In der Unterwelt

Wenn der Freund und ich ein Wochenende ohne die Kinder haben, weil diese ihre Papa-Zeit genießen, dann nutzen wir das fĂŒr Dinge, die sich mit Kindern nicht oder nur schwer machen lassen. Den ganzen Tag im Bett herumliegen. Oder wir begeben uns, wie gestern, in die Unterwelt.

Ja, wir waren gestern in der Unterwelt. Genau genommen in den Berliner Unterwelten und haben an der FĂŒhrung M „Unterirdisch in die Freiheit“ teilgenommen. Ich als „Ossi“ und er als „Wessi“ hatten ganz andere Blickwinkel auf die Geschichte meines „Heimatlandes“ (also dem Staat, in denen ich geboren wurde).

Wir begaben uns also in der unterirdische Berlin und erfuhren nicht nur etwas ĂŒber die eigentlichen Fluchten durch die U-Bahn, AbwasserkanĂ€le oder selbst gegrabenen Tunnel. Wir erfuhren vor allem etwas ĂŒber den Staat, der es als letztes Mittel gegen die „Flucht der Elite“ sah, seine Bevölkerung einzusperren. Der seine Grenzsoldaten am „antifaschistischen Schutzwall“ nicht etwa mit dem Blick zu den „bösen Kapitalisten“, sondern mit Blick auf die eigenen Landsleute postierte. Wir lernten so viel mehr ĂŒber die Teilung des Landes und vor allem dieser Stadt, als ich das in der Schule getan habe. Dort war mit Bau der Mauer Schluss, weil „plötzlich“ das Abi vor der TĂŒr stand.

Es ist immer noch erschreckend, wie bedrĂŒckend auch die neuere deutsche Geschichte ist. Eine Geschichte, die meine Eltern noch hautnah miterlebt haben. Wer jedenfalls einmal in Berlin ist, dem sei der Verein „Berliner Unterwelten e.V.“ ans Herz gelegt. Es gibt so viel mehr in der Hauptstadt zu sehen und zu erleben als den Fernsehturm und das Brandenburger Tor.

Berlin in Bildern (und mit Text)

Es ist Anfang Mai und daher wieder Zeit, um nach Berlin zu pilgern. Warum? Weil ich als Internetmensch natĂŒrlich die re:publica als „Pflichtveranstaltung“ ansehe. Wobei das Pflicht da sehr klein und der Spaß sehr groß ist. Nirgends fĂŒhle ich mich so wohl, wie zwischen all den anderen Internetmenschen, die verstehen, warum ich mein Handy in die Hand nehme und die Erlebnisse im Digitalen teile. Denn mein Leben ist eben nicht nur analog oder nur digital.

Egal. Dieses Jahr gibt es nĂ€mlich eine kleine Änderung. Die #rp18 startete am Mittwoch, direkt nach dem Feiertag. Und weil der Haupfreund am Montag „Zwangsurlaub“/ BrĂŒckentag hatte, nutzen wir das verlĂ€ngerte Wochenende und fuhren mit den Kindern in die Hauptstadt. Wir wollen ihnen schließlich die Welt zeigen und Berlin ist definitiv ein StĂŒck dieser sehenswerten Welt.

Am Samstag machten wir uns also mit dem IC auf in die Hauptstadt. Und es war ein Doppelstock IC! Leider fuhr dieser durch die brandenburgische Pampa und ist damit locker 1,5 Stunden lĂ€nger unterwegs als der direkte ICE. Aber was soll’s? Der Wer ist das Ziel. Die Kinder (vor allem der Prinz) sind glĂŒcklich Bahn zu fahren und Mama lernt ganz nebenbei, dass Brandenburg nicht nur ein Bundesland, sondern auch eine Stadt ist.

Am Sonntag ging es dann fĂŒr uns alle in den deutschen Reichstag. (Dank eines Tipps per Twitter – danke @figgerit!) Uff, ich hatte tatsĂ€chlich unterschĂ€tzt, wie emotional anstrengend diese „Last“ an deutscher Geschichte werden kann. Und ich meine nicht nur die „braune“ deutsche Geschichte, denn immerhin wurde ich in einem Land geboren, dass nicht direkt ein Teil der Geschichte der Bundesrepublik ist. FĂŒr die Kinder war das alles natĂŒrlich nicht nachzuvollziehen. FĂŒr sie war es ein „altes“ Haus und auch was diese „Demokratie“ bedeuten soll, ist mit 5 bzw. 6 Jahren noch nicht zu greifen. Aber vielleicht haben wir ein PflĂ€nzchen gepflanzt, dass nun in ihnen reifen kann.

Danach verbrachten wir den Tag auf einem der drei bis vier (Ă€hem) Berliner SpielplĂ€tze und trafen uns – wie sollte es sein – mit Menschen aus dem Internet. Wir fuhren mĂŒde und dreckig, aber auch sehr glĂŒcklich (und mit einer Kugel Eis im Bauch) wieder ins Hotel.

Am nĂ€chsten Morgen setzte ich mich erstmal vor den Rechner, denn ich hatte an diesem Tag „Homeoffice“. Der Mann und die Kinder verschwanden auf den nĂ€chsten tollen Berliner Spielplatz („Pippi Langstrumpf“ in Charlottenburg) und ich konnte in Ruhe arbeiten. Den Nachmittag wollten wir aber wieder fĂŒr Sightseeing nutzen – diesmal aber mit getrennten Wegen. Die Jungs fuhren ins Lego Discovery Center, wir MĂ€dels besuchten das Aquarium.

Am 1. Mai stand dann fĂŒr uns dass „Museum fĂŒr Naturkunde“ auf dem Plan. Ich war das letzte Mal vor mehr als 25 Jahren dort – damals selbst noch ein Kind. Aber ich kann mich noch genau an den grauen, regnerischen Tag und die riesigen Dinosaurier erinnern. Und soll ich euch was verraten? Obwohl ich in den Jahren dazwischen gewachsen bin, sind die Dinos trotzdem noch mĂ€chtig groß. ;)

Als der Prinz dann vor dem Museum die Straßenbahnen entdeckte, stand auch der nĂ€chste Programmplan fest. Schließlich hatten wir in den vergangenen Tagen bereits U-Bahn, S-Bahn und den Bus genutzt. Niemals könnten wir die Hauptstadt verlassen, um nicht auch das letzte öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Also fuhren wir noch einen kleinen Schlenker durch „den Osten“ zum Alex.

Dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Ich brachte die Familie zum Bahnhof,  die sich diesmal im ICE auf den Heimweg machten. Ich jedoch blieb fĂŒr drei spannende Tage auf der #rp18. Aber das ist eine andere Geschichte.

Manchmal wĂŒnschte ich, …

… ich wĂ€re viel schlagfertiger. Dann hĂ€tte ich heute, als ich ein Elternpaar eines Kindes an der Bahn traf, nicht nur fragend gucken mĂŒssen, als der mĂ€nnliche Part einen eindeutig rassistischen Kommentar brachte. Aber ich war perplex, ĂŒberrumpelt, als er beim Einsteigen in die Bahn „Die KopftuchtrĂ€ger werden auch immer mehr.“ sagte. Er meinte damit eindeutig, die Frauen mit KopftĂŒchern, die mit uns einstiegen und ich dachte nur: Wtf?!

Aber anstatt dieses wtf auch auszusprechen oder zu kontern „Rassisten aber auch“, starrte ich ihn nur an. Und ĂŒberlegte den ganzen Tag, wieso man sowas – ganz ohne Scham – ausspricht. Wieso man glaubt, sich dafĂŒr nicht rechtfertigen zu mĂŒssen. WTF?!

Ein Hoch auf die Gleichberechtigung

Heute ist #Weltfrauentag und das Internet ist voll mit Infografiken wie „Frauen machen viel mehr im Haushalt“, „Frauen investieren mehr Zeit in unbezahlte Sozialaufgaben“ blablabla… Aber ganz ehrlich? Es geht doch auch anders? Warum redet da denn keiner drĂŒber?

Ich bin ja kein Freund von „die einen sind viel besser als die anderen“. Und schon gar nicht bin ich ein Freund von „Frauen gehören an den Herd“. Nun habe ich das GlĂŒck in einer gleichberechtigten Beziehung zu leben. Also in einer richtig gleichberechtigten.

Wir haben beide einen Vollzeitjob. Deshalb teilen wir uns alles, was sonst noch gemacht werden muss: Ich ĂŒbernehme morgens die Kinder und bringe sie zu Kita, der Hauptfreund holt sie dafĂŒr jeden Tag pĂŒnktlich ab. Wir teilen uns in die Kinderkrankentage und in Elternabende. Er kauft meistens in der Mittagspause ein. DafĂŒr gehe ich am Freitag auf dem Heimweg am Wochenmarkt vorbei oder schnippse noch schnell in den Drogeriemarkt des Vertrauens. Meine Aufgabe ist das Besorgen von Geburtstagsgeschenken, dafĂŒr muss der Mann aber sĂ€mtliche Bastelsachen ĂŒbernehmen.

Okay – die WĂ€sche ist tatsĂ€chlich mein Ding. Aber auch nur, weil er sie einfach nicht so aufhĂ€ngt, wie ich das mache. Ihr wisst, was ich meine, oder? DafĂŒr teilen wir uns das Kochen, putzen, aufrĂ€umen. Ich ĂŒberlasse ihm gern handwerkliche Sachen und er steht am Wochenende viel hĂ€ufiger frĂŒher auf, um sich um die Kinder zu kĂŒmmern.

Apropos Kinder: Auch hier hat der Hauptfreund bisher nur eine einzige Sache allein mir ĂŒberlassen. Aber das ging auch nicht anders, weil er das Stillen echt schlecht hinbekommen hĂ€tte.

Wenn ich jetzt aufrechnen wĂŒrde, hĂ€tte der Mann wahrscheinlich sogar den grĂ¶ĂŸeren Anteil an der Kinderbetreuung. Einmal in der Woche verabschiede ich mich schließlich fĂŒr knapp zwei Stunden zum Yoga – zwei Stunden nur fĂŒr mich allein.

Ich weiß, dass wir nicht zum Durchschnitt gehören. Dass es in vielen Familien normal ist, dass Papa lange arbeitet und Mama dafĂŒr zu Hause ist. Ich will das gar nicht be- oder verurteilen. Jeder soll sein Leben so leben, wie es ihm oder ihr gefĂ€llt. Ich freue mich aber, dass der Mann und ich da ziemlich gleich ticken. Und wir unseren Kindern zeigen, dass es auch gleichberechtigt geht. So haben es meine Eltern gemacht und so machen es  – vielleicht, wenn sie es wollen – auch unsere Kinder. Ein Hoch auf die Gleichberechtigung!

Neues von der No Poo-Front

Da die letzten Wochen arg anstrengend waren und wir nach den Krankenwochen auch echt noch irgendwie in den Seilen hingen, habe ich euch noch gar kein Update vom Haarexperiment geschrieben. Nachdem ich dann letzte Woche auch noch ein kleines Haarfail hatte und fast wieder zu Shampoo gegriffen hÀtte, ist das auch nötig.

Nach den ersten fĂŒnf Wochen „nur Wasser“ und der Tatsache, dass mein Immunsystem durch meine ErkĂ€ltung quasi anderweitig beschĂ€ftigt war, blĂŒhte meine N*eurodermitis erstmal so richtig. Dadurch wurde meine Kopfhaut extrem trocken und ich kratzte mir diese quasi komplett runter. Nicht schön und vor allem nicht zielfrĂŒhrend. Ich befragte also das Internet und wurde auch ziemlich schnell fĂŒndig: Eine Ölkur soll Besserung bringen. Stinknormales Olivenöl ins Haar, mit Klarsichtfolie abdenken, einziehen lassen und dann auswaschen. Gesagt, getan.


Leider klappt das ganze nur in der Theorie: Das Öl zog nicht so richtig ein (zuviel?) und naja, nur mit Wasser auswaschen kann geht ja auch nicht. Das bemerkte ich dann auch. Meine Haare sahen am nĂ€chsten Morgen immer noch wie klatschnass – nĂ€mlich total fettig und strĂ€hnig – aus. Ich versuchte es dann noch mit Dinkelmehl, da wir kein Roggenmehl im Haus hatten. Aber auch das brachte nichts, das Öl blieb und ich verzweifelte so langsam.


Eine letzte Chance wollte ich dem „Kein Shampoo“ noch geben. Also googelte ich wieder und stieß dann auf „Lavaerde“. Also fuhr ich zum örtlichen Bio-Supermarkt und kaufte mir Lava-Wascherde, rĂŒhrte diese mit etwas Wasser an und wusch mir die Haare. Sollte das Öl diesmal wieder nicht rausgehen, wĂŒrde ich direkt zu Shampoo greifen. Aber zack: Es half und war fantastisch! Meine Haare wurden sauber und trotzdem nicht so dĂŒnn, wie bei richtigem Shampoo. Zudem haben sie in dieser Woche gar nicht wirklich nachgefettet. Entweder es liegt an der Erde oder mein Kopf hat sich jetzt, nach sieben Wochen, an den Abstand gewöhnt und ich bin jetzt bei „einmal alle sieben Tage waschen“ angekommen.


Heute war dann wieder Haarwaschtag und ich nahm diesmal Kaffeesatz von heute Nachmittag. Das geht nĂ€mlich auch ziemlich gut und danach riechen die Haare nach Kaffee… Mmmmhhh.

Auf den Nadeln

Warum erzĂ€hle ich hier eigentlich nie, was ich eigentlich gerade so stricke? Jetzt, wo ich abends (meistens) nicht allzu mĂŒde bin, habe ich mir mal wieder ein Strickprojekt zugetraut, welches umfangreicher als ein Paar Socken ist. Nachdem ich das letzte Paar Socken dann nach unglaublichen 12 Monaten beendet hatte, kaufte ich mir diese tolle Wolle von der Wollmeise und schlug „Sleeves“ von Martina Behm an.


Sleeves ist ein Dreieckstuch mit Ärmeln. Also quasi eine Mischung aus Bolero und Tuch. Perfekt fĂŒr jemanden wie mich, die quasi nie genug Strickjacken/ Pullover etc. hat. Den rechten Ärmel habe ich bereits fertig – hat nur drei Monate gedauert 😂 – nun stricke ich am zweiten. Die Wolle ist farblich der Hammer und lĂ€sst sich auch prima verarbeiten. 


Leider wird sie mit 2,5er Nadeln verstrickt – und das dauert eben. Aber der Weg ist das Ziel und nĂ€chsten Winter werde ich es wohl geschafft haben. Hoffe ich.

Das Haarexperiement – Woche 3

Heute ist Sonntag und damit ist heute „Haarwaschtag“. Es wird also Zeit fĂŒr ein Update an der Water-only-Front. Ich muss sagen, die letzte Woche wart hart. Meine Haare waren einen Tag nach dem Waschen schon so „geht so“. Ich trug sie am Montag offen, aber da fĂŒhlte es sich schon sehr grenzwertig ab. Ab Dienstag ging nur Zopf oder Haarklammer. An offene Haare war da nicht mehr zu denken. Ab Freitag fĂŒhlte ic mich sichtlich unwohl und versuchte die Situation auf meinem Kopf zu ignorieren. Das gelang mir aber nur bedingt: Meine Kopfhaut ist immer noch sehr unausgeglichen und schuppt. Und sie juckt, was mich wahnsinnig nervt. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass sich das bald reguliert.

Das Nachfetten war diese Woche ein arges Problem. Das liegt aber wahrscheinlich einmal daran, dass es erst die zweite Woche im 7-Tage-Abstand war. Auf der anderen Seite muss ich mir endlich angewöhnen, mir nicht stÀndig mit den HÀnden durch die Haare zu fahren. Selbstdisziplin ist eine Tugend, die mir leider verwehrt blieb.

Wenn die Haare so fettig sind, ist das BĂŒrsten mit der WildschweinbĂŒrste leider gar keine Freude. Dann tut mein Haaransatz weh und wenn man dann noch eine BĂŒrste nutzt, die das BĂŒrsten jeder einzelnen StrĂ€hne verlangt, wird das nicht besser. Zudem kostet dieses BĂŒrsten Zeit, die ich mir eben jeden Tag nehmen muss. Aber nach dem BĂŒrsten sind meine Haare glĂ€nzend und fluffig – juhu!

Außerdem habe ich das GefĂŒhl, dass die WildschweinbĂŒrste bereits unter der Woche alle alten Haare herausbĂŒrstet und ich unter der Dusche viel weniger verliere. FrĂŒher hatte ich beim Haarewaschen unter der Dusche ganze „BĂŒschel“ in der Hand. Jetzt ist das viel besser. Ich hole die BĂŒschel jedoch nun unter der Woche aus meiner BĂŒrste. ;)

Vor und nach dem Waschen – welches ich ja nur mit Wasser mache – kĂ€me ich die Haare auch StrĂ€hne fĂŒr StrĂ€hne mit der BĂŒrste. So verteile ich den Talg noch einmal bis in die Spitzen. Unter der Dusche habe ich meine Haare heute zusĂ€tzlich mit einem Waschlappen abgerubbelt. Sie fĂŒhlen sich jetzt deutlich unfertiger und „gewaschener“ als letzte Woche an. Aber irgendwie scheinen sie jetzt auch strohig. Ich werde sie nochmal grĂŒndlich kĂ€mmen, wenn sie trocken sind und sehe dann weiter. Nach dem Waschen sehen sie jetz so aus:


Was mich jedoch etwas beunruhigt: Mein Ansatz wird langsam aber sicher sichtbar, was mich vor ein klitzekleines Problem stellt. Soll ich meine Haare weiter fĂ€rben? Wenn ich so „öko“ bin und nicht mal Shampoo benutzen will, ist Farbe (Elumen) eben eigentlich keine Option. Alternativ mag ich meinen aschigen Naturton so gar nicht. Es bleibt also spannend, wie ich mich entscheiden werde…

Das Haarexperiment – Woche 2

Whoop, whoop, ich habe es geschafft. Die erste Woche ganz ohne Haarwaschen ist geschafft. Ab ca. Donnerstag war es richtig Ă€tzend und ich trage seitdem auch nur Zopf, aber ey – ich habe es geschafft.


Ich muss sagen, dass meine Haare auch gar nicht sooo schrecklich speckig sind, wie ich es erwartet habe. Der Ansatz fettet, aber die LĂ€ngen sind eher weich und fĂŒhlen sich echt gut an. Einen großen Anteil hat daran natĂŒrlich auch die ZauberbrĂŒste, wie sie hier nun nur noch genannt wird. (Sogar das Osterkind liebt sie – die ziept nĂ€mlich nicht.) Meine Kopfhaut gewöhnt sich langsam an die neue Situation, ist aber aufgrund der Witterung immer noch arg irritiert. Ich versuche mir aber nur selten die komplette Kopfhaut runter zu kratzen. Einzig Ă€tzend waren die fettigen Spitzen in der vergangenen Woche. Kennt ihr das, wenn die HaaransĂ€tze dann so sehr weh tun? Aber das hat sich nach dem KĂ€mmen immer wieder relativiert und wird sich hoffentlich bald geben.

Ich bleibe als dran. Auf geht’s in Woche 3.

Das Haarexperiment – Woche 1

Vor ca. zwei Wochen laß ich das erste Mal etwas ĂŒber „No poo“. Es war ein Artikel der „B*unte“ und er war mit einer dieser Klick-generierenden-reißerischen Überschriften betitelt. Ich klicke nicht darauf, googlete aber „no poo“, weil ich wissen wollte, worum es da geht. Dass es sich um „no shamPOO“ handelt und nicht das andere (hihi), hĂ€tte ich tatsĂ€chlich nicht gedacht. Ich las‘ mich also ein wenig durch Web (z.B. hier oder hier) und schaute mir das eine oder andere YouTube-Video dazu an.

Aber was ist das?

Die No-Poo-Methode war wohl vor einigen Jahren in den USA der letzte heiße Scheiß. Es geht darum, dass man aufhört sich Chemie in Form von Shampoo in die Haare zu schmieren und stattdessen auf natĂŒrliche WĂ€sche setzt. Es gibt Menschen, die waschen sich die Haare mit Roggenmehl und machen danach eine „sauere Rinse“ (das ist irgendwas mit Wasser und Apfelessig…) oder sie nutzen eben „nur Wasser“. Das Ganze bedeutet eben nicht, dass man seine Haare nicht mehr pflegt. Im Gegenteil: Man gönnt seiner Kopfhaut Ruhe und gibt ihr die Möglichkeit, eben genauso viel Talg zu produzieren, wie man benötigt. Dazu gehört dann aber eben auch eine gewisse Disziplin was das Waschen und die „Fellpflege“ betrifft. Soll heißen: Ich werde meine HaarwĂ€schen jetzt auf einmal die Woche beschrĂ€nken und meine Haar zukĂŒnftig mit einer guten WildschweinborstenbĂŒrtse grĂŒndlich – eben die obligatorischen 100 BĂŒrstenstriche – durchkĂ€mmen.

Warum ist das mache? Nunja, durch meine Neurodermitis habe ich schon immer eine problematische Kopfhaut. Es ist schwierig fĂŒr mich, das richtige Shampoo zu finden. Kauf ich die „guten“ aus der Apotheke, werden meine Haare trocken und stumpf. Kaufe ich welche aus der Drogerie könnte ich mir hĂ€ufig nach dem Waschen die Kopfhaupt mit bloßen NĂ€geln vom Kopf kratzen. Es ist kompliziert. HĂ€ufiges Waschen macht es schlimmer. Das krasse austrocknen der Kopfhaut und Haare begĂŒnstigte das schnelle Nachfetten, was einen Waschdrang auslöst und so weiter und so fort. Mittlerweile lagen zwischen meinen HaarwĂ€schen immer so vier Tage. Bei mehr fĂŒhlte ich mich unwohl, bei weniger rebellierte mein Kopf.

Jetzt habe ich mich jedoch fĂŒr das „Only Water“-Programm entschieden. Alle, die es ausprobiert und im Netz darĂŒber berichtet haben, erzĂ€hlen, ihre Haare werden stĂ€rker, robuster und glĂ€nzender. Mir ist klar, dass jeder einen anderen Haartyp hat. Aber dennoch will ich es ausprobieren. Acht Wochen soll ich meiner Kopfhaut mindestens geben, dann sollte sich die Talgproduktion eingependelt haben. Bis dahin versuche ich meine HaarwĂ€schen auf ca. einmal die Woche zu reduzieren.

So sahen meine Haare zu Beginn des Experiments vier Tage nach dem Waschen aus:

Da waren sie schon etwas fettig und ich band sie danach direkt zum Zopf. ;) Die BĂŒrste ist jedoch der Hammer. Sie macht die Haare sehr glĂ€nzend und verteilt den Talg bis in die Spitzen. Auch die Haare der Kinder, die wir eh nur einmal die Woche waschen (und die fast ganz nicht nachfetten), sehen nach dem BĂŒrsten wie nach einer tollen Haarkur aus.

Nach fĂŒnf Tagen habe ich es erstmal nicht mehr ausgehalten. Ich habe meine Haare gestern Abend also nur mit Wasser gewaschen. Das Ergebnis: Sie fĂŒhlen sich lange nicht mehr so fettig an, wie vor dem Waschen. Aber „frisch shampooniert“ war auch anders. Jetzt ist das Ergebnis eher so, wie zwei bis drei Tage nach dem eigentlichen Waschen mit Shampoo. Sie sind nicht fettig oder ekelig, aber eben auch nicht fluffig. Ich finde es aber gar nicht schlimm, wenn „fluffig“ nervte mich bisher eh immer. Meine Kopfhaut juckt jedoch gerade sehr. Keine Ahnung, ob das jetzt an der KĂ€lte& Heizungsluft liegt, oder an „nur Wasser“. Ich werde das beobachten.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie meine Kopfhaut und meine Haare das Experiment annehmen. Und ich habe noch keine Ahnung, was ich mache, wenn meine derzeitige Farbe rausgewachsen ist und ich eigentlich nachfĂ€rben mĂŒsste.

Der Weg zu mir

Wie ich bereits schrieb, besuchte ich letzte Woche ein Inhouse-Seminar meines Arbeitgebers. Titel: „Seminar fĂŒr Frauen: Starker Auftritt“ Es ging um Rhetorik, Ausstrahlung, selbstbewusstes Auftreten und heute dann schließlich auch noch um Kommunikation.

Ich war schon einmal auf Ă€hnlichen Seminaren. Im Grunde hatte ich viele Sachen auch schon einmal gehört, aber leider im Laufe der Zeit tief in mir drinnen verschĂŒttet. Und dennoch waren diese beiden Tage auch ein Weg zu mir selbst.

Wir sollten uns selbstreflektieren und per Video analysieren und stellten schnell fest: Irgendwie ging es jeder von uns Teilnehmerinnen Àhnlich. Lampenfieber, wenn wir vor den anderen sprechen sollten. Den Wunsch, die anderen nicht zu enttÀuschen. Die Angst, nicht gemocht zu werden. Wir alle sind uns so Àhnlich und doch dachte ich von den meisten anderen Teilnehmerinnen: Boah, sind die selbstbewusst. Alles gestandene Frauen.

Mir ist vor allem aufgefallen, was die letzten Jahre aus mir gemacht haben. Dass ich mich seit den letzten Seminaren dieser Art – bevor ich Mutter wurde – weiterentwickelt habe. Erwachsener geworden bin. Ich weiß, dass nicht jedes Problem das Ende der Welt ist. Ich weiß, dass ich eine Menge aushalten kann. Und ich habe reflektiert, dass ich in meinem Leben noch nichts richtig schlimmes durchmachen musste. Es gab SchicksalsschlĂ€ge in den letzten 32 Jahren – klar. Vielleicht auch mehr, als sie ein anderer Mensch bis hierher erleben musste. Aber es ist niemals exsistenzbedrohend gewesen. Ich bin stĂ€rker geworden. Es stimmt: Was einen nicht umbringt, macht einen stark. Und dafĂŒr bin ich unendlich dankbar.

Diese Tage waren ein Weg zu mir selbst, sie haben mir gezeigt, was ich kann und dass ich das auch zeigen kann. Dass ich mich nicht verstecken muss, auch wenn mir meine Erziehung das Wort „Bescheidenheit“ eingeblĂ€ut hat. Ich gehe seitdem aufrechter durchs Leben und bin dankbar, dass mir das alles so passiert ist. Das Leben kann nicht immer nur gradlinig und glĂŒcklich verlaufen, aber erst die Tiefen lassen uns die Höhen wertschĂ€tzen.