Nächtliches. Grübeln.

Gerstern, als der Hauptfreund noch den kleinen Prinz in den Schlaf wiegte und das eine oder andere Bäuerchen aus ihm rausholte, nutzte ich die Zeit, um mal wieder vor dem Schlafengehen zu lesen. Da ich derzeit aber kein neues Buch anfangen will (für das letzte habe ich sagenhafte drei Monate gebraucht), entschied ich mich für mein Handy und Blogs. Und dieser Beitrag lies mich die ganze Nacht grübeln. Nicht, dass ich die ganze Nacht wach gelegen hätte. Aber nach den drei Stunden Schlaf, die uns der kleine Prinz derzeit gönnt, war es wieder präsent. So präsent, dass ich den Text dem Hauptfreund so gegen halb drei Uhr morgens vorgelesen habe.

Unterbewusst habe ich nämlich die ganze Zeit überlegt, wie ich reagieren würde, wäre der kleine Prinz schon im Kindergarten und hätte das „auszustehen“. Und ich erinnerte mich an meine eigene Kindheit, in der es Frau G., unsere Lieblingskindergärnterin, gab. Aber eben auch Frau S., von der ich immer dachte und – sorry – hoffte, sie würde aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters eh bald das Zeitliche segnen. Selbst Jahre nach meiner Kindergartenzeit, ich war bestimmt schon in der sechsten oder siebten Klasse, dachte ich nur „die lebt ja immer noch“, als ich Frau S. auf der Straße sah.

Ich finde, wenn jemand den Raum betritt, dann sollte derjenige grüßen. Ich finde aber auch, dass die Anwesenden dann kurz ihre Gespräche unterbrechen (und dabei ist es völlig egal, ob es Erwachsene oder Kinder oder wer auch immer sind) und den Gruß erwiedern. Gerade, wenn man weiß, dass jemand den Raum betritt, den der Gruß aufgrund seiner Schüchternheit echt Überwindung kostet. Ich habe heute noch Probleme, in einem Raum voller (fremder) Menschen ein lautes und vorallem selbstsicheres „Hallo“ zu sagen. Viele, die mich kennen, werden jetzt vielleicht den Kopf schütteln. Manche, die mich sehr gut kennen, wissen das. Mein Schweigen und distanziertes Verhalten ist dabei nicht Arroganz, sondern schlicht und einfach Unsicherheit.

Andere können das natürlich nicht wissen. Aber dennoch verletzte es mich, als mir vor Jahren eine Freundin erzählte, ihre Eltern wären der Meinung, ich könnte nicht einmal richtig Danke sagen. Dabei war es keine Undankbarkeit, sondern einfach nur „Angst“ davor sie direkt anzusprechen. Deshalb war es mir lange unangenehm die Eltern meiner längsten Freundin nicht mehr mit Herr und Frau B., sondern mit W. und S. anzusprechen. Deshalb finde ich, dass ein Kind nicht fünf mal „Guten Morgen“ sagen muss, nur um trotzdem ignoriert zu werden.

Liebe Mama Miez, ich bewundere Sie für Ihre Selbstbeherrschung und die Souveränität, das Gespräch zu suchen. Mein erstes Gefühl nach diesem Text war „Kindergarten wechseln“ und ich hätte Frau Schmitz sicher das eine oder andere „Haben Sie eigentlich noch alle Latten am Zaun?!“ entgegen gesetzt. Ich wünsche Ihnen alle Kraft und Ruhe der Welt, um die Situation für sich und vor allem für den Quietschbeu zu klären. Sie schaffen das. Ganz sicher.

One thought on “Nächtliches. Grübeln.

  1. Mir ging es ganz ähnlich wie dir – der Beitrag hat mich einfach nicht losgelassen und ich war und bin immer noch unendlich traurig ob einer solchen Ignoranz.

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