Danke, AOK. Not.

Vor acht Tagen wurden der Hauptfreund und ich in das Büro der Oberärztin in der Kinderklinik der MHH gebeten. Es ging um die Impfung, die der kleine Prinz noch stationär erhalten sollte [das ist bei Frühchen durchaus normal] und um seine Entlassung. Kurz stockte mir der Atmen, schließlich hatte ich das Wort „Entlassung“ aus meinem Wortschatz verbannt. Zu ätzend war es, immer wieder erklären zu müssen, dass er eben zu klein und zu krank ist, um an ein Nachhausekommen zu denken. Schließlich hat der kleine Prinz immer noch Sauerstoffbedarf.

Dennoch wurde uns vor acht Tagen eröffnet, dass wir ihn – sofern er die Impfung gut verträgt und nichts unvorhergesehenes passiert – mit nach Hause nehmen dürfen. Nach der Impfung, in ca. zwei Wochen. Allerdings mit Sauerstoff. Wir werden also einen Eisenbehälter mit 45l Sauerstoff in den fünften Stock geliefert bekommen. Wir bekommen einen tragbaren Behälter für kurze Ausflüge und wir bekommen einen Monitor, der die Sauerstoffsättigung des kleinen Prinzen durchweg überwacht. Zu Hause, so sagte es die Oberärztin, wird es ihm besser gehen und bis auf den Sauerstoff gibt es nix, was ihn in der Klinik halten könnte.

Zuerst musste ich diese Nachricht schlucken. Sauerstoff, zu Hause, ohne geschultes Personal, Sensorenwechsel, Sättigungsabfälle, Apnoen… OMG Aber je mehr Tage ins Land gingen, je mehr wir selbst in der Klinik machen konnten (bspw. ebendiese Sensorenwechsel etc), je mehr wuchs auch die Vorfreude, den kleinen Schatz endlich mit nach Hause zu nehmen. Ihn in sein Bettchen zu legen. Ihn immer bei uns zu haben. Und nachdem er auch die Impfung ganz prima weggesteckt hatte – keine Atmenaussetzer! – waren wir uns sicher, dass es so lange nicht mehr dauern kann.

Bereits gestern deutete die Oberärztin jedoch an, dass es mit dem Sauerstoffbehälter und dem fünften Stock (80 Stufen, ohne Fahrstuhl) kleine Problemchen geben könnte. Man müssen halt mal überlegen, wie das Ding hier hoch gewuchtet werden kann. Aber so kompliziert kann das ja nicht sein. Heute bekamen wir dann die nächste Info: Es liegt nicht am fünften Stock, es liegt an meiner Krankenkasse. Die grandiose AOK Sachen-Anhalt diskutiert nun anscheinend, ob es denn wirklich notwenig ist, das Kind mit Sauerstoff zu entlassen. Ob die Geräte, der Monitor etc. nicht etwas teuer (weil genauer etc) sind. Ob das wirklich sein muss…

Und ich frage mich einmal mehr, wie sich dieser Verein als „Gesundheitskasse“ bezeichnen kann. Ist es nicht viel gesünder, zu Hause, bei den liebenden Eltern zu sein sein, als sich im Krankenhaus noch einen Keim einzufangen? Ist es für uns als Eltern nicht seelisch weniger belastend, wenn wir zwar den kleinen Prinz mit Sauerstoff, aber eben zu Hause haben? Wenn wir endlich das Elternsein das erste Mal seit 68 Tagen genießen könnten?! Da nicht absehbar ist, wie lange er noch den Sauerstoff benötigt, wäre auch der Krankenhausaufenthalt auf unbestimmte Zeit. Und klar, so ein Tag auf der Kinderintensiv kostet sicher viel weniger, als die Geräte für zu Hause. Danke, AOK. Not.

edit Das okay ist da. Jetzt kann der Sauerstoff geliefert werden. Dann bekommen wir eine Einweisung in den Monitor und eine Anleitung in Baby Reanimation und dann kanns losgehen.

5 thoughts on “Danke, AOK. Not.

  1. Immer diese bürokratischen Helden der Schreibtische! Und mal abgesehen davon, dass es dem kleinen Prinzen zuhause bestimmt emotional besser geht: Der Krankenhausaufenthalt (mit Ausstattung, Personal etc. pp.) kann doch im Endeffekt gar nicht günstiger sein, als die Geräte für eine Weile nach Hause auszuleihen, wo ihr Euch als Eltern vollkommen kostenlos und aufopfernd um ihn kümmert.

  2. Tja, das versteht ja keiner. Die Ärztin meinte, meist geht es nur darum, welche Kostenstelle das trägt. Da sagt eben die Kostenstelle für ambulante Pflege: Nö, is zu teuer. Sieht aber nicht, was es derzeit schon kostet. Außerdem werden Krankenhaustage auch irgendwann wieder günstiger… Wusste ich bisher auch nicht. 😐

  3. Was Frau zeitlos sagt! Die stationäre Pflege wird sicherlich nicht günstiger sein. Dieses Bürokratie-Hickhack zu lasten des kleines Prinzen finde ich unter aller Sau!

    Gesundheitskasse. Pff!

  4. Die schieben gerade wohl die Zuständigkeiten zwischen Magdeburg und Stendal schön hin und her. Aber jetzt liegt es bei der Ärztin, die sich den Antrag hoffentlich noch heute zu Gemüte führt und das „okay“ gibt. Dann können die Sachen bestellt werden und der kleine Prinz kann nach Hause kommen.

    Im Anschluss werde ich die Krankenkasse wechseln. Basta.

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