Ich bin ein Star, holt’ mich nicht raus!

Ich schließe mich mal meinen Kommilitonen an und blogge meine kleine „Wasserflaschendeckel“- Geschichte. Zum Kontext: Sollten in Textwerkstatt einen kleinen Artikel aus der Sicht eines Gestandes in meiner Tasche schreiben… Ist gar nicht so leicht, sich in seine Handtasche zu versetzen, aber lest selbst:

„Mmmhh, ob ich hier jemals wieder rauskomme? Es ist dunkel und eng. Ich liege unter all den Büchern, Lippenstiften, Taschentüchern und das Schlimmste: die tausend anderen Sachen, die Frauen in ihren Handtaschen haben. Meine Theorie: Die schleppen nur soviel mit sich rum, weil eine kleinere Tasche uncool wäre und die Große gefüllt sein will. Wozu braucht man alte Kassenzettel? Oder „Frau Jenny Treibel“ von Theodor Fontane, wenn man doch nicht zum lesen kommt?…“

Ich bin der wohl tollste Wasserflaschendeckel, den es zur Zeit bei „Aldi“ gibt und nun das. Keiner wird meine Schönheit mehr sehen, weil die Flasche, zu der ich einmal gehörte, wohl schon wieder abgegeben wurde. Ich habe mich irgendwann verabschiedet, bin in den Tiefen der Handtasche verschwunden und suche nach dem Sinn meines Lebens. Eigentlich hatte ich diesen schon gefunden. Aber nun, da das Wasser getrunken und die Flasche nicht mehr gebraucht wurde, musste ich mir ja eine andere Aufgabe suchen.

Das mit der Wiedergeburt habe ich versucht. Nach jedem „Wertstoffkreislauf“ hoffte ich auf etwas Spannendes, Neues, Tolles. Aber ich wurde nie eine Colaflasche, ein Klodeckel oder ähnliches. Es hat sich ausgeträumt. Mein Leben als Wasserflaschendeckel ist alles, was mir bleibt. Grund genug, um dieses nicht gleich wegzuschmeißen. Schnell habe ich nämlich mitbekommen, dass man hier eine Menge erleben kann. Ich fahre durch die Welt, treffe neue Leute und vor allem neue Freunde. Ab und zu kommt ein weiterer Wasserflaschendeckel dazu. Bald haben wir auch das Volleyballteam zusammen. Den Ball haben wir schon organisiert: ein Papierknöllchen.

Ab und zu greift mal eine Hand herein. Dann geht das Licht an und ich fürchte und meine „Wohnerlaubnis“. So richtig gefährlich ist es aber nicht. Meist werden wir nur richtig durchgeschüttelt und dann verschwindet die Hand auch ganz schnell wieder. Wir Deckel haben auch schon einen Plan entwickelt: Wenn zulange gekramt wird, schieben wir das Gesuchte einfach in Richtung Hand. Sonst kommt hier noch irgendwer auf die Idee, auszumisten zu wollen. Vielleicht sollte ich einfach versuchen in eine der Nebentaschen zu gelangen, da gerate ich schnell in Vergessenheit und kann meinen Lebensabend in Ruhe genießen. Lebensabend? Stopp! Ich bin ein Wasserflaschendeckel. Die sterben nicht. Aber da drüben, da würde es mich wahrscheinlich vor langer Weile dahin raffen. Also doch lieber hier bleiben. Volleyball spielen und ab und zu die Gespräche von draußen belauschen. Frauen sind ja so geschwätzig…

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