Tief durchatmen

Gestern und heute besuche ich ein Seminar zu sicherem und selbstbewusstem Auftreten – für Frauen. Alle, die mich näher kennen, fragen mich dann zwar immer, warum gerade ich so ein Seminar brauche. Die wissen aber auch nicht, dass ich in fremder Umgebung eben nicht ich selbst bin und dann sehr ruhig werde. Und dass wirkt dann auf andere eben wieder arrogant. Sagten mit im privaten, wie im beruflichen Umfeld schon einige…

Die Trainerin malte gestern ein schönes Bild: Wenn man Ü60 ist, ist man eher eine Eiche, der egal ist, welcher Pinscher ihr an den Stamm pinkelt. Und ach, wie gern wäre ich da schon! Ich merke, dass ich schon deutlich „reifer“ bin, vieles aufgrund meiner Lebenserfahrung (boah, das klingt wirklich alt) besser einordnen und damit gelassener nehmen kann. Aber das Grübeln konnte ich noch nicht abstellen. Und das zehrt doch in manchen Momenten arg an mir.

Sie, also die Trainerin, stellte und dann gestern noch in Aussicht, dass wir lernen Wut und Stress wegzuatmen. Und das, meine Lieben, wäre tatsächlich ein erstrebenswertes Lernziel. Wir werden sehen.

„Kleine Kinder haut man nicht.“

Heute hat Susanne von geborgen wachsen diesen Link geteilt. Und seitdem grummelt es in meinem Bauch und ich überlege, was ich im diesem Moment gesagt oder auch nicht gesagt hätte.

Vielleicht wäre das meine Antwort:

„Ich verstehe Sie! Ich verstehe Sie so gut! Auch ich habe zwei Kinder und weiß daher, wie es ist, wenn die Nerven blank liegen. Wenn man scheinbar keinen Ausweg mehr sieht. Manchmal, wenn ich so richtig genervt bin und die Kinder dann ’nicht funktionieren‘ denke ich auch daran: Eine Ohrfeige und es ist Ruhe.

Denn leider habe ich keine anderen Problemlösungsstrategien gelernt. Auch mir wurde eine Ohrfeige verpasst, wenn ich nicht funktioniert habe. Oder ich wurde mit einer Jeans (inkl. Gürtel) ‚verwackelt‘, als ich mit einer 4 in Deutsch nach Hause kam. Deshalb ist es das einzige, was mir einfällt, wenn eins meiner Kinder nur noch brüllt und nicht das macht, was ich mir wünsche. Klatsch! Ruhe! Dann hast du einen Grund zum Heulen.

Ich habe es jedoch nie getan. Ich brülle. Daran arbeite ich noch. Aber schlagen, nein. In Gedanken spielen sich die Szenen meiner Kinderheit ab: Ich hebe die Hand und ohrfeige mein Kind. Dann erschrecke ich, denn den Schmerz, den spüre ich noch wie heute. Deshalb tue ich es nicht. Und schäme mich dafür, dass ich es auch nur in Gedanken in Erwägung zog. Ich lerne gerade Probleme anders zu lösen. Vielleicht ist das dieses ‚Man lernt nie aus‘. Denn eins habe ich als Kind verinnerlicht: Respekt hatte ich nur vor dem nicht-schlagenden Elternteil. Vor dem, der nicht müde wurde zu betonen: ‚Kleine Kinder haut man nicht!'“

Farben sind für alle da. Oder nicht?

Seit Wochen liegt uns das Osterkind in den Ohren, dass sie einen Roller haben möchte. Immer wieder sagte sie, sie will Roller fahren. Und weil der große Bruder sowohl ein Laufrad als auch ein Fahrrad besitzt, wollten wir ihr diesen Wunsch nicht verwehren. Wir machten uns also am Samstag auf zum hiesigen Fahrradgroßhändler, um nach einem Roller Ausschau zu halten.

Dort angekommen, wurden wir auch relativ schnell fündig. Und natürlich wollte der Sohn dann auch einen. Die beiden fuhren Probe und wir entschieden uns, dann eben zwei Roller zu kaufen. Als letztes Stand dann noch die Farbwahl an. Das Osterkind begeisterte sich für einen Roller in lila und für den Prinz stand ziemlich schnell fest: Pink! Der Blick des Hauptfreunds sagte alles, er versuchte noch den Sohn umzustimmen und prieß den schwarzen Roller in den schillernsten Farben an. Aber nein, der Prinz wollte pink.


Irgendwann sprach ich ein Machtwort, denn wenn der Sohn sich entschieden hat, dann ist das ok. Immer noch bedauert er, dass er kein rosa Zimmer bekommen, wie seine Schwester. Eben weil der Mann befürchtet, seine Freunde könnten sich über die rosa Farbe amüsieren und ihn hänseln. Daher wurde das Zimmer grün. Aber, wie gesagt, der Prinz bedauert das immer noch.

Ich finde, Jungs können auch pinke Roller, rosa Zimmer und Puppen haben! Wer sagt hier eigentlich, was Jungs- und was Mädchenspielzeug ist?! Farben sind nicht gegendert, Farben sind für alle da! Warum soll ich meinen 4jährigen in vermeintlich „normale“ Bahnen lenken, nur weil die Wege schön breitgetreten sind? Und vor allem will ich dem Sohn nichts verbieten, nur weil *vielleicht* irgendwann mal irgendwer als sagen könnte…

Natürlich hat der Prinz mitbekommen, dass wir das Thema immer wieder besprochen haben. Und natürlich sagte er irgendwann, er will den pinken Roller nicht mehr. Er will den schwarzen. Begründung: „Weil Papa gesagt hat, schwarz ist schön.“ Und genau das wollte ich nicht. Der Mann und ich müssen das dringend noch ausdiskutieren.

#rpTEN

Und auch in diesem Jahr für mich die re:publica Anfang Mai wieder nach Berlin. Das „Klassentreffen“ der Internetmenschen. Früher waren es Blogger, heute sind hier echt alle Vertreten: Blogger, Medienmenschen, Unternehmen aus so ziemlich jeder Branche.


Für mich ist es die dritte re:publica. 2011 kam ich das erste Mal, dann wieder 2015 und heute. Irgendwie ist das „wir“ aber immer geblieben. Sicher, wir leben hier in einer Filterbubble. Diese Internetmenschen kennen sich aus mit den Social Media Gedöns da draußen – oder versuchen es (im Falle von Snapchatten) jedenfalls. Wir reden über Netzpolitik, über Leistungsschutz- und Urheberrecht und vergessen manchmal, dass die große Mehrheit da draußen erstmal „abgeholt“ werden muss. Was ich an dieser Konferenz aber besonders mag: Sie ist schrecklich unkompliziert. Die Sessions haben so viele Themen, manche „seriös“, manche mit Witz. Viele transportieren in der Metaebene eine ernste Warnung. Und wir sitzen immer noch auf dem Fußboden, wenn keine Sitzplätze mehr frei sind.

Ich mag dieses Klassentreffen für diese Unkompliziertheit. Und ich mag es wegen der Menschen, die man sonst nur im Internet trifft. Auf geht’s in den zweiten Tag…

Mein Endgegner

Als ich Mutter wurde hatte ich schon dieses dumpfe Gefühl, aber mit dem Wachsen der Kinder wurde auch die Gewissheit stärker: Geduld ist mein Endgegner.

Ich war noch nie ein besonders geduliger Mensch. Bei mir muss alles schnell oder wenigstens sofort passieren. Abwarten kann ich einfach nicht. Wahrscheinlich ist es genetisch, man weiß es nicht. Dann kam der Prinz und die erste Lektion, die ich lernen musste, war Geduld zu haben. Warum dauert es „so lange“ bis der CPAP weg ist und die Armung damit stabil? Die Antwort der Ärzte war immer: Haben Sie Geduld und geben Sie Ihrem Sohn die Zeit, die er zum Wachsen braucht. Im Kopf war mir das klar, aber hilflos neben dem Bettchen zu sitzen und zu sehen, dass er das alles allein schaffen muss, war schwer.

Dann kam er nach Hause und irgendwann zog das Osterkind bei uns ein. Und auch wenn die Kinder klein sind, hilft vor allem Geduld. Geduld, bis das Stillen nicht mehr schmerzvoll ist, bis die Schlafphasen angenehmer werden. Bis die Kinder gelernt haben allein zu essen oder nicht mehr die 100%ige Aufmerksamkeit eines Erwachsenen brauchen. Geduld, bis sie selbst aussprechen können, was sie möchten.

All diese Hürden haben wir nun genommen. Aber es geht weiter. Dieses 1.000 malige Wiederholen von „Schubst euch nicht!“, „Zieh dich bitte an!“, „Iss‘ bitte dein Müsli auf! Wir müssen loshooos!!“ Es zehrt an meinen Nerven. Es macht mich fertig. Jeder Satz, den man als Mutter sagt, wird sofort auf „Repeat“ gestellt. Immer und immer wieder. Ich könnte sie alle als Sprachmemo aufnehmen und in Endlosschleife abspielen.

Ich weiß, durch wiederholen lernt man. Und auch ich lerne dabei. Ich formuliere klarer, merke schon direkt beim Aussprechen, wenn es eben nicht klar genug war. Aber dennoch nervt es mich zu Tode, jeden – wirklich JEDEN – Morgen alles 437mal sagen zu müssen. Geduld ist mein Endgegner. Und ich weiß nicht, wieviele Leben ich noch opfern muss, um ihn zu schlagen.

… was sich ewig bindet

Irgendwann heute fand ich in meiner Facebook-Timeline ein Interview im Süddeutsche Magazin mit dem schönen Titel „Im Gesetz steht von Liebe kein Wort„. Darin beschreibt eine renommierte Scheidungsanwältin, was sie in all ihren Berufsjahren so erlebt und gesehen hat. Es geht um die Ehe und deren Ende. Und ja, der Text ist schon etwas ernüchternd. Sehr ernüchternd.

Sie erzählt, dass oft die Vollzeitjobs und das zweite Kind eine Ehe beenden, weil sich die Partner auseinander leben und der Alltag alles andere frisst. Aber natürlich sind es nicht die Vollzeitjobs und die Kinder, sondern die Ansprüche, die man so stellt. Zwei Kinder sind eine Hausnummer, ja. Eine 40-Stunden-Woche ist eine Hausnummer, vor allem, wenn man noch eine picobello Wohnung haben will.

Deshalb haben wir unsere Ansprüche angepasst: Da wir nicht einmal eine Spülmaschine besitzen (Ha! Wir tollkühn wir unsere Ehe aufs Spiel setzen!), schaffen wir abends meist nur den Abwasch. Das Chaos im Wohnzimmer bleibt viel zu oft liegen. Die Wäsche wird ab und zu nochmal gemacht, aber alles andere schieben wir aufs Wochenende. Und natürlich sind wir abends oft zu müde für alles, was über Sofa und Serien hinaus geht. Meist verkrümele ich mich direkt um 9 mit meinem Kindle im Bett. Aber das ist ok. Wir wissen, dass es auch anders werden wird. Das die Zeit, in der die Kinder so klein sind, begrenzt ist und wir wahrscheinlich viel zu früh wieder allein wohnen.

Was mir an dem Interview aber wirklich imponiert hat, war die nüchterne Herangehensweise an das Thema Ehe. Ich bin da ja auch eher Realist: Mir ist klar, dass man für dieses „Auf immer und ewig“ arbeiten muss. Höchstwahrscheinlich hart arbeiten muss. Dass etwas Metall an einem Finger keine Garantie ist – weil das Leben eben keine Garantien gibt. Wenn man mich fragt, habe ich nicht aus Liebe geheiratet. Denn lieben kann man sich auch ohne Trauschein. Wir haben geheiratet, weil es vor allem wenn es „offiziell“ wird leichter ist,  wenn der Staat einem glaubt. Und weil man Steuern spart, natürlich. Hihi.

Das muss ein Ende haben.

Eigentlich habe ich keine guten Vorsätze, die ich an Silvester fasse und dann einen Monat später wieder verwerfe. Dieses Jahr ist das aber anders. Ich will mein Mama-Ich ändern. Grundlegend. Um nicht das Mama-Ich meiner Mutter zu werden. Das ich meine ganze Kindheit und darüber hinaus verabscheut habe und welches auch nicht ganz unschuldig daran ist, dass ihr Tod kein tragisches Trauerjahr in mir ausgelöst hat.

Ich habe Anfang 2016 beschlossen, die Kinder nicht mehr anzubrüllen. Auslöser war der erste Morgen, an dem es wieder zur Arbeit und für die Kinder in die Kita ging. Das Osterkind wollte sich – wie schon seit einiger Zeit – mal wieder nicht anziehen lassen. Sie trödelte, zoge ihr Frühstück in die Länge, um dann immer wieder vor mir wegzulaufen. Ich gehe dann immer einfach schon mal zur Tür, ziehe den Prinz und mich an und spätestens dann kommt sie und will dann doch mit. Es war mal wieder viel zu spät als sie sich entschloss, sich doch anziehen zu lassen. Und eigentlich war schon alles gegessen, als ich sie dann eben doch anschrie. Ich brüllte, dass mich dieses Hin und Her unmäßig nervt und sie – weinte. Natürlich. Kleine Ohren sind für Erwachsenengeschrei nicht gemacht. Wer weiß das besser als ich?! Sofort wurde mir klar, wie dämlich diese Reaktion gerade von mir war. Ich entschuldigte mich und dann sagte der Prinz einen sehr wahren Satz: „Du musst jetzt aber auch endlich mal lernen nicht mehr zu schreien.“ So wie wir die Kinder immer wieder darauf hinweisen, dass sie bestimmte Dinge langsam mal allein machen sollen/ müssen, so muss ich auch etwas lernen.

Direkt nach dem Brüllen tut es mir immer unendlich leid. Aber während mich die Kinder durch ihr Verhalten (was völlig okay, aber eben für mich unpassend ist) zur Weißglut treiben, spielen sich in meinem Kopf die Szenarien meiner Kindheit ab. Und da lernte ich nur: Zuerst wird geschrien. Dann wird geschlagen. Und so kommt es, dass ich ab einem bestimmten Grad meiner Gereiztheit den Kindern in meinem Kopf eine Ohrfeige gebe. Spätestens dann werde ich „wach“, verlasse den Raum und schäme mich für mich selbst. Und deshalb muss das jetzt ein Ende haben. Ich will nicht so werden wie meine Mutter. Nicht in dieser Beziehung.

Ich rede immer noch laut und deutlich mit den Kindern, wenn mir etwas nicht passt. Sie müssen schließlich auch lernen, dass andere Menschen andere Bedürfnisse und Vorstellungen haben. Aber ich schreie nicht mehr. Das muss jetzt ein Ende haben. Denn wenn ich eins schon immer wusste: Ich will niemals so werden wie meine Mutter. Und ich will nicht, dass meine Kinder sowas später auch sagen.

Der (gekaufte) Weihnachtskalender

Ich weiß gar nicht, ob ich sowas öffentlich machen kann. Wahrscheinlich ist es über Haupt nicht schlau. Aber wir haben dieses Jahr alle einen gekauften Weihnachtskalender. Dieses Jahr hängen keine 96 Tütchen an dem Drahtgestell unserer Wohnzimmerlampe. Und das kam so:

Bereits Ende September/ Anfang Oktober erinnerte ich den Hauptfreund daran, dass wir für die Inhalte der Weihnachtskalender sorgen sollten. Nichts hasse ich mehr, als mich Ende November durch die Drogerien der Stadt in den Weihnachtseinlaufswahn stürzen und dann auch etwas kaufen zu müssen. Der Mann und ich überlegten also und dachten damit als letzte Jahr. Und an Sätze wie „Ich will kein Auto. Ich will wieder Gummibärchen!“ Ich weiß, dass die Kinder das nicht böse meinten. Ich weiß auch, dass sie sich über die Autos gefreut haben und ja heute noch damit spielen. Aber ich habe mich doch gefragt, ob sich der Aufwand dann lohnt. 48 Tütchen mit jeweils 5 Gummibärchen kann ich mir sparen. Dann können wir auch nen Kalender kaufen. So haben wieder dieses Jahr jeder (Ja, auch Mama!) einen gekauften Weihnachtskalender. Und soll ich euch mal was verraten? Die Kinder waren heute morgen beim Öffnen des ersten Türchens genau so aus dem Häusen, wie im letzten Jahr.

Alptraumjob

Ich sitze gerade in der Bahn und fahre zur Arbeit. Und ich kann nicht bestreiten, dass ich nicht ein bisschen Schadenfreude empfunden habe, dass heute ich den brüllenden (weil unausgeschlafenen) Prinz bei seinem Papa zurücklassen durfte. In den vergangenen zwei Wochen war ich nämlich die, die sich morgens um die motzigen Kinder kümmern musste durfte. Und in zwei Wochen, wenn der Mann keinen Urlaub mehr hat, werde ich es auch wieder sein.

In den vergangenen zwei Wochen war ich Vollzeit „Hausfrau und Mutter“ und ich realisierte wieder einmal, dass das mein absoluter Alptraumjob ist. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe es, Zeit mit den Kindern zu verbringen. Und ich habe es auch sehr genossen, dass unser Leben so viel einfacher wirkt, wenn einer zu Hause ist und Einkauf, Abwasch und Wäsche nicht „noch nebenbei“ gemacht werden müssen. Natürlich merken wir es total, wenn nicht alles zwingend aufs Wochenende oder die Abende geschoben werden muss. Wenn der Mann nicht in der Mittagspause einkaufen oder ich nach der Arbeit noch Besorgungen machen muss. Aber ich bin eben keine „Vollzeit Hausfrau“.

Nach zwei Wochen merkte ich nämlich durchaus, dass meine Nerven endlich sind. Das mir die „Ich-Zeit“ – und ja, da zähle ich auch die Zeit im Büro dazu – fehlt. Ich habe nämlich meinen Traumjob und genieße es daher sehr, arbeiten zu dürfen. Und dann ist die Zeit mit den Kindern eben auch Qualitytime, die ich viel mehr genießen kann. Dann sind die Wutausbrüche nicht der Weltuntergang, weil ich auch noch andere Dinge sehe, erlebe, mich über die Kollegen ärgern kann. Das alles macht mich zu einer entspannteren Mutter, glaube ich.

In den letzten Wochen (und auch vor meinem Urlaub) habe ich anfangen zu brüllen. So wie meine Mutter immer gebrüllt hat. Und das muss sich ändern. Das geht so nicht. Aber auch deshalb brauche ich den „Ausgleich“, den ich durch meine Arbeit und die einstündige Pendelzeit habe.

Natürlich bin ich 168 Stunden die Woche Mama. Aber es reicht mir vollkommen, wenn ich davon 39 Stunden weniger „Hausfrau“ sein muss. 

Befund: positiv

Vergange Woche brachte der Sohn eine Zecke mit nach Hause. Wir bemerkten sie am Abend, als wir eigentlich schon beim Einschlafkuscheln waren. Natürlich entfernten wir das Ding sofort, bewarten es aber auf.

Am nächsten Morgen erzählte mir die liebe @katjagoogoo, dass ich die Zecke in der Tierärztlichen Hochschule auf Borreliose untersuchen lassen könnte. Also schnell Google befragt und das Miststück, welches meinen Sohn gebissen hatte, in die TiHo gebracht. Seit dem Wissen um den Stich beobachten wir die Einstichstelle und ich atme jedes Mal ein wenig erleichterter auf, wenn keine Reaktion zu sehen ist. Aber dennoch ist da dieses mulmige Gefühl und der Gedanke, was denn die Untersuchung ergeben wird.

Heute kam dann das Ergebnis: positiv. Diese blöde Zecke war Borreliose-positiv. Einzig, dass sie jetzt tot ist, befriedigt mich ein kleines bisschen. Ansonsten ist da vor allem dieses Bauchgrummeln, was jetz vorherrscht. Google und Wikipedia sagen was von 6% Erkrankungswahrscheinlichkeit und guten Aussichten, wenn früh erkannt und Antibiotikaeinsatz. Mein Kopf rechnet hin und her, sagt meinem Bauch, dass man jetzt eh nichts mehr ändern kann. Dass meinen Kindern jeden Tag viel schlimmere Dinge passieren können. Dass selbst Ertrinken wahrscheinlicher als eine Erkrankung an Borreliose ist.

Aber ich frage mich jetzt auch, ob wir uns mit dem Test echt einen Gefallen getan haben. Ob es schlau ist, immer alles genau wissen zu wollen. Jetzt betrachte ich den Prinz und die Einstichstelle noch genauer. Frage mich, was ist. Kann die Gedanken noch weniger von mir wegschieben. Ich überlege, ob ich meine Kinder nie wieder in die Natur lassen werde. Ob ich persönlich jede einzelne Zecke auf diesem Planeten möglichst schmerzhaft eliminieren werde. Ich weiß, dass das alles keine realen Optionen sind. Aber ja, jetzt ist das begründete Angst. Also sie ist begründeter als vorher. Als wir noch keine Gewissheit hatten.

Natürlich werde ich das machen, was gute Mütter eben machen: Aufmerksam sein, aber alles andere wegschieben. Alles wird gut. Basta. Ist ja nicht so, als hätte ich diese Lektion nicht schon in den ersten zehn Lebenswochen des Prinzen gelernt. Aber dennoch bleibt da dieser winzige Gedanken in meinem Kopf und die Frage, welche Daseinsberechtigung Zecken eigentlich auf diesem Planeten haben.