Comin‘ home

70 Tage. 70 lange und mal mehr, mal weniger aufreibende Tage verbrachte der kleine Prinz auf der Station 69 der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover. Davor lagen wir gemeinsam noch über einen Monat auf Station 84. Gestern kam der kleine Prinz endlich nach Hause.

Es war eine Zeit voller Hoffen und Bangen. Ich habe mehr als einmal heulend an seinem Bettchen gesessen und das Schlimmste vermutet – obwohl es aus medizinischer Sicht niemals so aussah. Aber ich habe auch meinen Sohn kämpfen sehen. Ich habe gesehen, wie sich dieses winzige Würmchen von 1.330g auf krasse 3.180g hochfuttert. Ich habe gesehen, wie er immer besser atmet. Ich habe gesehen wie er groß wird.

Für über 100 Tage ist die MHH mein „Zuhause“ geworden. Ich habe viele Menschen und ihre Geschichten kennengelernt, die mich prägten. Die Sicht auf die Welt hat sich nicht nur mit der Geburt des kleinen Prinz, sondern auch wegen der Umstände geändert. Ich habe nicht zu Gott gefunden – genauer gesagt, fragte ich mich des Öfteren, warum „Gott“ (insofern es ihn gibt) so etwas zulässt: Nicht nur unser Schicksal, denn auf der Station 69 – und in der ganzen Kinderklinik – liegen Kinder, die weitaus kränker sind als es mein Sohn je war. Ich verstehe nicht, warum so kleine Menschen diese Prüfungen bestehen müssen. Aber ich bin dankbar. Für jeden Tag, jede Minute, die ich mit dem kleinen Prinz verbringen darf. Für die Menschen, die ich in dieser Zeit kennenlernen durfte und den Beistand, den ich dadurch erfahren habe. In den vergangenen 70 Tagen haben die Ärzte und Schwestern der Station 69 alles für das Leben meines Kindes getan. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Oberärztin Frau Dr. B. sagte einmal, dass Ärzte auch keine Götter sein. Das sie nur damit arbeiten können, was ihnen die Kinder zeigen. Und wenn diese Kinder eben leben wollen, dann können die Ärzte nur unterstützen. Ärzte sind vielleicht keine Götter, aber Engel, die unseren Sohn auf seinem harten Weg schützend zur Seite standen. Damit kann ich nur die Zeilen zitieren, die vor dem Büro von Frau Dr. B. an einer Pinnwand hängen. Sinngemäß steht da: Engel haben keine Fügel, sie tragen Blau und arbeiten auf der Frühchenintensiv der MHH.

Der kleine Prinz wurde bei 27+6 SSW geboren. Zwölf Wochen und einen Tag vor seinem eigentlichen Termin. Er hat sich in dieses Leben gekämpft wie ein Löwe und hat seinen Willen bei uns zu sein, unter Beweis gestellt. Dafür bin ich ihm so unendlich dankbar. Dieses kleine Wesen bereichtert unser Leben so sehr, das ich es nicht in Worte fassen kann. Und jetzt kann das Leben mit ihm endlich los gehen. ♥♥♥

5 thoughts on “Comin‘ home

  1. Es ist schon Wahnsinn, welche medizinischen Möglichkeiten man heute hat. Ich freue mich sehr für dich und kann sehr gut verstehen, wie du dich fühlst und wie dankbar du bist. Ich hatte leider nicht so viel Glück. Um so mehr kann ich nachempfinden, wie sehr du an deinem kleinen Prinzen hängst. Nachdem ich nach mehreren Rückschlägen und 12 Jahre nach meiner Tochter, noch einmal das Wunder erleben durfte, ist meine Beziehung zu meinem Sohn ebenfalls eine ganz besondere. Diese tiefe Dankbarkeit, die man empfindet, wenn man sen Kind ansieht.

    Es ist eben keine Selbstverständlichkeit…viele vergessen das, wenn sie keinerlei Probleme in ihren Schwangerschaften haben. Doch es ist ein Geschenk und letztendlich nur geliehen. Ein kleines Wesen, das auf uns angewiesen ist, bis es selbst in der Lage ist, sein Leben in die Hand zu nehmen.

    Mein kleiner Prinz wird in ein paar Tagen schon 9 Jahre alt und die Zeit fliegt so schnell davon….Darum genieße ich jeden Tag, den meine Kinder mein Leben bereichern. Meine Große wird bald 21 und geht ihre eigenen Wege, an denen ich aber noch teilhaben darf.

    Ich wünsche dir und deiner kleinen Familie von ganzem Herzen viel Glück, Zufriedenheit und Gesundheit. Genießt eure gemeinsame Zeit, so lange sie eben dauert.

    Liebste Grüße,

    Kerstin

  2. Ich freue mich wahnsinnig für euch, dass ihr euren kleinen Kämpfer endlich nach hause holen könnt.

    Was für ein Segen, dass es die heutige Medizin gibt.

    Ich wünsche euch nun erstmal ganz viel Ruhe und Erholung zuhause. Und eine aufregende (und gesunde) Zeit.

  3. wie wunderbar – endlich ist es soweit. ich wünsche euch einen großartigen start in euer neues leben zu dritt. schicke dem kleinen prinzen eine streicheleinheit!

  4. Puh, ich bin so erleichtert, zu hören, dass ihr den kleinen Prinzen endlich nach Hause holen konntet. Auch wenn du das nicht mitbekommen konntest, ich habe mit dir gehofft und gebangt – jetzt wünsche ich euch alles Gute zu dritt.

  5. Bin heute durch Zufall auf dieses Blog gekommen und habe mir auch ein paar der älteren Beiträge durchgelesen. Ich kann Dein Gefühl der Dankbarkeit sehr gut verstehen. Die Situation ist natürlich nicht annähernd vergleichbar, aber ich war selbst mit unserem kleinen Wunder nur wenige Tage nach der Geburt wg. einer viralen Bronchitis in der Kinderklinik. Ich weiß deshalb, wie hilflos man sich fühlt, wenn man da am Bett seines Babys wacht und eigentlich gar nichts tun kann, außer eben Nähe zu spenden. Und ich kenne auch das Alarm-Geräusch eines Sauerstoffüberwachungsgerätes sehr gut und weiß, wie schlimm das sein kann, wenn das Ding alle 5 Minuten losgeht. Dazu die ganzen Geräte, Kabel und Schläuche, die nicht nur ganz furchtbar aussehen, sondern (beim Stillen, Wickeln, Rumtragen) auch noch unheimlich hinderlich. Zum Glück war es bei uns nur ein sehr hartnäckiger Infekt und im Nachhinein betrachtet auch keine lebensbedrohliche Situation. Aber an dieses Alarmgeräusch und an die Hilflosigkeit erinnere ich mich immer noch, als wäre es gestern gewesen…
    Jedenfalls freut es mich sehr zu lesen, dass der kleinen Prinz nun endlich zuhause angekommen ist und wünsche Euch, dass Ihr nach all den Sorgen und Strapazen jetzt ein richtiges Familienleben genießen könnt!

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