Aus dem Leben

Es war ein wunderbarer Morgen: Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten. Es war ihr Morgen, denn heute war ihr Geburtstag. Soviel würde sich ändern und doch würde alles irgendwie gleich bleiben. 18, endlich 18.

Als sie die Augen aufschlug war es schon da. Das gelbe Päckchen lag zwischen den anderen Geschenken und wirkte doch irgendwie verloren. Es kam mit der Post, nicht durch freundschaftliche Hände ins Haus. Es war schon weit gereist, um ihr heute eine Freude zu bereiten. Fragend schaut sie sich um. Von wem ist das? Doch es ist keiner da, der ihr eine Antwort geben kann.

Die Antwort kommt mit dem Öffnen, denn die Geschenke sind so einmalig und doch nichts besonderes. Es sind Sachen, die man zum Geburtstag verschenkt, wenn man das Geburtstagskind nicht kennt. Er kannte sie auch nicht. Nicht persönlich. Die einzige Zeit, die sie mit einander verbrachten war virtuell oder am Telefon. Aber heute war es anders. Zwischen den Sachen lag ein Brief. Vier Seiten voller Glückwünsche und Tiefsinnigkeit.

Sie zog sich zurück, faltete die Seiten auseinander und begann zu lesen. Die Worte standen blau auf weiß vor ihr, aber es war so, als wäre er da. Als würde er ihr sagen, was er vor ein paar Tagen aufgeschrieben hatte. Als könnte sie ihm die Zigarette wegnehmen und selbst daran ziehen. Als könnte sie ihn in den Arm nehmen, obwohl sie das noch nie gemacht hatte. Diese einfach Zeilen verbreiteten Wärme, Verständnis. Verständnis für einen Menschen, den man nicht kannte. Diese Zeilen gaben Halt und Mut und Vertrauen in die Zunkunft. Davon hatte sie nämlich in diesen Tagen zu wenig. Und gerade er, der eigentlich nichts machen konnte, setzte ihre Welt wieder zusammen.

Sie redet heute noch manchmal von ihm. Auch wenn sie schon so lange nichts mehr von ihm gehört hat. Seine Zeilen spenden immer noch Kraft. Und wenn ich sie treffe kann ich spüren, dass er immer noch ein Teil ihres Lebens ist.

2 thoughts on “Aus dem Leben

  1. REPLY:
    War nicht der Papa, denn den durfte ich kennenlernen. War eine Internetbekanntschaft die über eine Entfernung von 600km das geschafft hat, was viel „reale“ Menschen nicht geschafft haben.

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