Ich will nicht!

Woche zwei vom Schwimmkurs und schon gibt es Tränen. Tränen beim Prinz, Tränen (fast) bei mir. Es ist kompliziert und es liegt wahrscheinlich auch an mir und meinem inneren Kind, welches irgendwie noch nicht abgeschlossen hat.

Der Prinz wollte gestern schon nicht ins Becken. Morgens sagte er bereits zum Mann, dass er nicht zum Kurs will. Als ich ihn dann von der Kita abholte, blutete sein eingerissener Fingernagel ein wenig – Pflaster drauf und da war sie, die Ausrede, nicht ins Wasser zu müssen. Ich erlaubte es. Zwingen hat beim Prinz noch nie etwas gebracht. Einmal „Pause“ machen, ist schon mal okay. Das Osterkind lies sich davon nicht beeindrucken und verschwand mit der Schwimmtrainerin in der Dusche, während der Prinz sichtlich glücklich war, dem Kurs von außen beiwohnen zu dürfen.

Ich erklärte ihm, dass das keine Dauerlösung sein kann. Man kann nicht immer Ausreden finden. Entweder soll er mir sagen, dass er den Kurs abbrechen will oder er muss mitmachen. Die Trainer nehmen sich Zeit und ich halte nichts von „ich hatte eben keinen Bock“. Wenn man Zusagen macht, dann hält man die auch ein. Oder sagt eben vorher ab.

Heute stand dann die vierte Stunde Schwimmen an. Wir betraten die Umkleide und plötzlich klammerte sich der Prinz wieder an mich. Er wolle die ganze Zeit bei mir sein. Ich solle mitkommen. Das ist aber nicht vorgesehen: Die Eltern warten im Schwimmbadcafé hinter einer Glasscheibe. Ich hatte nicht mal einen Badeanzug dabei. Wir machten einen Kompromiss und ich begleitete die Kinder noch bis zur Dusche.

Als die Kinder aus der Dusche kamen, war der Prinz schon ziemlich aufgelöst. Er wollte nicht ins Wasser und wurde vom Trainer rein gehoben. Mein Sohn weinte und ich konnte von außen nicht erkennen, warum. Weint er nach mir? Weint er, weil er Angst hat? Weint er, weil die Trainer eben doch noch fremd sind?

Ich lief wie ein Tiger auf und ab. War mehr als einmal versucht, die Tür vom Café direkt ins Bad aufzureißen und mein Baby in die Arme zu schließen. Aber ich tat es nicht. Denn in mir tobte ein Kampf:

„Das Kind etwas „stupsen“ vs. gegen seinen Willen etwas tun müssen. Es ist kompliziert.“ (Tweet)

Plötzlich war ich wieder Kind. Und erinnerte mich an all die schrecklichen Sportstunden, in denen ich zu Dingen gezwungen wurde, vor denen ich Angst hatte. Ich habe erst in der achten oder neunten Klasse gelernt, über den Bock zu springen. Vorher hatte ich wahnsinnige Angst und eben nie eine Lehrerin oder einen Lehrer, der sich ausreichend Zeit für die ängstlichen Kinder nehmen konnte oder wollte. Mich bekommt man nicht mit dem Satz „Aber dann kannst du voll stolz auf dich sein!“ Mir ist das schnuppe. Ob ich über einen Bock springen kann oder nicht, wird niemals die Welt retten oder Krebs heilen. Das alles sind keine Ziele, an denen ich mich messe. 2010 waren wir bei einem Seminar mal in einem Hochseilgarten. Ich sollte da rum klettern, traute mich aber erst nicht. Irgendwann kletterte ich bis auf die erste Empore und alle meinten so: „Und? Biste jetzt stolz auf dich?“ und ich dachte nur: Warum? Habe ich irgendwas wirklich wichtiges gemacht? Niemals wird man auf meiner Trauerrede sagen: Sie kletterte in einem Hochseilpark rum. Das ist nichts, was mir wichtig ist.

Ich weiß, dass meine Kinder – und gerade der Prinz – sich nicht immer alles gleich trauen. Dass er oft die Nähe zu uns sucht und sich daher auch Dinge entgehen lässt. Den Kindergeburtstag seiner besten Freundin hat er mal sausen lassen, weil er Angst vor dem Holzdrachen am Eingang des Indoorspielplatzes hatte. Da ist er konsequent, auch wenn er sich manchmal selbst im Weg steht.

Als der Prinz nach dem Kurs in die Umkleide kam, hatte er blaue Lippen und zitterte wie Espenlaub. Und er weinte bitterlich, weil er mich vermisst habe. Aber mit dem Abtrocknen und wieder aufwärmen kam auch das Lächeln zurück. Es war „nur“ die Sehnsucht, nicht die Angst, etwas tun zu müssen, was er nicht will.

Ich denke, wir finden eine Lösung. Im Zweifel schwimme ich eben ein paar Bahnen, während die Kinder auf der Bahn nebenan trainieren. Ich möchte den Kindern halt geben, aber sie dennoch nicht einzwängen. Sie müssen auch lernen, ohne Mama und Papa klar zu kommen. Aber sie dürfen es in ihrem Tempo lernen. Und ich versuche, mein inneres Kind endlich mit seinen Erfahrungen zu versöhnen – und es bei meinen Kindern besser zu machen.

Jahresrückblick 2017

Nachdem ich auch in 2017 dieses Blog sträflich vernachlässigt habe (das muss sich ändern!), krame ich es aber dennoch wieder für einen Jahresrückblick hervor. Eben weil ich so leichter in der Vergangenheit kramen kann und ich daran erinnert werde, hier wieder öfter meine Gedanken nieder zu schreiben. Das ist auf jeden Fall schon mal ein guter Vorsatz für 2018!

Januar

Wir waren alle insgesamt fast vier Wochen krank. Immer ein anderer, manchmal überlappend. Mit richtig hohem Fieber und der Erkenntnis, dass auch ich Fieber nicht mehr so leicht wegstecke. Mit dem Jahreswechsel gab ich es ja auch auf, mir die Haare mit Shampoo zu waschen. Zuerst nahm ich nur Wasser, was mich aber bald an die Grenzen brachte.

Februar

Die Krankheit war immer noch nicht ganz ausgestanden. Im Februar erwischte es das Osterkind richtig fies. :( Wir fuhren zum Geburtstag des Neffen- und Patenkindes des Manns in die Nähe von Frankfurt. Dort beschloss ich aus „No-Poo“ jetzt „Waschen mit Lavaerde“ zu machen. Lavaerde zieht nämlich wenigstens das Fett aus den Haaren. Das einmal pro Woche waschen behielt ich aber bei. Und es macht meine Haare tatsächlich „besser“.

März

Der Mann packte die Kinder für vier Tage ein und ich hatte „strumfrei“. Seit mehr als vier Jahren lag ich daher das erstmal wieder in der Wanne. Eben, weil ich so die nötige Ruhe dafür hatte. <3 Dienstlich verbrachte ich einen sehr regnerischen und kalten Märztag auf dem ADAC-Trainingsgelände. Die Erinnerung fröstelt mich heute noch. Der Prinz bekommt ein größeres Fahrrad und gibt sein altes an die kleine Schwester weiter. Diese steigt auf und lernt quasi in 20 Minuten Radfahren. Am Ende feiern wir den Katzengeburtstag vom Osterkind.

April

Ich besuchte seit vier Jahren das erste Mal wieder ein Kino. Und nicht irgendein Kino, sondern das „ASTOR Grand Cinema“ – da kann man in der Loge die Füße hochlegen. Ostern verbrachten wir dann in meiner alten Heimat und zeigten den Kindern die Burgen „an der Saale hellem Strande“.

Mai

Anfang Mai ging es mal wieder nach Berlin auf die re:publica – bei der ich ein ziemlich cooles Meet“n’Greet hatte:

Ende Mai lernte ich dann noch für’s Leben: Nie, nie wieder werde ich an meinem Geburtstag arbeiten! Die Wahrscheinlichkeit mit ätzenden Kollegen in einem noch ätzenderen Meeting zu landen ist einfach zu groß und rechtfertigt jeden Urlaubstag.

Juni

Wir verbringen die ersten Junitage in Hamburg und verlieben uns spontan in die Stadt. Der Mann und ich gehen gemeinsam auf unser erstes Konzert (?) und genießen zudem einen kinderfreien Abend.

Juli

Den halben Monat haben die Kinder Kitaferien, weshalb auch wir Eltern nacheinander Urlaub haben. Die heißen Tage verbringen die Kinder und ich bei der Familie und liegen im Freibad rum. Es ist so, wie Ferien sein sollen: Keine Aufgaben, faulenzen, im Schwimmbad abhängen. :)

August

Der Großneffe kommt in die Schule und der Prinz schnuppert schon mal, wie es nächstes Jahr bei seiner Einschulungsparty werden könnte. Nach den Ferien ist er nämlich ganz offiziell ein Vorschulkind. Wir fahren noch einmal nach Hessen zur Familie, denn auch dort wird ein Kind eingeschult. Wir kommen aus dem Feiern quasi gar nicht mehr raus. Am Ende besuchen wir gemeinsam die MakerFaire und sind – wie immer – verblüfft, was sich Menschen so einfallen lassen.

September

Der Prinz und ich gehen zur Schuleingangsuntersuchung und bekommen schwarz auf weiß das „Go“. Mein Sohn  ist also nächstes Jahr ein Schulkind. Unser Jahresurlaub steht vor der Tür: Die erste Flugreise für die Kinder und den Mann. Wir genießen die freien Tage auf Mallorca und wollen am Liebsten gar nicht mehr weg. :)

Oktober

Das Ninjgo-Fieber ist nun auch bei uns angekommen. Daher schleichen wir morgens gern mal wie die Ninja zum Kindergarten. Natürlich stehen auch die jährlichen Laternenläufe an – ich muss also im Kindergarten meine Bastelkünste unter Beweis stellen. Und ähem naja, ich bekomme es ganz gut hin. Am Ende feiern wir eine Ninjagoparty, denn der Prinz wird 6.

November

Das spektakulärste im November war wahrscheinlich, dass ich mir eine Blase an den Finger gespitzt habe.

Dezember

Wir schalten im Dezember einen Gang zurück – die Kräfte sind tatsächlich irgendwie am Ende. Weihnachten verbringen wir mit einem Teil der Familie hier und besuchen den anderen am 1. Feiertag. Zwischen den Jahren faulenzen wir viel und gehen mit den Kindern schwimmen. Dort entdecken sie endlich ihre Liebe zu Wasser – dem Schwimmkurs steht also nichts mehr im Weg. Und damit war schon wieder ein Jahr vorbei und wir bereiten die Party mit unseren Freunden heute Abend vor.

2005 | 2006 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016

Was bleibt.

Die Frage, warum man Kinder hat/will, beantworten ja viele mit: Damit etwas von mir bleibt. Nach dem eigenen Tod ein kleines „Ich“ auf diesem Planeten wandelt. Ich habe das ja nie so ganz verstanden. Kinder klonen uns ja nicht, durch die Mischung der Gene entstehen immer – selbst bei Geschwistern – eigene, neue Menschen. Und dennoch fand ich die Idee, dass etwas meiner (toten) Eltern in uns Kindern weiterlebt, immer irgendwie schön. Ich muss mir das aber immer bewusst machen – meist mit dem Hintergedanken, nicht so zu werden wie meine Mutter.

Aber jetzt haben wir den Beweis: Ein Teil meines Papas steckt tief in mir. In meinen Chromosomen und jetzt eben auch im Prinz. Das Ergebnis ist eine „Rot-Grün-Schwäche“ beim Sohn. Ich trage sie in einem „defekten“ X, der Prinz hat genau dieses X geerbt und kann deshalb Rot- und Grüntöne schwerer erkennen. Ein Teil meines Papas schlummert in mir – ohne, dass es mir bewusst war. Und der Prinz zeigt uns, dass eben doch etwas bleibt.

[Ich hoffe jedoch, dass das die einzige genetische Erbschaft ist. Die Krankheit, die zum Tod meines Papas geführt hat, braucht de Prinz oder das Osterkind oder sonstjemand nämlich nicht.]

Das Ende der Weihnachtsferien

Ach, wie haben wir die letzten 1,5 Wochen genossen: Familienzeit in ihrer Reinstform, Pancakes an Weihnachten zum Frühstück (dafür liebt mich der Neffe wahrscheinlich immer noch) und ansonsten rumlungern im Schlafanzug und kuscheln, kuscheln, kuscheln.

Diese Ferien taten sooo gut. Wir waren alle zu Hause, haben nur gemacht, worauf wir auch Lust hatten. Haben die Familie und Freunde getroffen, haben Kraft getankt und können nun ins neue Jahr starten. <3

Jahresrückblick 2016

Januar

Der Jahresauftaktworkshop mit meinen Kollegen bringt auch privat eine große Veränderung. Das Osterkind und ich beenden unsere Stillbeziehung. Nachdem sie immer wieder 2-3 Nächte ohne stillen auskam (wenn ich nicht zu Hause war), danach aber immer wieder anfing, als sei nichts gewesen, beendete ich das Ganze diesmal wirklich. Fast drei Jahre wurde das Osterkind gestillt und es war ok, dass es nun ein Ende hatte.

Februar

Das Leben lief so dahin. Wir verrachten ruhige Nachmittage mit den Schnuffels, kauften uns die weltbesten Winterbetten und warteten auf den Frühling.

März

Da die Kinderbetten langsam zu klein wurden und wir auch den Plan hatten, das Osterkind könnte demnächst einmal anfangen in ihrem Bett (und damit in ihrem Zimmer) zu schlafen, zogen wir los und kauften zwei Hochbetten von F*lexa. Die Lieferzeit betrug 10 Wochen, sodass wir noch bis Mitte April Zeit hatten, die Kinderzimmer zu streichen und neue Kleiderschränke etc. zu kaufen. Ostern verbrachten wir bei der Familie und feierten die beiden Geburtstage der Osterkinder.

April

Raten Sie, wann die Zimmer fertig waren. Richtig, ein Wochenende vor Lieferung der Betten. ;) Aber es hat sich gelohnt: Unser Wohnzimmer ist seit Fertigstellung der Kinderzimmer weitesgehendst Spielzeugfrei und das ist dann doch eine ganz neue Lebensqualität. Der Prinz bekam zu Ostern ein Fahrrad und lernt das Fahrradfahren in ca. drei Stunden. Verbissen kämpfte er sich durch das Lernen und gab auch bei kleinen Rückschlägen nicht auf. Das Laufradfahren hat eine gute Grundlage geschaffen, denn Stützräder brauchte der Prinz gar nicht – irgendwann lies Papa den Gepäckträger einfach los und der Prinz fuhr davon.

Mai

Wir verbringen die eineinhalb Wochen Urlaub, die der Mann und ich dieses Jahr gemeinsam haben, bei meinem Schwiegervater an der Ostsee. Ich stelle fest, dass ich ein Ostseekind bin und das auch nicht einfach abschütteln kann. Wir feiern unseren Geburtstag zu Hause mit Freunden und der Familie und genießen den Sonnenschein auf unserem Balkon.

Juni

Im Juni mussten wir unseren Fuhrpark etwas erweitern: Das Osterkind ist so gewachsen, dass sie nicht länger auf dem kleinsten P*uky-Laufrad fahren konnte. Es folgte also das größere. Außerdem sollte nun aber auch ein Roller her. Wir fuhren also zum Fahradtempel unseres Vertrauens und suchten zwei Rolle aus: Das Osterkind bekam einen in lila, der Prinz in pink.

Juli

Der Hauptfreund und ich teilen uns die beiden Wochen Schließzeit der Kinder auf uns machen getrennt von einander Urlaub. Wir genießen die freie Zeit und das schöne Wetter. Damit uns nicht langweilig wird, fahre ich mit den Kindern zu meiner Nichte und wir springen dort in den Pool. Danach hängen wir noch einen Kurzurlaub in meiner Heimat dran. Die Kinder und ich fahren mit den Auto vor, der Hauptfreund kommt mit der Bahn nach. Wir beantragen nach 1,5 Jahren einen Erbschein (juhu!) und besuchen das ganz frische Baby meiner Schulfreundin. <3

August

Der August verfliegt irgendwie. Ich kann mich gerade gar nicht an etwas herausragendes erinnern…

September

Der September ist heiß und wir alle warten auf den Urlaub. Acht Wochen sind auch für die Kinder ganz schön hart, aber da wir die Herbstferien mit dem Lieblingsneffen verbringen wollen, müssen wir uns bis Ende September gedulden.

Oktober

Endlich ist er da: Der Urlaub zusammen mit meiner Schwester und dem Lieblingsneffen. Wir unternehmen gar nichts groß, sondern sind eigentlich nur hier zu Hause. Aber es tut gut, die Familie um sich herum zu haben und die Kinder lieben ihre Tante gar sehr. Ende Oktober feiern wir unseren ersten richtigen Kindergeburtstag – der Prinz wird 5 und die Piratenparty wird ein voller Erfolg. Leider endet die Party mit Magen-Darm für das Osterkind. :(

November

Wir gehen Laterne und kommen ein wenig zur Ruhe. Die ewige Dunkelheit nervt schon ein bisschen, aber die Vorfreude auf Weihnachten steigt. Die Kinder backen mit ihrem Papa unseren allerersten Christstollen und ich verabschiede mich für ein Wochenende in den Harz, um meine alten Schulfreundinnen zu treffen.

Dezember

Der Dezember vergeht – wie immer – viel zu schnell. Mein Bruderherz kommt auf einen Spontanbesuch vorbei uns macht damit seine Nichte und seinen Neffen arg glücklich. Wir fahren am 4. Adventwochenende mit dem Zug nach Leipzig und freuen uns über leuchtende Kinderaugen. Der Doppelstock IC ist der Knaller! Außerdem gehen wir mit dem Prinz zu einer Ex-Frühchen-Nachuntersuchung und erhalten zwei Tage später schwarz auf weiß: Wir haben einen kerngesunden, normal entwickelten 5jährigen zu Hause. Und das ist, wenn man die Statikstik zugrunde legt, mehr als ein Sechser im Lotto. <3

2005 | 2006 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015

„Kleine Kinder haut man nicht.“

Heute hat Susanne von geborgen wachsen diesen Link geteilt. Und seitdem grummelt es in meinem Bauch und ich überlege, was ich im diesem Moment gesagt oder auch nicht gesagt hätte.

Vielleicht wäre das meine Antwort:

„Ich verstehe Sie! Ich verstehe Sie so gut! Auch ich habe zwei Kinder und weiß daher, wie es ist, wenn die Nerven blank liegen. Wenn man scheinbar keinen Ausweg mehr sieht. Manchmal, wenn ich so richtig genervt bin und die Kinder dann ’nicht funktionieren‘ denke ich auch daran: Eine Ohrfeige und es ist Ruhe.

Denn leider habe ich keine anderen Problemlösungsstrategien gelernt. Auch mir wurde eine Ohrfeige verpasst, wenn ich nicht funktioniert habe. Oder ich wurde mit einer Jeans (inkl. Gürtel) ‚verwackelt‘, als ich mit einer 4 in Deutsch nach Hause kam. Deshalb ist es das einzige, was mir einfällt, wenn eins meiner Kinder nur noch brüllt und nicht das macht, was ich mir wünsche. Klatsch! Ruhe! Dann hast du einen Grund zum Heulen.

Ich habe es jedoch nie getan. Ich brülle. Daran arbeite ich noch. Aber schlagen, nein. In Gedanken spielen sich die Szenen meiner Kinderheit ab: Ich hebe die Hand und ohrfeige mein Kind. Dann erschrecke ich, denn den Schmerz, den spüre ich noch wie heute. Deshalb tue ich es nicht. Und schäme mich dafür, dass ich es auch nur in Gedanken in Erwägung zog. Ich lerne gerade Probleme anders zu lösen. Vielleicht ist das dieses ‚Man lernt nie aus‘. Denn eins habe ich als Kind verinnerlicht: Respekt hatte ich nur vor dem nicht-schlagenden Elternteil. Vor dem, der nicht müde wurde zu betonen: ‚Kleine Kinder haut man nicht!'“

Wetterfühlig

Mit dem Mann in den Urlaub zu fahren ist ja auch nicht so leicht. Der Gute ist nämlich wetterfühlig und wird mehr als grummelig, wenn Petrus ihm einen Strich durch die Rechnung macht. Wir „kämpfen“ bei miesem Wetter also nicht nur gegen die Wutausbrüche der 3- und 4-Jährigen, sondern auch mit der miesen Laune des Haupfreunds. Was ein Spaß!

Jetzt sind wir wieder zu Hause und es regnet in Strömen. Aber während das an der Ostsee noch ein Weltuntergang war (am schlimmsten war es, bei Sonnenschein abfahren zu müssen), scheint das hier kein Problem zu sein. Da sitzen der Mann und der Sohn einfach den ganzen Vormittag im Kinderzimmer und man hört das vertraute Lego-Rauschen. Alles in bester Ordnung, solange Lego in der Nähe ist.

Muss ich mir merken, für den nächsten Urlaub.

Ostseekind

Einmal Ostsee, immer Ostsee. Nach nur einem Tag muss ich gestehen, was ich nicht wahrhaben wollte: Ich bin ein Ostseekind.


Jahrelang sind meine Eltern mit uns (meinem Bruder und mir) an die Ostsee gefahren. Weil man als Bürger der D*eutschen D*emokratischen R*epublik eben auch nicht groß wo anders hinkam. Jeden Sommer, 3 Wochen. Sie haben unser Schneckenhaus an den Wartburg gehängt und sind mit uns an die Ostsee gefahren. Ich verband mit diesen Urlauben immer das, was Kindheit und Glück bedeutet: Gemeinsamkeit, Sand in den Haaren, Sonnenbräune (nicht Sonnenbrand!), morgens gemeinsam aufwachen und den FKKlern auf dem Weg ins Meer zusehen.

Es war Liebe in der reinsten Form.


Als ich groß war, wollte ich endlich an die Nordsee. Ich wollte die Gezeiten mit eigenen Augen sehen. Wollte an ein „richtiges“ Meer, eben nicht dahin, wo ich schon tausend Mal war. Die Urlaube waren toll, aber das Klima ist rau, immer wurden wir krank. Die Nordsee ist eben die Nordsee.

Und jetzt sind wir den ersten Tag unseres Urlaubs an der Ostsee. Ein wenig fühlt es sich vertraut an, auch wenn wir ganz woanders sind.


Vielleicht liegt es daran, dass meine Eltern nicht mehr da sind. Vielleicht sage ich das immer, wenn ich am Meer bin. Aber ich habe den Drang, einen Wohnwagen an unser Auto zu hängen und wieder zu kommen. Immer wieder. Damit meine Kinder diese Liebe auch spüren können.

Abgestillt.

Zwei Jahre und ganz knapp 10 Monate habe ich das Osterkind gestillt. Das sind ungefähr 16 Monate mehr, als ich ursprünglich mal gedachte hatte. Und nun ist das Osterkind groß und ich habe meine B*rüste wieder für mich.

  
Im vergangenen Jahr kam der Wunsch nach dem Abstillen immer wieder hoch. Nicht nur die Ungläubigen Blicke von eigentlich allen, wenn ich erzählte, dass ich mein zweijähriges Kind noch stille. Es waren vor allem die Nächte, die nicht leichter wurden, je älter das Osterkind wurde. Es ist nämlich ein himmelweiter Unterschied, ob man nachts nicht schläft, weil ein Säugling stillen MUSS oder weil ein Kleinkind stillen WILL. Aber dennoch fehlte mir immer wieder das Durchhaltevermögen, denn das Osterkind dachte nicht im geringsten daran, die Milchbar irgendwann einmal freiwillig aufzugeben.

Also packte ich die letzte Dienstreise beim Schopf: Schließlich war sie ganz hervorragend ohne Milch, aber dafür mit ihrem Papa eingeschlafen. Und am Freitag war dann eben die Milch weg. Nachdem wir sie nachts haben „meckern“ lassen (natürlich fragte sie nach dem Stillen), kam dann auch die „Milchfee“ und brachte ihr die heißersehnten Chucks. Nun, was soll ich sagen? Mit dem Moment, in dem für mich klar war, dass es nun vorbei ist, war das Osterkind gefühlt zehn Zentimeter größer. Sie lief in ihren neuen Schuhen durch die Wohnung und ich sah in ihr nicht mehr „mein Baby“, sondern mein großes Mädchen!

Natürlich wird sie nachts noch zweimal wach und besteht darauf, endlich wieder Milch zu bekommen. Sie lässt sich aber beruhigen und versteht, dass wir kuscheln, aber nicht mehr stillen können. Sie ist eben doch größer, als ich immer wahr haben wollte.

Einen Nachteil hat das Ganze aber doch: Den Mittagsschlaf hat sie damit auch an den Nagel gehängt. Aber irgendeinen Haken muss die Sache ja für mich auch haben.

Das muss ein Ende haben.

Eigentlich habe ich keine guten Vorsätze, die ich an Silvester fasse und dann einen Monat später wieder verwerfe. Dieses Jahr ist das aber anders. Ich will mein Mama-Ich ändern. Grundlegend. Um nicht das Mama-Ich meiner Mutter zu werden. Das ich meine ganze Kindheit und darüber hinaus verabscheut habe und welches auch nicht ganz unschuldig daran ist, dass ihr Tod kein tragisches Trauerjahr in mir ausgelöst hat.

Ich habe Anfang 2016 beschlossen, die Kinder nicht mehr anzubrüllen. Auslöser war der erste Morgen, an dem es wieder zur Arbeit und für die Kinder in die Kita ging. Das Osterkind wollte sich – wie schon seit einiger Zeit – mal wieder nicht anziehen lassen. Sie trödelte, zoge ihr Frühstück in die Länge, um dann immer wieder vor mir wegzulaufen. Ich gehe dann immer einfach schon mal zur Tür, ziehe den Prinz und mich an und spätestens dann kommt sie und will dann doch mit. Es war mal wieder viel zu spät als sie sich entschloss, sich doch anziehen zu lassen. Und eigentlich war schon alles gegessen, als ich sie dann eben doch anschrie. Ich brüllte, dass mich dieses Hin und Her unmäßig nervt und sie – weinte. Natürlich. Kleine Ohren sind für Erwachsenengeschrei nicht gemacht. Wer weiß das besser als ich?! Sofort wurde mir klar, wie dämlich diese Reaktion gerade von mir war. Ich entschuldigte mich und dann sagte der Prinz einen sehr wahren Satz: „Du musst jetzt aber auch endlich mal lernen nicht mehr zu schreien.“ So wie wir die Kinder immer wieder darauf hinweisen, dass sie bestimmte Dinge langsam mal allein machen sollen/ müssen, so muss ich auch etwas lernen.

Direkt nach dem Brüllen tut es mir immer unendlich leid. Aber während mich die Kinder durch ihr Verhalten (was völlig okay, aber eben für mich unpassend ist) zur Weißglut treiben, spielen sich in meinem Kopf die Szenarien meiner Kindheit ab. Und da lernte ich nur: Zuerst wird geschrien. Dann wird geschlagen. Und so kommt es, dass ich ab einem bestimmten Grad meiner Gereiztheit den Kindern in meinem Kopf eine Ohrfeige gebe. Spätestens dann werde ich „wach“, verlasse den Raum und schäme mich für mich selbst. Und deshalb muss das jetzt ein Ende haben. Ich will nicht so werden wie meine Mutter. Nicht in dieser Beziehung.

Ich rede immer noch laut und deutlich mit den Kindern, wenn mir etwas nicht passt. Sie müssen schließlich auch lernen, dass andere Menschen andere Bedürfnisse und Vorstellungen haben. Aber ich schreie nicht mehr. Das muss jetzt ein Ende haben. Denn wenn ich eins schon immer wusste: Ich will niemals so werden wie meine Mutter. Und ich will nicht, dass meine Kinder sowas später auch sagen.