Mein Schnuffel,

gestern Morgen flogen die Steine tief. In meine Richtung. Du warst gar nicht glücklich, dass dein Papa zur Arbeit musste und ich dich – wie jeden Tag – zur Kita bringen sollte. Dann habe ich dich auch noch festgehalten, wirklich festgehalten. Aber ich tat das nicht, um dich zu ärgern, sondern weil du auf die Straße gelaufen wärst. Im Schlafanzug. Barfuß. Du bist völlig ausgeflippt, hast geschlagen, geschrieen, gewütet. Und ich wusste mir irgendwann auch nicht mehr zu helfen und habe dich angebrüllt.

Es tut mir leid. Ich weiß, du hast es gerade nicht leicht. Mir scheint, als wären die „terrible two“ viel einfacher als die „frustrating four“. Du entdeckst deinem eigenen Willen und bist – zu Recht – frustriert, wenn wir deinem Plan durchkreuzen (müssen). Du hast eine Vorstellung in deinem klugen kleinen Köpfchen und findest es Mega nervig, wenn wir da nicht mitspielen.

Weißt du was? Das kenne ich! Auch ich hasse es, wenn dein Papa meine Gedanken nicht lesen kann und daher Dinge anders macht, als ich es täte. Und auch ich kann dann mit meiner Frustration nur schwer umgehen und grummle herum. 

Ich weiß, du wirst lernen, mit der Wut umzugehen. Du wirst das Konzept „reden“ begreifen und dann nicht mehr mit Steinen werfen. Ich weiß das, weil du bereits heute „gut“ und „böse“ schon ziemlich gut unterscheiden kannst. Nachdem du letzte Woche deinen Papa abends einfach angespuckt hast, weil er dich ins Bett bringen wollte, hast du dich morgens direkt dafür entschuldigt. Du weißt, was geht und was nicht. Und das zeigt mir, dass dein Köpfchen wächst und wir da gemeinsam dran arbeiten werden.

Ich bin bereit mit dir diesen Weg zu gehen. Ich möchte nur nicht hoffen, dass du in zehn Jahren zur l*inksautonomen Szene gehörst und die Steine am 1. Mai wirfst. Dann müssten wir nochmal ernsthaft reden.

Ich liebe dich. So so sehr. 

Deine Mama

Ein Gedanke zu „Mein Schnuffel,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.