Morgen, Kinder

Morgen früh, kurz nach dem Aufstehen, werde ich kein Türchen aufmachen. Denn ich habe keinen Weihnachtskalender. Während ich schon vor vielen Wochen den Kalender für den Hauptfreund besorgte, den er sich so wünschte, ist meiner nicht fertig geworden. Zuerst log er mir was von „Ist bestellt und kommt – dank Liefertermin – Dienstag bei dir an“, gestern hieß es dann „Okay, ich hab beim Basteln länger gebraucht, kommt aber trotzdem pünktlich“. Heute hieß es dann: „Kommt morgen“. Geliefert an – die Peinlichkeit könnte nicht größer sein – meine Arbeit.

Was der Hauptfreund nicht weiß ist, dass mir Weihnachtskalender nun mal wichtig sind. Weil ich in einem Land geboren wurde, in dem Weihnachtskalender nicht immer kurz vor dem 1. Dezember verfügbar waren. In dem der liebende Papa am Herd stand, um Schokolade zu schmelzen und sie in die Kalender vom Vorjahr zu füllen, weil das Westpaket mit den neuen „verschollen“ ist. [Wir holten es dann einige Wochen nach Neujahr – geöffnet – bei der Post ab.] Denn der Hauptfreund musste nicht die geschmolzene Schokolade mit einem Messer aus dem Plastik brechen, weil sie sich nicht so schön löste, als sei sie original eingefüllt worden. Weihnachtskalender sind ein Stück Kindheit. Ein Stück Luxus. Liebe.

Der Hauptfreund ist eben nicht „von drüben“. Und wird das vermutlich niemals verstehen.

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