gemacht, worauf wir auch Lust hatten. Haben die Familie und Freunde getroffen, haben Kraft getankt und können nun ins neue Jahr starten. <3

JahresrĂŒckblick 2016

Januar

Der Jahresauftaktworkshop mit meinen Kollegen bringt auch privat eine große VerĂ€nderung. Das Osterkind und ich beenden unsere Stillbeziehung. Nachdem sie immer wieder 2-3 NĂ€chte ohne stillen auskam (wenn ich nicht zu Hause war), danach aber immer wieder anfing, als sei nichts gewesen, beendete ich das Ganze diesmal wirklich. Fast drei Jahre wurde das Osterkind gestillt und es war ok, dass es nun ein Ende hatte.

Februar

Das Leben lief so dahin. Wir verrachten ruhige Nachmittage mit den Schnuffels, kauften uns die weltbesten Winterbetten und warteten auf den FrĂŒhling.

MĂ€rz

Da die Kinderbetten langsam zu klein wurden und wir auch den Plan hatten, das Osterkind könnte demnÀchst einmal anfangen in ihrem Bett (und damit in ihrem Zimmer) zu schlafen, zogen wir los und kauften zwei Hochbetten von F*lexa. Die Lieferzeit betrug 10 Wochen, sodass wir noch bis Mitte April Zeit hatten, die Kinderzimmer zu streichen und neue KleiderschrÀnke etc. zu kaufen. Ostern verbrachten wir bei der Familie und feierten die beiden Geburtstage der Osterkinder.

April

Raten Sie, wann die Zimmer fertig waren. Richtig, ein Wochenende vor Lieferung der Betten. ;) Aber es hat sich gelohnt: Unser Wohnzimmer ist seit Fertigstellung der Kinderzimmer weitesgehendst Spielzeugfrei und das ist dann doch eine ganz neue LebensqualitĂ€t. Der Prinz bekam zu Ostern ein Fahrrad und lernt das Fahrradfahren in ca. drei Stunden. Verbissen kĂ€mpfte er sich durch das Lernen und gab auch bei kleinen RĂŒckschlĂ€gen nicht auf. Das Laufradfahren hat eine gute Grundlage geschaffen, denn StĂŒtzrĂ€der brauchte der Prinz gar nicht – irgendwann lies Papa den GepĂ€cktrĂ€ger einfach los und der Prinz fuhr davon.

Mai

Wir verbringen die eineinhalb Wochen Urlaub, die der Mann und ich dieses Jahr gemeinsam haben, bei meinem Schwiegervater an der Ostsee. Ich stelle fest, dass ich ein Ostseekind bin und das auch nicht einfach abschĂŒtteln kann. Wir feiern unseren Geburtstag zu Hause mit Freunden und der Familie und genießen den Sonnenschein auf unserem Balkon.

Juni

Im Juni mussten wir unseren Fuhrpark etwas erweitern: Das Osterkind ist so gewachsen, dass sie nicht lĂ€nger auf dem kleinsten P*uky-Laufrad fahren konnte. Es folgte also das grĂ¶ĂŸere. Außerdem sollte nun aber auch ein Roller her. Wir fuhren also zum Fahradtempel unseres Vertrauens und suchten zwei Rolle aus: Das Osterkind bekam einen in lila, der Prinz in pink.

Juli

Der Hauptfreund und ich teilen uns die beiden Wochen Schließzeit der Kinder auf uns machen getrennt von einander Urlaub. Wir genießen die freie Zeit und das schöne Wetter. Damit uns nicht langweilig wird, fahre ich mit den Kindern zu meiner Nichte und wir springen dort in den Pool. Danach hĂ€ngen wir noch einen Kurzurlaub in meiner Heimat dran. Die Kinder und ich fahren mit den Auto vor, der Hauptfreund kommt mit der Bahn nach. Wir beantragen nach 1,5 Jahren einen Erbschein (juhu!) und besuchen das ganz frische Baby meiner Schulfreundin. <3

August

Der August verfliegt irgendwie. Ich kann mich gerade gar nicht an etwas herausragendes erinnern…

September

Der September ist heiß und wir alle warten auf den Urlaub. Acht Wochen sind auch fĂŒr die Kinder ganz schön hart, aber da wir die Herbstferien mit dem Lieblingsneffen verbringen wollen, mĂŒssen wir uns bis Ende September gedulden.

Oktober

Endlich ist er da: Der Urlaub zusammen mit meiner Schwester und dem Lieblingsneffen. Wir unternehmen gar nichts groß, sondern sind eigentlich nur hier zu Hause. Aber es tut gut, die Familie um sich herum zu haben und die Kinder lieben ihre Tante gar sehr. Ende Oktober feiern wir unseren ersten richtigen Kindergeburtstag – der Prinz wird 5 und die Piratenparty wird ein voller Erfolg. Leider endet die Party mit Magen-Darm fĂŒr das Osterkind. :(

November

Wir gehen Laterne und kommen ein wenig zur Ruhe. Die ewige Dunkelheit nervt schon ein bisschen, aber die Vorfreude auf Weihnachten steigt. Die Kinder backen mit ihrem Papa unseren allerersten Christstollen und ich verabschiede mich fĂŒr ein Wochenende in den Harz, um meine alten Schulfreundinnen zu treffen.

Dezember

Der Dezember vergeht – wie immer – viel zu schnell. Mein Bruderherz kommt auf einen Spontanbesuch vorbei uns macht damit seine Nichte und seinen Neffen arg glĂŒcklich. Wir fahren am 4. Adventwochenende mit dem Zug nach Leipzig und freuen uns ĂŒber leuchtende Kinderaugen. Der Doppelstock IC ist der Knaller! Außerdem gehen wir mit dem Prinz zu einer Ex-FrĂŒhchen-Nachuntersuchung und erhalten zwei Tage spĂ€ter schwarz auf weiß: Wir haben einen kerngesunden, normal entwickelten 5jĂ€hrigen zu Hause. Und das ist, wenn man die Statikstik zugrunde legt, mehr als ein Sechser im Lotto. <3

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„Kleine Kinder haut man nicht.“

Heute hat Susanne von geborgen wachsen diesen Link geteilt. Und seitdem grummelt es in meinem Bauch und ich ĂŒberlege, was ich im diesem Moment gesagt oder auch nicht gesagt hĂ€tte.

Vielleicht wÀre das meine Antwort:

„Ich verstehe Sie! Ich verstehe Sie so gut! Auch ich habe zwei Kinder und weiß daher, wie es ist, wenn die Nerven blank liegen. Wenn man scheinbar keinen Ausweg mehr sieht. Manchmal, wenn ich so richtig genervt bin und die Kinder dann ’nicht funktionieren‘ denke ich auch daran: Eine Ohrfeige und es ist Ruhe.

Denn leider habe ich keine anderen Problemlösungsstrategien gelernt. Auch mir wurde eine Ohrfeige verpasst, wenn ich nicht funktioniert habe. Oder ich wurde mit einer Jeans (inkl. GĂŒrtel) ‚verwackelt‘, als ich mit einer 4 in Deutsch nach Hause kam. Deshalb ist es das einzige, was mir einfĂ€llt, wenn eins meiner Kinder nur noch brĂŒllt und nicht das macht, was ich mir wĂŒnsche. Klatsch! Ruhe! Dann hast du einen Grund zum Heulen.

Ich habe es jedoch nie getan. Ich brĂŒlle. Daran arbeite ich noch. Aber schlagen, nein. In Gedanken spielen sich die Szenen meiner Kinderheit ab: Ich hebe die Hand und ohrfeige mein Kind. Dann erschrecke ich, denn den Schmerz, den spĂŒre ich noch wie heute. Deshalb tue ich es nicht. Und schĂ€me mich dafĂŒr, dass ich es auch nur in Gedanken in ErwĂ€gung zog. Ich lerne gerade Probleme anders zu lösen. Vielleicht ist das dieses ‚Man lernt nie aus‘. Denn eins habe ich als Kind verinnerlicht: Respekt hatte ich nur vor dem nicht-schlagenden Elternteil. Vor dem, der nicht mĂŒde wurde zu betonen: ‚Kleine Kinder haut man nicht!'“

WetterfĂŒhlig

Mit dem Mann in den Urlaub zu fahren ist ja auch nicht so leicht. Der Gute ist nĂ€mlich wetterfĂŒhlig und wird mehr als grummelig, wenn Petrus ihm einen Strich durch die Rechnung macht. Wir „kĂ€mpfen“ bei miesem Wetter also nicht nur gegen die WutausbrĂŒche der 3- und 4-JĂ€hrigen, sondern auch mit der miesen Laune des Haupfreunds. Was ein Spaß!

Jetzt sind wir wieder zu Hause und es regnet in Strömen. Aber wĂ€hrend das an der Ostsee noch ein Weltuntergang war (am schlimmsten war es, bei Sonnenschein abfahren zu mĂŒssen), scheint das hier kein Problem zu sein. Da sitzen der Mann und der Sohn einfach den ganzen Vormittag im Kinderzimmer und man hört das vertraute Lego-Rauschen. Alles in bester Ordnung, solange Lego in der NĂ€he ist.

Muss ich mir merken, fĂŒr den nĂ€chsten Urlaub.

Ostseekind

Einmal Ostsee, immer Ostsee. Nach nur einem Tag muss ich gestehen, was ich nicht wahrhaben wollte: Ich bin ein Ostseekind.


Jahrelang sind meine Eltern mit uns (meinem Bruder und mir) an die Ostsee gefahren. Weil man als BĂŒrger der D*eutschen D*emokratischen R*epublik eben auch nicht groß wo anders hinkam. Jeden Sommer, 3 Wochen. Sie haben unser Schneckenhaus an den Wartburg gehĂ€ngt und sind mit uns an die Ostsee gefahren. Ich verband mit diesen Urlauben immer das, was Kindheit und GlĂŒck bedeutet: Gemeinsamkeit, Sand in den Haaren, SonnenbrĂ€une (nicht Sonnenbrand!), morgens gemeinsam aufwachen und den FKKlern auf dem Weg ins Meer zusehen.

Es war Liebe in der reinsten Form.


Als ich groß war, wollte ich endlich an die Nordsee. Ich wollte die Gezeiten mit eigenen Augen sehen. Wollte an ein „richtiges“ Meer, eben nicht dahin, wo ich schon tausend Mal war. Die Urlaube waren toll, aber das Klima ist rau, immer wurden wir krank. Die Nordsee ist eben die Nordsee.

Und jetzt sind wir den ersten Tag unseres Urlaubs an der Ostsee. Ein wenig fĂŒhlt es sich vertraut an, auch wenn wir ganz woanders sind.


Vielleicht liegt es daran, dass meine Eltern nicht mehr da sind. Vielleicht sage ich das immer, wenn ich am Meer bin. Aber ich habe den Drang, einen Wohnwagen an unser Auto zu hĂ€ngen und wieder zu kommen. Immer wieder. Damit meine Kinder diese Liebe auch spĂŒren können.