Wetterfühlig

Mit dem Mann in den Urlaub zu fahren ist ja auch nicht so leicht. Der Gute ist nämlich wetterfühlig und wird mehr als grummelig, wenn Petrus ihm einen Strich durch die Rechnung macht. Wir „kämpfen“ bei miesem Wetter also nicht nur gegen die Wutausbrüche der 3- und 4-Jährigen, sondern auch mit der miesen Laune des Haupfreunds. Was ein Spaß!

Jetzt sind wir wieder zu Hause und es regnet in Strömen. Aber während das an der Ostsee noch ein Weltuntergang war (am schlimmsten war es, bei Sonnenschein abfahren zu müssen), scheint das hier kein Problem zu sein. Da sitzen der Mann und der Sohn einfach den ganzen Vormittag im Kinderzimmer und man hört das vertraute Lego-Rauschen. Alles in bester Ordnung, solange Lego in der Nähe ist.

Muss ich mir merken, für den nächsten Urlaub.

Ostseekind

Einmal Ostsee, immer Ostsee. Nach nur einem Tag muss ich gestehen, was ich nicht wahrhaben wollte: Ich bin ein Ostseekind.


Jahrelang sind meine Eltern mit uns (meinem Bruder und mir) an die Ostsee gefahren. Weil man als Bürger der D*eutschen D*emokratischen R*epublik eben auch nicht groß wo anders hinkam. Jeden Sommer, 3 Wochen. Sie haben unser Schneckenhaus an den Wartburg gehängt und sind mit uns an die Ostsee gefahren. Ich verband mit diesen Urlauben immer das, was Kindheit und Glück bedeutet: Gemeinsamkeit, Sand in den Haaren, Sonnenbräune (nicht Sonnenbrand!), morgens gemeinsam aufwachen und den FKKlern auf dem Weg ins Meer zusehen.

Es war Liebe in der reinsten Form.


Als ich groß war, wollte ich endlich an die Nordsee. Ich wollte die Gezeiten mit eigenen Augen sehen. Wollte an ein „richtiges“ Meer, eben nicht dahin, wo ich schon tausend Mal war. Die Urlaube waren toll, aber das Klima ist rau, immer wurden wir krank. Die Nordsee ist eben die Nordsee.

Und jetzt sind wir den ersten Tag unseres Urlaubs an der Ostsee. Ein wenig fühlt es sich vertraut an, auch wenn wir ganz woanders sind.


Vielleicht liegt es daran, dass meine Eltern nicht mehr da sind. Vielleicht sage ich das immer, wenn ich am Meer bin. Aber ich habe den Drang, einen Wohnwagen an unser Auto zu hängen und wieder zu kommen. Immer wieder. Damit meine Kinder diese Liebe auch spüren können.

Mein Endgegner

Als ich Mutter wurde hatte ich schon dieses dumpfe Gefühl, aber mit dem Wachsen der Kinder wurde auch die Gewissheit stärker: Geduld ist mein Endgegner.

Ich war noch nie ein besonders geduliger Mensch. Bei mir muss alles schnell oder wenigstens sofort passieren. Abwarten kann ich einfach nicht. Wahrscheinlich ist es genetisch, man weiß es nicht. Dann kam der Prinz und die erste Lektion, die ich lernen musste, war Geduld zu haben. Warum dauert es „so lange“ bis der CPAP weg ist und die Armung damit stabil? Die Antwort der Ärzte war immer: Haben Sie Geduld und geben Sie Ihrem Sohn die Zeit, die er zum Wachsen braucht. Im Kopf war mir das klar, aber hilflos neben dem Bettchen zu sitzen und zu sehen, dass er das alles allein schaffen muss, war schwer.

Dann kam er nach Hause und irgendwann zog das Osterkind bei uns ein. Und auch wenn die Kinder klein sind, hilft vor allem Geduld. Geduld, bis das Stillen nicht mehr schmerzvoll ist, bis die Schlafphasen angenehmer werden. Bis die Kinder gelernt haben allein zu essen oder nicht mehr die 100%ige Aufmerksamkeit eines Erwachsenen brauchen. Geduld, bis sie selbst aussprechen können, was sie möchten.

All diese Hürden haben wir nun genommen. Aber es geht weiter. Dieses 1.000 malige Wiederholen von „Schubst euch nicht!“, „Zieh dich bitte an!“, „Iss‘ bitte dein Müsli auf! Wir müssen loshooos!!“ Es zehrt an meinen Nerven. Es macht mich fertig. Jeder Satz, den man als Mutter sagt, wird sofort auf „Repeat“ gestellt. Immer und immer wieder. Ich könnte sie alle als Sprachmemo aufnehmen und in Endlosschleife abspielen.

Ich weiß, durch wiederholen lernt man. Und auch ich lerne dabei. Ich formuliere klarer, merke schon direkt beim Aussprechen, wenn es eben nicht klar genug war. Aber dennoch nervt es mich zu Tode, jeden – wirklich JEDEN – Morgen alles 437mal sagen zu müssen. Geduld ist mein Endgegner. Und ich weiß nicht, wieviele Leben ich noch opfern muss, um ihn zu schlagen.

#12von12 im Februar

Es ist mal wieder der 12. eine Monats und damit Zeit für 12 Fotos aus meinem Alltag:


Der Tag begann mit Excel. Könnte es schöner sein?


Dann habe ich meiner Kollegin kurzerhand „Pneumatik“ erklären wollen. Ich denke, sie hat es verstanden. In Zuge dessen ließ ich mir direkt mal die Funktionsweise der Kupplungen unserer Stadtbahnen erklären und dachte nur ganz kurz über ein Maschinenbaustudium nach. Ähem.


Irgendwann war der Kaffee alle. Da die Maschine aber schon gereinigt war, wollte ich die am Freitagnachmittag nicht nochmal einsauen.


Wir gingen stattdessen mit den Kindern zum Bäcker und machten dort „Teezeit“.


Und natürlich gab es da auch Kaffee für die Eltern.


Danach gönnten sich der Hauptfreund und ich neue Winterdecken und Kopfkissen. Genaues kann ich erst morgen sagen, aber ich denke, die Investition hat sich gelohnt.


Zuhause angekommen waren die Schnuffels mangels Mittagsschlaf echt platt. Also gab es das Abendessen heute auf dem Sofa.


Der Hauptfreund stimmte noch schnell das Geburtstagsgeschenk vom Osterkind. In 1,5 Monaten wird sie schon 3!


Und dann war da noch Mount (Ab-) Waschmore.


Aber mit dem „Dirty Dancing“ Soundtrack im Ohr war es auszuhalten.


Die Familie brachte heute auch den Frühling mit ins Haus!


Und jetzt geht’s endlich ins Bett – die neue Decke testen. Gute Nacht, Welt!

Abgestillt.

Zwei Jahre und ganz knapp 10 Monate habe ich das Osterkind gestillt. Das sind ungefähr 16 Monate mehr, als ich ursprünglich mal gedachte hatte. Und nun ist das Osterkind groß und ich habe meine B*rüste wieder für mich.

  
Im vergangenen Jahr kam der Wunsch nach dem Abstillen immer wieder hoch. Nicht nur die Ungläubigen Blicke von eigentlich allen, wenn ich erzählte, dass ich mein zweijähriges Kind noch stille. Es waren vor allem die Nächte, die nicht leichter wurden, je älter das Osterkind wurde. Es ist nämlich ein himmelweiter Unterschied, ob man nachts nicht schläft, weil ein Säugling stillen MUSS oder weil ein Kleinkind stillen WILL. Aber dennoch fehlte mir immer wieder das Durchhaltevermögen, denn das Osterkind dachte nicht im geringsten daran, die Milchbar irgendwann einmal freiwillig aufzugeben.

Also packte ich die letzte Dienstreise beim Schopf: Schließlich war sie ganz hervorragend ohne Milch, aber dafür mit ihrem Papa eingeschlafen. Und am Freitag war dann eben die Milch weg. Nachdem wir sie nachts haben „meckern“ lassen (natürlich fragte sie nach dem Stillen), kam dann auch die „Milchfee“ und brachte ihr die heißersehnten Chucks. Nun, was soll ich sagen? Mit dem Moment, in dem für mich klar war, dass es nun vorbei ist, war das Osterkind gefühlt zehn Zentimeter größer. Sie lief in ihren neuen Schuhen durch die Wohnung und ich sah in ihr nicht mehr „mein Baby“, sondern mein großes Mädchen!

Natürlich wird sie nachts noch zweimal wach und besteht darauf, endlich wieder Milch zu bekommen. Sie lässt sich aber beruhigen und versteht, dass wir kuscheln, aber nicht mehr stillen können. Sie ist eben doch größer, als ich immer wahr haben wollte.

Einen Nachteil hat das Ganze aber doch: Den Mittagsschlaf hat sie damit auch an den Nagel gehängt. Aber irgendeinen Haken muss die Sache ja für mich auch haben.

„Wir sind lieb.“

Ich bin heute für eine Nacht auf Dienstreise und daher nicht zu Hause bei Mann und Kindern. Natürlich telefonieren wir aber, als sie auf dem Weh ins Bett sind. Zuerst ertönt in Stereo: „Mama, komm nach Hause!“ Was mir schon einmal sehr das Herz zerreißt. Ich antworte also, dass das nicht geht und dass ich ganz traurig werde. Da antwortet das Osterkind: „Wir sind nicht traurig. Wir sind lieb.“ Und schon war alles wieder gut. 💕

In der Weihnachtsbäckerei

Heute verbrachten wir den ganzen Vormittag in der Küche, denn auf das Frühstück folgte direkt eine zweieinhalb stündige Backorgie, die von der Zubereitung des Mittagessens abgelöst wurde. Nachdem ich nämlich gestern Teig für Butterplätzchen (mit und ohne Kakao), Zimtsterne und die Minz-Schoko-Kekse von Pia vorbereitet hatte, konnten wir heute die Weihnachtsbäckerei eröffnen. Nebenbei lief „Weihnachten in Familie“ von Frank Schöbel, denn diese CD gehört für mich einfach zur Adventszeit wie Kerzen und Süßigkeiten.

Die Kinder bepuderzuckerten die Minz-Schoko-Kekse und stanzten die Plätzchen aus. Zwei Stunden haben sie ganz toll mitgemacht, dann verloren sie verständlicherweise die Lust. Und während wir da so in der Küche standen und Plätzchenteig ausrollten, da dachte ich: Das ist Weihnachtszeit. Familienzeit. So habe ich es früher, als ich noch ein Kind war, geliebt. Und so liebe ich es heute noch.

Und weil es den ganzen Tag hier Bindfäden regnete, verbrachten wir auch den restlichen Tag zu Hause. Mampften unsere Kekse und schlürften Kakao. Familientag Deluxe.

Krankenstand

Heute sind das Osterkind und ich zu Hause. Schon nachts merkte ich, dass neben mir ein kleines Glühbaby (okay, sie ist kein Baby mehr!) liegt. Heute morgen hatte sich daran natürlich nichts geändert. Fieber verschwindet nicht einfach nach 2 Stunden und alles ist wieder gut.

Nach dem Aufstehen wirkte sie noch recht fit. Suchte sich ihre Sachen selbst aus (was zu einer wahnwitzigen Farbkombination führte, aber egal) und zog sich sogar zum Großteil selbst an. Aber schon am Frühstückstisch wirkte sie abwesend und sagte eben auch immer wieder, sie hätte Bauchschmerzen. Nachdem auch der Sohn meinte, es gehe ihm nicht gut, war die Sache geritzt. Mama bleibt heute zu Hause. Der Prinz entschied sich dann jedoch für Blitzheilung (er wirkte auch eher lustlos als krank) und wollte dann doch in die Kita. Da er kein Fieber hatte – bitte. Die Aussicht auf drei Stunden Wartezimmer mit zwei Kindern war eher nicht so rosig.

Das Osterkind aber betonte immer wieder sie sei „ganz dolle krank“. Und sie wollte nun endlich zum Arzt! Nachdem wir also den Bruder in der Kita abgegeben und das Osterkind in ihrer Gruppe entschuldigt hatten, gingen wir Mädels wieder nach Hause. Und seit 10 Uhr schläft mein Glühwürmchen. Zeit für mich, ein bisschen zu arbeiten, das Bad zu putzen und zu bloggen. Und nach Ohr-Fieberthermometern zu googlen, denn ein solchen haben wir noch nicht. Und das Fiebermessen mit einem „konventionellen“ funktioniert leider nicht mehr.

Dreh’n!

Es ist nicht so, als hätte es mich eiskalt erwischt. Schließlich habe ich in einschlägigen Elternblogs davon gelesen, dass vierjährige Kinder teils krassere Wutausbrüche bekommen können, als man es von den „terrible two“ gewohnt wäre. Aber es hat mich dann doch überrascht, als der Prinz kurz vor seinem 4. Geburtstag das erste Mal völlig ausrastete. Wegen einer Kleinigkeit. Einmal über die Linie gemalt – „Rabäääähhh“. Der Strich wurde schief, weil er das Lineal nicht festhielt – „Rabääähhh“. Der Becher rutscht aus der Hand und das Wasser landet auf dem Tisch und zum Teil auf der Hose – „Rabääähhhh“. Es ist nicht leicht 4 zu sein. Es ist aber auch nicht leicht mit einem Vierjährigen zusammen zu wohnen.

Auch heute war die Stimmung mies. Hunger und die Anspannung der Woche leisteten ihren Beitrag und so wurde das Tischdecken (durch die Eltern) durch Geschrei (des Sohnes) begleitet. Irgendwann saßen wir dann doch an unseren Plätzen und wollten essen.

Prinz: „Rabääähhh“.

Ich: „Was ist denn, Schatz?“

Prinz: „Rabääähhh.“

Da von unserer Seite kein Grund für diesen erneuten Wutausbruch zu erkennen war, kehrten wir unser vollstes Verständnis hervor und fragten nach, was er denn wolle. Wir versuchten zu erraten, was er uns mit seinem Geschrei sagen will, ja verfielen gar in dieses Elterntheater, in dem man dem Kind einfach wahllos Dinge anbietet, die sich in der Himmelsrichtung befinden in die er wütende Zwerg zeigt. Irgendwann resignierte ich. Ich erklärte ihm, dass er kein Baby mehr sei und mit uns sprechen muss, wenn er etwas bestimmtes will. Ich hätte so ein Theater früher nicht gemacht und würde bei einem Vierjährigen nicht damit anfangen. Das half zumindest ein bisschen, denn der Prinz beruhigte sich zum Großteil und war dann auch bereit das Abendessen auf meinem Schoß zu sich zu nehmen. Ich durfte ihm sein Brot schmieren und wir kuschelten uns ein bisschen an einander. Im Grunde kann ich es ja verstehen: Es war eine harte Woche, er hatte Hunger, da werde ich auch schnell zum Hulk.

Aber kaum war die Butter auf dem Brot ging das Geschrei von vorn los. Nur dass wir diesmal ansatzweise etwas verstehen konnten.

Prinz: „Dreh’n!“

Ich: „Was soll ich drehen? Das Brot? Soll ich es zusammenklappen?“

Prinz: „Naaaaiiiinn!!! Dreh’n!“

Der Mann und ich rätselten eine Weile, drehten so ziemlich jedes Lebensmittel auf dem Tisch einmal um, wussten wirklich nicht mehr ein oder aus. Und dann zeigte der Prinz in sein Gesicht, an seine Augen und mir wurde klar, dass er nicht „Dreh’n“ sondern „Tränen“ meinte. Er hasst es, Wasser an den Händen oder im Gesicht zu haben. Und Tränen gehören dazu. Ich wischte ihm also die Tränen aus dem Gesicht und hatte fortan den schnuffeligsten kleinen Jungen der Welt auf dem Schoß. Denn zum Glück gehen die Wutausbrüche so schnell, wie sie kommen.

Unser Wochenende

Bevor wir morgen wieder in den Alltag starten und um 5.30 Uhr mein Wecker klingelt, wollte ich kurz unser Wochenende Revue passieren lassen. Denn es war toll und mit viel Sonnenschein, Lachen und frischer Luft gespickt.

Gestern waren wir im Wildpark unseres Vertrauens. Schon letztes Jahr verbrachten wir den „Tag der Deutschen Einheit“ dort, weshalb wir da jetzt einfach mal ne Tradition draus machen. Also packten wir die Kinder und etwas Proviant ein und fuhren zu Wiesent, Bären, Wölfen und Wildschweinen.

  
Leider zeigte sich hier wieder einmal, dass das Osterkind nur in der Theorie mit „wilden“ Tieren zurecht kommt. Kaum hatte der Damhirsch seinen Brunftschrei geäußert und darauf hin auch die Wildscheine und Wildpferde gebrüllt bzw. gewiehert, klammerte sich mein Babymädchen ganz arg an mich und sagte, sie hätte Angst. Dem Prinz war das alles ziemlich egal, solange er einen Zaun zwischen sich und dem Wildgetier wusste.

  

Nach drei Stunden war es den Kindern dann aber doch zu viel, sie stritten und schlugen sich, die Nerven der Eltern lagen blank und wir entschieden uns für Pommes, um wieder herunter zu kommen.

Heute wollten wir des daher etwas ruhiger angehen lassen. Morgens sammelten wir gemeinsam Eicheln, Kastanien und Blätter, picknickten im Spielplatzhäuschen und zumindest das Osterkind macht ihren wohlverdienten Mittagsschlaf. 

 

Der Prinz und ich nutzten – wie ungefähr 200.000 andere Menschen – den verkaufsoffenen Sonntag für unseren Wocheneinkauf und kehrten mit vollen Taschen zurück. Nach Kaffee (für die Eltern) und Keksen bzw. Kuchen (für alle) schwangen wir uns dann aufs Fahrrad (die Kinder in den Anhänger) und fuhren raus aufs Land. Dort entdeckten wir nämlich vor nicht allzu langer Zeit einen Bioland Hofladen der heute dort ein Erntedankfest feierte. Hach, was tat uns die frische Luft gut. Und jetzt können wir – wie auch schon die letzten Tage – erschöpft in die Federn fallen.