Jahresrückblick 2015

Januar

Das Jahr begann damit, dass meine Mutter wieder im Krankenhaus landete und es sich abzeichnete, dass sie es nicht mehr lebend verlässt. Die Hoffnung stirbt aber zuletzt und so fuhren wir Mitte Januar noch einmal mit den Kindern hin, um ihren Lebenswillen zu wecken. Ende Januar kam dann der Anruf: Kommen Sie sofort! Es war zu spät. Wir waren Vollwaisen.

Februar

Der Tod meiner Mutter nimmt mich emotional echt mit. Ich kann nicht weinen, aber auch nicht richtig schlafen oder mich auch nur konzentrieren. Das Leben mit den Kindern macht die Sache leichter, weil man sieht, wofür man da ist. Außerdem hatte ich bereits die Chance „Trauer um einen Elternteil“ zu üben. Ende des Monats erfolgt ihre Beerdigung, danach konnte ich abschließen.

März

Das Leben geht weiter. Vor allem mit Kindern. Das Osterkind wird 2 und wir feiern mit der Familie, während draußen ein ordentlicher Frühjahrsstrum tobt.

April

Ostern verbringen wir bei der Familie und genießen die ruhigen Tage. Wir bekommen die Zusage für zwei Kindergartenplätze für den Prinz und entscheiden uns, beide Kinder in eine neue Einrichtung zu geben. Zuerst macht es uns Bauchschmerzen, aber das ändert sich bald.

Mai

Anfang Mai fahre ich drei Tage nach Berlin auf Dienstreise. Das Osterkind verbringt die Nächte ohne Stillen bei ihrem Papa. Stört sie nicht wirklich, gestillt wird nach den drei Tagen aber trotzdem unbeirrt weiter. Mitte des Monats fahren wir zusammen mit meinem Bruder zwei Wochen an die Nordsee. Wir genießen die Ruhe, den Wind und die Familienzeit. Das ist unser Jahresurlaub.

Juni

Auf der Arbeit bekommen wir einen neuen Kantinenbetreiber und ich beginne das Essen jeden Tag zu fotografieren. Die Kollegen schütteln darüber nur den Kopf, aber die verstehen diese Internetsachen sowieso nie.

Juli

Der letzte Monat der Kinder in der „alten Kita“ ist angebrochen. Das Osterkind wird auch die Krippe verlassen und mit dem Prinz zusammen in die neue Einrichtung gehen. Der Abschied fällt schwer, aber da „unsere“ Erzieher auch alle gehen, ist es nicht allzu schlimm.

August

Einen halben Monat sind sowohl der Mann und ich mit den Kindern zu Hause, weil die neue Kita erstmal zwei Wochen Schließzeit hat. Der Urlaub tut uns allen gut, auch wenn es für uns Eltern echt schmerzt, fünf Wochen (danach ist ja noch Eingewöhnung) des Jahresurlaubs „opfern“ zu müssen.

September

Das Osterkind fühlt sich in der neuen Kita ziemlich wohl und macht die Eingewöhnung im Vorbeigehen. Der Prinz liebt seine neuen Erzieherinnen und genießt es nun zu den Großen zu gehören. Wir haben jetzt ein großes Kindergartenkind, welches nur noch nachts eine Windel braucht! Leider verstirbt auch noch unser Häschen. Sie war für ein Kaninchen in einem guten Alter und musste auch nicht leiden, aber traurig ist sowas ja immer. Die Kinder nehmen es sehr gut auf und wir erklären nochmal das Konzept „für immer weg“.

Oktober

Ich mache den Stadtbahnführerschein und muss mich an Arbeitszeiten von 7-15.30 Uhr gewöhnen. Das ist so gar nicht meins! Der Mann bringt dafür morgens die Kinder in die Kita und bleibt mit ihnen anstandslos zu Hause, wenn sie krank sind. Am 29. Oktober bestehe ich die Fahrprüfung und wir feiern den vierten Geburtstag des Prinzen! Unglaublich!

November

Mitte November besuche ich mit meiner Freundin das Konzert von „Michael Patrick Kelly“ und ja, ich bin immer noch schrecklich verliebt. Hihi.

Dezember

Der Dezember vergeht mal wieder viel zu schnell, obwohl ich die Weihnachtsgeschenke früh zusammen und daher wenig Weihnachtsstress habe. Leider ereilt unsere Familie noch ein Todesfall, der aber auch eine Erlösung für den Betroffenen bedeutete. Weihnachten feiern wir bei meiner Nichte und die Kinderaugen strahlen, als der Weihnachtsmann vorbei kommt. Am 30. heiratet die Lieblingsnichte noch schnell ihren Freund und wir feiern eine rauschende, kleine Party.

Fazit: Dieses Jahr hatte emotional alles zu bieten, was so ging. Meine Kollegin zitierte ihre Mutter, die einmal meinte, man sei kein Kind mehr, wenn die eignenen Eltern tot sind. Ich bin also seit 2015 offiziell kein Kind mehr. Dafür habe ich aber auch gelernt, wie wichtig Familie ist und dass der Tod nicht immer die übelste Wahl ist. Manchmal ist er einfach nur die Erlösung und die gönne ich jedem.

Ich wünsche jeden von euch so viel Liebe, wie ich sie 2015 erleben durfte. Hoffe aber, dass wir in Bezug auf die Todesfälle nächstes Jahr eine Pause machen können.

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