Ängstlich

„Hiiilllllfffeee!!!“ Da war er wieder: Dieser schmerzverzerrte Schrei. Woher er kam, konnte er nicht orten. Noch nie hatte er einen Menschen so schreien hören. Und doch konnte er nicht erkennen, wo sich die Person befindet.

Er stand auf der Straße, direkt unter einer Laterne. Viel Zeit hatte er nicht mehr, denn wer so verzweifelt um Hilfe schreit, der hat ein echtes Problem.

Aber was sollte er tun? Sein Blick fiel zwischen die alten Fabrikgebäude. In der kleinen Gasse war es dunkel und unheimlich. Weiter vorn konnte er noch die Müllcontainer erkennen, aber was danach kam… Das wusste keiner.

„Arrggghhh“, drang es aus der Dunkelheit. „Verdammt! Tu endlich was!“ sagte die Stimme in seinem Kopf. Ob es seine oder IHRE war, konnte er dabei nicht herausfinden. Er hörte schon seit einiger Zeit Stimmen, die nicht nach ihm klangen. Manchmal sagte die Verkäuferin im Supermarkt Dinge ohne die Lippen zu bewegen oder die Lehrerin betrachtete seinen „Knackarsch“. Dann sah er immer verstohlen zu Boden und wusste nicht, wie er reagieren sollte.

„Toller Superheld bist du! Du kannst das Opfer nicht mal finden, weil du zu feige rüber zu gehen“, sagt er sich selbst und machte den ersten Schritt in Richtung Dunkelheit.

[Das war eine kleine Fingerübung in der Textwerkstatt gestern.] 

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