Der Staat- Chef und Bestimmer

Am Besten die Studiengebühren werden über das Bafög finanziert und die Studenten gehen für ihren Lebensunterhalt arbeiten! Dann lösen sich gleich zwei Probleme: die endlosen Diskussionen über die Gebühren fallen weg und die Hörsäle werden endlich wieder leerer. Ist doch klar, müssen die Studenten kellnern oder bei „McDonald’s“ an der Kasse stehen.

Damit es nicht soweit kommt, machte Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) den Vorschlag die Studiengebühren für die Absolventen zu erlassen, die für mindestens zehn Jahre in Sachsen- Anhalt bleiben. Da fühlte man sich doch glatt 15 Jahre zurück versetzt. Früher konnte man nicht weg, heute kann man es sich nicht leisten. Das Einführen der „Bezahlung für Bildung“ rechtfertigt die Landesregierung damit, man müsse mit den anderen Bundesländen mitziehen. Es kann ja nicht sein, dass nur noch in Sachsen- Anhalt studiert wird, weil es hier kostenlos ist. Diese Ausrede hört man aber auch in anderen Bundesländern. Wo bleibt da der Sozialstaat? Seit wann ist Bildung eine Ware und seit wann darf man mit ihr Bürger in der Wahl ihres Wohnortes einschränken?

Zehn Jahre: Da will schon gut überlegt sein, wohin man zieht. In diesen zehn Jahren wollen die Akademiker vielleicht Familien gründen und langfristig planen. Und schon wieder einmal sind die sozial schwachen Familien die Verlierer: Während der Ärzte- Sohn oder die Manager- Tochter locker ins Ausland gehen oder zumindest ihren Wohnort frei wählen können, sitzen die „Mittelschichtenabsolventen“ in Halle, Köthen oder Stendal und hoffen auf einen Job.

Vielleicht geht es Böhmer aber auch nur um Planungssicherheit: So weiß er aus erster Hand wie viele Absolventen auf „ALG II“ warten.

9 thoughts on “Der Staat- Chef und Bestimmer

  1. Ok, die Idee ist natürlich Blödsinn, ein trauriger Versuch, die Konjunktur in den neuen Bundesländern anzukurbeln und wahrscheinlich alles, was die CDU programmatisch zu bieten hat.
    Aber: Studiengebühren sind sinnvoll und funktionieren, wenn man entsprechende Rahmenbedingungen schafft, etwa zinsgünstige Kredite mit verschiedenen Möglichkeiten der Ratenzahlung. In anderen Ländern klappt’s prima und der Bildung geht’s dort seither besser denn je. Die Liste ist lang. Warum soll studieren gratis sein, wenn ein angehender Lufthansa-Pilot für seine Ausbildung 100000 Euro abdrücken muss? Es geht auch drum, dass man all die Leute, die altägyptische Philologie im 30. Semester studieren endlich mal dran erinnert, ob das, was sie da tun, richtig ist oder ob sie anderen Leuten den Studienplatz wegnehmen wollen. Die Bildung in Deutschland braucht einen kräftigen Tritt in den Arsch und in 10 Jahren spätestens wird sich zeigen, ob die Trottel vom Asta recht behalten haben mit ihrer sinnlosen Anti-Hanltung oder ob es was gebracht hat. Wie gesagt: gute Finanzierungsmodelle und garantierter Rückfluß der Gelder in die Bildung, dann drück ich die 500 pro Monat sogar fast gerne ab. Es geht nicht um Geld, es geht um Zukunft. (scheiße, ich kling auch schon wie ein CDU-Politiker 😉 ). So, jetzt bitte kräftig grillen, hatte die Debatte schon 1000x, werd es auch noch 1001x sagen.

  2. Muahaha, wie geil … wie in alten Zeiten. Da durfte nur studieren, wer staatstreu war – und heute? Da darf nur studieren, wer Bundeslandtreu wird/bleibt … herrlich.

    Die Debatte mit Chuck spare ich mir ganz entspannt …

  3. warum er es dennoch erwähnt? damit er allen zeigen kann, dass er das wort „debatte“ kennt und mich nicht mag, zwei dinge, die mir am arsch vorbeigehn. leute wie michael und deren geistiger output sind zu vernachlässigen. mehr gibt’s von mir nicht mehr dazu, egal, was noch an antworten kommt.
    cheers

    v.

  4. Die Idee von Böhmer ist natürlich nicht mal den Strom für den Reißwolf wert. Im Übrigen bin ich Gebühren-Befürworter, und auch ich habe diese Diskussion schon ausgiebig debattiert. Es steht und fällt alles mit den Finanzierungskonzepten.

    Sicher ist: Die Studenten studieren „bewusster“ und schauen mehr, was Ihnen Ihr Studium bringt. Sprich: Sie werden eher auf Missstände aufmerksam machen bzw. sich gleich eine Uni suchen, die eine gute Ausbildung garantiert. Wie Volker schon sagte: Es klappt in anderen Ländern, selbst in Österreich, wo der Staat anfangs das ganze Geld eingesackt hatte.

    Nur Durchschnitt-Hallodris bei gleicher Bildung für alle

    Natürlich ist nicht alles rosa. Die Studenten, die dann nur an einer drittklassigen Uni unterkommen, wo sich die Lehre überhaupt nicht verbessert hat, obwohl die Studis zahlen, fühlen sich sicherlich verarscht. Anderseits können wir auch nicht lethargisch in diesem Super-Sozialstaat-Denken stecken bleiben. Klar, allen muss die Tür zur Bildung offen stehen (soziale Finanzierungskonzepte), aber es ist unrealistisch, jedem die bestmöglichste Ausbildung garantieren zu wollen; sowohl aber eine Gute. Heißt wir brauchen auch Eliteunis für deutsche Eliten (Wissenschaft, Politik…). Frankreich ist nur ein Land, dass sehr schön zeigt wie das geht.
    Jetzt kommt wieder der Aufschrei: Wie ungerecht. Sicher! Aber es können eben nicht alle maximal gefördert werden. Und eins ist klar: Mit einem Haufen von Durchschnitt-Hallodris wird sich Deutschland in der globalisierten Zukunft nicht behaupten können.

  5. REPLY:
    dem ist so eigentlich nix mehr hinzuzufügen. aus ökonomischer sicht betrachtet absolut korrekt, das sozialsystem genügt den ansprüchen einer globalisierten welt einfach nicht mehr und muss entsprechend reformiert werden. sowas geht nicht ohne entbehrungen, aber diese ewig-deutsche „der staat zahlt schon“-mentalität hat definitiv ausgedient. drauf zu bauen, dass papa staat das schon regelt mit dem erfolg und dem tollen leben ist weltfremd. es geht hier mehrheitlich auch um eigeninitiative.
    über die sache mit den eliten könnten wir allerdings noch debattieren, du alter cdu-ler 😉

    kleine anekdote noch am rande: ein sehr geschätzer freund meinerseits war einer von insgesamt sieben menschen, die bei der vollversammlung in stuttgart für studiengebühren gestimmt haben – per handheben. noch bevor er aus dem saal war, wurden ihm mehrfach prügel angekündigt – selbstverständlich auch von seiten des asta, was zeigt: mit manchen studiengebühr-gegnern muss man sich wirklich nicht auseinandersetzen. diese ganze sache wird oft maßlos überemotionalisiert. in wenigen jahren zahlen wir alle und keiner beschwert sich mehr. mal sehen, was die trottel vom asta sagen, wenn’s dann auch tatsächlich funktioniert (was es tun wird).

  6. Jetzt will ich mich endlich auch mal zu Wort melden… Ist ja erstaunlich, was passiert, wenn man (also ich) mal zwei Tage nicht online ist (bin).

    Thema Studiengebühren: Eigentlich kann ich mich da gar nicht mit reinhängen, weil ich nicht 100%ig informiert bin und ich hasse Menschen, die von Dingen reden, von denen sie nichts verstehen. Die Diskussion mit Chuck würde also für mich eher schlecht ausgehen, weil er mich in Grund und Boden argumentieren würde. Ich weiß nur, dass ich bei dem Thema immer Bauchschmerzen bekomme. Gerade, wenn ich daran denke, dass ich dann nicht nur die Gebühren, sondern auch noch das Bafög zurückzahlen muss…. Und von was ernähre ich dann meine Kinder???

    Zu den Lufthansa- Piloten: Chuck, meinst du nicht, dass es da noch einen kleinen Unterschied gibt? Die bekommen doch danach einen Job, was bei uns ja nicht so sicher ist…

    Jetzt muss ich aber schon wieder los, aber danke, dass ihr so fleißig diskutiert. Jetzt weiß ich, was ich ansprechen muss, um heraus zu finden, wer zu meinen Lesern gehört. 😉

    Gruß, Alisia.

  7. REPLY:
    Also wenn die Jungs in Bremen nach der Ausbildung sofort einen Job bekommen, meld ich mich heute noch an. Gerade im Luftverkehrsbereich wird heute so gut wie niemand mehr direkt übernommen. Hab auch mal dran gedacht, nach Langen zu gehen, liegt zwischen Frankfurt und Darmstadt. Dort ist die DFS (Deutsche Flugsicherung), wenn sie dich nehmen, bekommst du für die Ausbildung sogar Geld, allerdings hat man mir ziemlich schnell klargemacht, dass du nicht übernommen werden wirst, egal, wie gut du bist. „Da musst du dich schon selbst drum kümmern“ etwa. Als Fluglotse hast du dann zwar Einstiegsgehälter im 3000er-Bereich, aber bis dato geht es – wie immer eben – drum, dass du selbst den Arsch hochbekommst.
    Was Studiengebühren betrifft, sollten wir es vielleicht einfach mal abwarten. Die werden kommen und das ist sicher, alle Proteste haben nix gebracht, weil sie entweder zu planlos waren oder Argumente gefehlt haben. Was mich immer genervt hat, war: sobald du irgendwo in irgendnem Forum/Blog/Chat etc auch nur ansatzweise dafür warst, warst du der Arsch, ein Sklave des Systems und was weiß ich noch alles… man sollte sich mal hinsetzen und miteinander reden, statt dauernd dieses „entweder dafür oder dagegen aber nix dazwischen“ zu propagieren.

  8. Wie das Leben so spielt habe ich wirklich einen sehr guten Bekannten, der vor ein paar Tagen seine Ausbildung bei der Lufthansa angefangen hat. Ihn hat das Thema natürlich auch sehr interessiert… Hören wir mal, was er dazu zu sagen hat:

    „Für das was Chuck sich da vorstellt muss er die Unis privatisieren, im Staat werden die Studiengabühren sicherlich NICHT 100%ig der Bildung zugeführt, wär ja noch schöner!

    An Privatschulen ist die Motivation auch ganz anders. Hier ist es so, dass die Lehrer nach Unterrichtsschluss nicht einfach gehn .. sondern die ewarten förmlich dass jmd kommt und eine Frage hat! Auch 3fache wiederholte Erklärungen bringen niemand aus der Ruhe, die wollen dass wir das verstehn, nicht dass die Stunden endlich vorbeigehen un sie wieder ihre kippen im Raucherzimmer fressen können…

    Außerdem zahlen wir das Ausbildungsgeld erst zurück, wenn wir einen Job haben und es sind auch nur ca. 40.920 Euro. 😉

    – Robbz- “

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