Repeat

Die Exoten sind wir“ titelte Daniel Rehn vor ca. zwei Wochen in seinem Blog und meinte damit, dass wir Web2.0-affinen PR-Menschen, Digital Natives, whatever ständig in dieser surrealen F*acebookwelt leben. Und das es Menschen gibt, denen diese Welt zumindest teilweise fremd ist. Dass diese Menschen eben nicht zwischen Social Network und Twitter leben.

Immer geht es nur um neue Hypes, Unternehmenspages in irgendwelchen Sozialen Netzwerken, um Twitter und wie Firmen mit all dem Geld verdienen können. Es geht um Nutzerzahlen eben dieser Social Media-Plattformen, Apps, iPhones (mit und ohne Empfang) und die ständigen Diskussionen darum. Zwölf Stunden online am Tag – bisweilen gucke ich relativ irrtiert, wenn jemand sagt, er sei einen Tag nicht online gewesen.

Heute musste ich – berufsbedingt – in alten Agenturunterlagen zum Thema Web2.0 kramen. Das waren Konzepte aus dem Jahr 2008 und – was soll ich sagen – da steht genau das drin, was auch heute von sämtlichen Agenturen über diese surreale F*acebookwelt gesagt wird. Kommuniziert authentisch; geht dahin, wo die User sind; nutzt das Web2.0 für eure Onlinereputation. Und dabei drängt sich mir unweigerlich folgende Frage auf: Wenn Agenturen (ok, mittlerweile ist es JEDE Agentur, früher waren es nur einige) seit zwei Jahren das gleiche Social-Blabla  – heute werden eben nur andere Tools eingebaut – herunter beten, sind dann Unternehmen einfach nur schwer von Begriff? Oder ändert sich diese ach so schnell Online-Welt doch langsamer, als wir es uns immer einreden wollen?

Ich weiß nicht, wie das damals im Web1.0 war. Als jedes Unternehmen plötzlich eine Website haben musste. Ich weiß nicht, ob es damals schon Trillionen von Agenturen gab, die alle das Beste –  aber irgendwie auch das Gleiche – liefern wollten. Aber diese Ganze Web2.0-Blase bewegt sich meiner Meinung nach immer nur um die gleiche Stelle.  Und eigentlich liegt es doch nur daran, dass die, die darüber sprechen eben komplett in dieser Blase stecken. Und deshalb – zumindest habe ich dieses Gefühl – steht alles auf repeat. Das Ganze immer wieder von vorn.

[Aus der Kategorie: Das Leben zwischen Bits und Bytes - 2.0]

4 thoughts on “Repeat

  1. Ich denke nicht, dass die Unternehmen schwer von Begriff sind. Es ist wohl eher eine enorme Verschiebung was das Erkennen von Entwicklungen und Notwendigkeiten angeht, die das Timing von Agenturlern und Firmen ausmacht.

    Wir Webjunkies kriegen alles furchtbar schnell und frühzeitig mit, sind also vor allen anderen in der breiten Masse darauf eingestellt. Bis die selben Entwicklungen auch in großen, starren Unternehmen wahrgenommen werden, ziehen halt ein paar Jahre ins Land, in der man sich zwangsläufig immer um die gleichen Themen dreht.

    Das Ganze erinnert mich immer ein wenig an die Wandertage in der Schule, wenn drei, vier Klassen gemeinsam durch die Gegend zogen.

    Vorne – von einem engagierten Lehrer flankiert – die Supereifrigen und Sportlichen, die aus Freude und Interesse an der Sache/Bewegung förmlich losgaloppiert sind, um alles ganz früh sehen zu können.

    Dann eine Lücke, ehe der größte Pulk aus mehr oder minder interessierten Schülern/Lehrern aufgeschlossen hat, und am Ende die weniger fitten Lehrer und üblichen Trödler, die entweder nur unter Zwang mitkommen oder weil niemand mehr in der Schule ist, mit dem sie sonst reden könnten. Meistens waren sie es dann auch, die, nachdem sich alle gesammelt haben, die weitere Richtung vorgaben.

    Und genau so sehe ich manchmal das Netz. Wir marschieren vorneweg und reden, da wir vorläufig nicht wirklich weiterkommen, solange über das, was gerade vor unserer Nase ist, bis alle es gesehen und verstanden haben und wir weiterziehen können …

  2. Mmmmh, bei Wandertagen habe ich es immer genossen ganz hinten zu laufen und zu gucken, was die anderen so machen. Ich hasse es, langweilig durch die Natur zu trotten – ich guck mir lieber Menschen von hinten an. 😉

    Du kannst schon recht haben. Aber was mich wirklich erstaunt hat war, dass man JAHRE braucht um etwas zu bewegen. So funktioniert das Web aber nicht. Überleg mal, wenn heute alles mit Blogs anfangen würde. Die waren vor Jahren mal ein Hype. Und jetzt rennen alle ganz wirr zu F*acebook, als sei es damit getan. Die Kultur muss sich ändern und mal ehrlich, darüber reden wir erst seit Monaten. Das hat sich dann wahrscheinlich in ein paar Jahren dann erfüllt. Aber egal. Wahrscheinlich bin ich immer noch hinten und beobachte – beide Seiten. 😉

  3. Wenn die Aussicht nett ist und man keine Eile hat, kann es hinten in der Tat ganz nett sein 😉

    (Die nötige) Veränderung braucht eben auch immer eine gewisse Eigenmotivation. Wer nicht alleine aus der Hüfte kommt, der muss angeschoben werden. Und wenn Anschieben nicht reicht, dann wird daraus ein Zerren und keiner mag es, wenn an ihm/ihr herumgezerrt wird. Schlussendlich bewegen wir uns alle irgendwann (und wenn es in getragener Form im Piniensarg passiert) … oO

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