Ostseekind

Einmal Ostsee, immer Ostsee. Nach nur einem Tag muss ich gestehen, was ich nicht wahrhaben wollte: Ich bin ein Ostseekind.


Jahrelang sind meine Eltern mit uns (meinem Bruder und mir) an die Ostsee gefahren. Weil man als Bürger der D*eutschen D*emokratischen R*epublik eben auch nicht groß wo anders hinkam. Jeden Sommer, 3 Wochen. Sie haben unser Schneckenhaus an den Wartburg gehängt und sind mit uns an die Ostsee gefahren. Ich verband mit diesen Urlauben immer das, was Kindheit und Glück bedeutet: Gemeinsamkeit, Sand in den Haaren, Sonnenbräune (nicht Sonnenbrand!), morgens gemeinsam aufwachen und den FKKlern auf dem Weg ins Meer zusehen.

Es war Liebe in der reinsten Form.


Als ich groß war, wollte ich endlich an die Nordsee. Ich wollte die Gezeiten mit eigenen Augen sehen. Wollte an ein „richtiges“ Meer, eben nicht dahin, wo ich schon tausend Mal war. Die Urlaube waren toll, aber das Klima ist rau, immer wurden wir krank. Die Nordsee ist eben die Nordsee.

Und jetzt sind wir den ersten Tag unseres Urlaubs an der Ostsee. Ein wenig fühlt es sich vertraut an, auch wenn wir ganz woanders sind.


Vielleicht liegt es daran, dass meine Eltern nicht mehr da sind. Vielleicht sage ich das immer, wenn ich am Meer bin. Aber ich habe den Drang, einen Wohnwagen an unser Auto zu hängen und wieder zu kommen. Immer wieder. Damit meine Kinder diese Liebe auch spüren können.

Abgestillt.

Zwei Jahre und ganz knapp 10 Monate habe ich das Osterkind gestillt. Das sind ungefähr 16 Monate mehr, als ich ursprünglich mal gedachte hatte. Und nun ist das Osterkind groß und ich habe meine B*rüste wieder für mich.

  
Im vergangenen Jahr kam der Wunsch nach dem Abstillen immer wieder hoch. Nicht nur die Ungläubigen Blicke von eigentlich allen, wenn ich erzählte, dass ich mein zweijähriges Kind noch stille. Es waren vor allem die Nächte, die nicht leichter wurden, je älter das Osterkind wurde. Es ist nämlich ein himmelweiter Unterschied, ob man nachts nicht schläft, weil ein Säugling stillen MUSS oder weil ein Kleinkind stillen WILL. Aber dennoch fehlte mir immer wieder das Durchhaltevermögen, denn das Osterkind dachte nicht im geringsten daran, die Milchbar irgendwann einmal freiwillig aufzugeben.

Also packte ich die letzte Dienstreise beim Schopf: Schließlich war sie ganz hervorragend ohne Milch, aber dafür mit ihrem Papa eingeschlafen. Und am Freitag war dann eben die Milch weg. Nachdem wir sie nachts haben „meckern“ lassen (natürlich fragte sie nach dem Stillen), kam dann auch die „Milchfee“ und brachte ihr die heißersehnten Chucks. Nun, was soll ich sagen? Mit dem Moment, in dem für mich klar war, dass es nun vorbei ist, war das Osterkind gefühlt zehn Zentimeter größer. Sie lief in ihren neuen Schuhen durch die Wohnung und ich sah in ihr nicht mehr „mein Baby“, sondern mein großes Mädchen!

Natürlich wird sie nachts noch zweimal wach und besteht darauf, endlich wieder Milch zu bekommen. Sie lässt sich aber beruhigen und versteht, dass wir kuscheln, aber nicht mehr stillen können. Sie ist eben doch größer, als ich immer wahr haben wollte.

Einen Nachteil hat das Ganze aber doch: Den Mittagsschlaf hat sie damit auch an den Nagel gehängt. Aber irgendeinen Haken muss die Sache ja für mich auch haben.

„Wir sind lieb.“

Ich bin heute für eine Nacht auf Dienstreise und daher nicht zu Hause bei Mann und Kindern. Natürlich telefonieren wir aber, als sie auf dem Weh ins Bett sind. Zuerst ertönt in Stereo: „Mama, komm nach Hause!“ Was mir schon einmal sehr das Herz zerreißt. Ich antworte also, dass das nicht geht und dass ich ganz traurig werde. Da antwortet das Osterkind: „Wir sind nicht traurig. Wir sind lieb.“ Und schon war alles wieder gut. 💕

Der (gekaufte) Weihnachtskalender

Ich weiß gar nicht, ob ich sowas öffentlich machen kann. Wahrscheinlich ist es über Haupt nicht schlau. Aber wir haben dieses Jahr alle einen gekauften Weihnachtskalender. Dieses Jahr hängen keine 96 Tütchen an dem Drahtgestell unserer Wohnzimmerlampe. Und das kam so:

Bereits Ende September/ Anfang Oktober erinnerte ich den Hauptfreund daran, dass wir für die Inhalte der Weihnachtskalender sorgen sollten. Nichts hasse ich mehr, als mich Ende November durch die Drogerien der Stadt in den Weihnachtseinlaufswahn stürzen und dann auch etwas kaufen zu müssen. Der Mann und ich überlegten also und dachten damit als letzte Jahr. Und an Sätze wie „Ich will kein Auto. Ich will wieder Gummibärchen!“ Ich weiß, dass die Kinder das nicht böse meinten. Ich weiß auch, dass sie sich über die Autos gefreut haben und ja heute noch damit spielen. Aber ich habe mich doch gefragt, ob sich der Aufwand dann lohnt. 48 Tütchen mit jeweils 5 Gummibärchen kann ich mir sparen. Dann können wir auch nen Kalender kaufen. So haben wieder dieses Jahr jeder (Ja, auch Mama!) einen gekauften Weihnachtskalender. Und soll ich euch mal was verraten? Die Kinder waren heute morgen beim Öffnen des ersten Türchens genau so aus dem Häusen, wie im letzten Jahr.

In der Weihnachtsbäckerei

Heute verbrachten wir den ganzen Vormittag in der Küche, denn auf das Frühstück folgte direkt eine zweieinhalb stündige Backorgie, die von der Zubereitung des Mittagessens abgelöst wurde. Nachdem ich nämlich gestern Teig für Butterplätzchen (mit und ohne Kakao), Zimtsterne und die Minz-Schoko-Kekse von Pia vorbereitet hatte, konnten wir heute die Weihnachtsbäckerei eröffnen. Nebenbei lief „Weihnachten in Familie“ von Frank Schöbel, denn diese CD gehört für mich einfach zur Adventszeit wie Kerzen und Süßigkeiten.

Die Kinder bepuderzuckerten die Minz-Schoko-Kekse und stanzten die Plätzchen aus. Zwei Stunden haben sie ganz toll mitgemacht, dann verloren sie verständlicherweise die Lust. Und während wir da so in der Küche standen und Plätzchenteig ausrollten, da dachte ich: Das ist Weihnachtszeit. Familienzeit. So habe ich es früher, als ich noch ein Kind war, geliebt. Und so liebe ich es heute noch.

Und weil es den ganzen Tag hier Bindfäden regnete, verbrachten wir auch den restlichen Tag zu Hause. Mampften unsere Kekse und schlürften Kakao. Familientag Deluxe.

Krankenstand

Heute sind das Osterkind und ich zu Hause. Schon nachts merkte ich, dass neben mir ein kleines Glühbaby (okay, sie ist kein Baby mehr!) liegt. Heute morgen hatte sich daran natürlich nichts geändert. Fieber verschwindet nicht einfach nach 2 Stunden und alles ist wieder gut.

Nach dem Aufstehen wirkte sie noch recht fit. Suchte sich ihre Sachen selbst aus (was zu einer wahnwitzigen Farbkombination führte, aber egal) und zog sich sogar zum Großteil selbst an. Aber schon am Frühstückstisch wirkte sie abwesend und sagte eben auch immer wieder, sie hätte Bauchschmerzen. Nachdem auch der Sohn meinte, es gehe ihm nicht gut, war die Sache geritzt. Mama bleibt heute zu Hause. Der Prinz entschied sich dann jedoch für Blitzheilung (er wirkte auch eher lustlos als krank) und wollte dann doch in die Kita. Da er kein Fieber hatte – bitte. Die Aussicht auf drei Stunden Wartezimmer mit zwei Kindern war eher nicht so rosig.

Das Osterkind aber betonte immer wieder sie sei „ganz dolle krank“. Und sie wollte nun endlich zum Arzt! Nachdem wir also den Bruder in der Kita abgegeben und das Osterkind in ihrer Gruppe entschuldigt hatten, gingen wir Mädels wieder nach Hause. Und seit 10 Uhr schläft mein Glühwürmchen. Zeit für mich, ein bisschen zu arbeiten, das Bad zu putzen und zu bloggen. Und nach Ohr-Fieberthermometern zu googlen, denn ein solchen haben wir noch nicht. Und das Fiebermessen mit einem „konventionellen“ funktioniert leider nicht mehr.

Autogespräche

Wir fahren vom Familiengeburtstag in Hessen nach Hause. Es ist schon halb 9 und der Plan ist, dass die Kinder im Auto einschlafen und wir sie dann 200km später nur noch umbetten. Aus diesem Grund holt der Mann schon mal den Teddy vom Osterkind und den Affen vom Prinz aus dem Kofferraum. Das Osterkind will seinen Teddy aber gar nicht, sodass dieser erstmal im Arm vom Prinz bleiben kann. Irgendwann wird das Osterkind aber doch müde.

Papa: „Osterkind, willst du deinen Teddy zum Schlafen?“

Osterkind: „Ja.“

Der Prinz gibt dem Papa den Teddy, damit dieser ihn weiterreichen kann.

Prinz: „Aber wenn das Osterkind nicht schläft, nehme ich den!“

Wenig später diskutieren der Mann und der Prinz, dass der Prinz auch langsam mal schlafen könnte. Der Prinz verneint das, weil er noch „ganz viel spielen muss“, wenn wir zu Hause ankommen. Der Mann erklärt ihm, dass es dann schon sehr spät ist und wir dann erstmal schlafen müssen.

Papa: „Morgen schlafen wir erstmal aus, dann frühstücken wird und dann, nach dem Zähneputzen, können wir ganz lange spielen. Und dann müssen wir noch die Wohnung putzen.“

Prinz: „Und k*ackk*ack machen.“

Osterkind (ganz verschlafen): „Ich nicht. Ich habe schon.“

Papa: „Osterkind? Du schläfst ja noch gar nicht!“

Prinz (ganz cool): „Na dann kann ich den Teddy ja wieder nehmen.“

😂

Alptraumjob

Ich sitze gerade in der Bahn und fahre zur Arbeit. Und ich kann nicht bestreiten, dass ich nicht ein bisschen Schadenfreude empfunden habe, dass heute ich den brüllenden (weil unausgeschlafenen) Prinz bei seinem Papa zurücklassen durfte. In den vergangenen zwei Wochen war ich nämlich die, die sich morgens um die motzigen Kinder kümmern musste durfte. Und in zwei Wochen, wenn der Mann keinen Urlaub mehr hat, werde ich es auch wieder sein.

In den vergangenen zwei Wochen war ich Vollzeit „Hausfrau und Mutter“ und ich realisierte wieder einmal, dass das mein absoluter Alptraumjob ist. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe es, Zeit mit den Kindern zu verbringen. Und ich habe es auch sehr genossen, dass unser Leben so viel einfacher wirkt, wenn einer zu Hause ist und Einkauf, Abwasch und Wäsche nicht „noch nebenbei“ gemacht werden müssen. Natürlich merken wir es total, wenn nicht alles zwingend aufs Wochenende oder die Abende geschoben werden muss. Wenn der Mann nicht in der Mittagspause einkaufen oder ich nach der Arbeit noch Besorgungen machen muss. Aber ich bin eben keine „Vollzeit Hausfrau“.

Nach zwei Wochen merkte ich nämlich durchaus, dass meine Nerven endlich sind. Das mir die „Ich-Zeit“ – und ja, da zähle ich auch die Zeit im Büro dazu – fehlt. Ich habe nämlich meinen Traumjob und genieße es daher sehr, arbeiten zu dürfen. Und dann ist die Zeit mit den Kindern eben auch Qualitytime, die ich viel mehr genießen kann. Dann sind die Wutausbrüche nicht der Weltuntergang, weil ich auch noch andere Dinge sehe, erlebe, mich über die Kollegen ärgern kann. Das alles macht mich zu einer entspannteren Mutter, glaube ich.

In den letzten Wochen (und auch vor meinem Urlaub) habe ich anfangen zu brüllen. So wie meine Mutter immer gebrüllt hat. Und das muss sich ändern. Das geht so nicht. Aber auch deshalb brauche ich den „Ausgleich“, den ich durch meine Arbeit und die einstündige Pendelzeit habe.

Natürlich bin ich 168 Stunden die Woche Mama. Aber es reicht mir vollkommen, wenn ich davon 39 Stunden weniger „Hausfrau“ sein muss. 

Ein weiterer Schritt

Heute war der erste Tag in der neuen Kita für den Prinz und das Osterkind. Zweieinhalb Wochen hatten sie jetzt Ferien – erst mit dem Papa, dann mit mir. Heute kam also ansatzweise der „Alltag“ zurück und ja, ich bin zuversichtlich.

Nachdem ich mir in den vergangenen Tagen viele Gedanken um das „wie“ gemacht. Ich hatte keine Ahnung, wie die Kinder das aufnehmen würden: Neue Kita, neue Erzieher, neue Kinder. Die beiden sind ja eher nicht die Kinder, die mit neuen Situationen spielend umgehen. Es konnte also alles zwischen „alles gut“ und „wirklich gar nichts ist gut“ passieren.

Wir machten uns also heute morgen auf den Weg in die neue Kita. Zu Fuß – yeah. Packten die Sachen vom Prinz in sein neues Fach, deponierten seine Zahnbürste im neuen Becher und betraten den Gruppenraum. Zuerst forderte er noch meinen Finger, wollte mich direkt neben sich wissen, doch dann löste sich mein Kindergartenkind langsam von mir. Und das Osterkind und ich konnten in ihre Gruppe gehen.

Dort war ich auch direkt abgeschrieben. Das Osterkind nahm ihre neue Erzieherin an die Hand und stapfte los. Spielen, Musik machen, Mama war für die nächsten 60 Minuten vergessen.

Auf dem Rückweg, als ich den Prinz trug und das Osterkind neben mir herlief, wurde es mir dann klar: Meine Babies werden groß. Mein Kindergartenprinz war direkt am ersten Tag drei Stunden allein in seiner Gruppe. Das Osterkind spielte allein – und schaute nur einmal zu mir auf.

Zu Hause wurde dann mal ganz schnuffelig der Mittagsschlaf gecancelt. Und dann spielten die beiden im Wohnzimmer, während ich tatsächlich einfach nur so auf dem Sofa lag und laß. Die beiden werden groß!

Stillen in der Stadtbahn. Ein Rant.

Heute erhielt ich eine Anfrage, wie das denn bei meinem Arbeitgeber sei: Würde man auch aus Bus und Bahn geworfen, nur weil man sein Baby stille? So, wie es am Wochenende in Hamburg der Fall gewesen war. Da ich den Fall nicht mitbekommen hatte (Mama-Timeline, wo warst du?!), fragte ich zuerst einmal Google und las nach, was da eigentlich passiert war. Und wirklich, in Hamburg wurde eine stillende Mütter samt Baby aus dem Bus geworfen. Puh. Starkes Stück.

Als ich darüber meinen Unmut kundtat, war die Reaktion hinter meinem Monitor: „Na ich will mir sowas auch nicht ansehen müssen?“ Ähem, wie Bitte?! „Sowas?“ Geht’s noch? Ich erklärte meiner Kollegin also – vielleicht ein bisschen zu energisch – meinen Standpunkt. Denn seien wir mal ehrlich: Jeden Tag sehen wir im TV, in der Werbung, in Serien die Hupen sämtlicher Frauen. Aber wenn es darum geht, ein Kind zu ernähren, dann soll das bitte entweder steril mit einer Flasche oder hinter geschlossenen Türen passieren. Aber solange Stillen in der Öffentlichkeit nicht passiert, wird sich daran auch nichts ändern. Vor 100 Jahren waren auch kurze Röcke verpönt, heute gehören sie zum Alltag. Leider tut die Gesellschaft ja heute immer noch so, als ob stillende Mütter erstmal alles ausziehen, jedem Menschen im Umkreis von 50 Metern ihre Brüste ins Gesicht halten und erst dann das Kind stillen. Als sei das Kind nur „Beiwerk“ und man wolle eigentlich nur mal blank ziehen. Dass diese Einstellung dann aber nur von nicht Betroffenen vertreten wird, wird auch ganz schnell klar.

Und deshalb kann die Kollegin auch für ihre Einstellung nichts. Als ich in ihrem Alter war, fand ich es auch komisch, weil es eben nicht zum Alltag gehört. Und wir nun mal so erzogen wurden, bei „echten“ Brüsten beschämt zu Boden zu gucken. Das jeden Tag viel mehr Nippel auf der Titelseite der BILD zu sehen sind, fällt uns aber gar nicht mehr auf.

  
Ich stillte jedenfalls zwei Jahre erfolgreich in der Stadtbahn und wurde nie rausgeworfen. Auch hat mir niemand gesagt, ich solle mich wieder einpacken oder komisch geguckt. Und wenn, dann ist es mir nicht aufgefallen. Ich kann es nur leider gar nicht haben, wenn Leute angeekelt darüber sprechen, wenn Babys ernährt werden. Denn genau diese Leute verzichten ja auch nicht darauf, vor anderen zu essen. Und ja, meine Kollegin und ich sind mit dem Thema noch nicht durch. Da wird sie sich noch noch ein paar Sprüche anhören müssen. Aber das ist sie von mir ja schon gewohnt. ;)