Aufgepasst: Kultur!

Das Wochenende haben der Lieblingsbruder und ich beim Hauptfreund im hessischen Outback verbracht. [Naja, eigentlich verbringen wir es noch.] Der Grund war aber diesmal nicht, dass wir die Abgeschiedenheit von sämtlicher Zivilisation [ihr wisst schon: kein Handyempfang, nur 2000er DSL] genießen wollten. Nein, dieses Wochenende stand ganz groß „Kultur“ auf dem Programm.

Das hessische Outback ist nämlich in der Nähe von Bad Hersfeld und dort finden alljährlich die „Bad Hersfelder Festspiele“ statt. Im vergangenen Jahr stand leider nix auf dem Programm, was mich auch nur im entferntesten interessiert hätte, dieses Jahr mussten wir aber hin: Und „Hamlet“ war unsere Wahl. Bisher hatte ich schon einige Stücke von Shakespeare auf deutschen Theaterbühnen gesehen, von denen ich nur teilweise begeistert war. Immer wieder denke ich verstört an „Ein Sommernachtstraum“ in Leipzig zurück, an dessen Ende Titania halbnackt (Bodypainting) auf der Bühne stand und „King of the Bongo“ von Manu Chao sang. Oder „MacBeth“ als Tanzspiel in Darmstadt, bei dem höchsten 8 Schauspieler ALLE Rollen spielten, sodass auch die tote Lady MacBeth irgendwann wieder vor dem Vorhang auftauchte. Sehr verwirrend, wenn man bedenkt, dass es ein Tanzspiel war und niemand auch nur ein Wort sagte… Einzig „Hamlet“ in Meiningen kam meiner Vorstellung des Stücks am nächsten – ich war begeistert. Aber genau aus diesem Grund – der sagen wir, eher mittelmäßigen Erfahrungen – betrat ich gestern die Stiftruine in Bad Hersfeld mit eher gemischten Gefühlen.

Die Bedenken waren aber völlig unbegründet. Das Stück wurde zwar in die heutige Zeit eingebunden, die Schauspieler standen in teilweise sehr stylischen Klamotten auf der Bühne, aber der „Geist des Stücks“ ist dabei in keinster Weise flöten gegangen. Die Dialoge wurden nur sehr spärlich angepasst und ich hatte keineswegs das Gefühl, Herr Shakespeare würde sich im Grab umdrehen, wenn er nicht schon längst zu Staub zerfallen wäre. Die Leistung der Schauspieler – und ich spreche hier von allen Darstellern, nicht nur von dem gradiosen Bastian Semm als Hamlet – war toll, das Bühnenbild (und ja, da wirkt natürlich auch die Kulisse der Stiftsruine mit) war perfekt. Es war einfach toll, toll, toll.

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