Geschwister

„Beim ersten Kind macht man auch noch viel mehr Tamtam.“

Dieser Satz stammt aus der Feder von Frau Blümel und ist per DM in meinem Postfach gelandet. Damit hat sie auf den Punkt gebracht, was mir schon seit einigen Wochen durch den Kopf geht.

Ich liebe meinen Bruder. Sehr. Schon immer, auch wenn ich das vor zwanzig Jahren noch vehement abgestritten hätte. Ich bin nämlich die Ältere von uns beiden. Nicht die Älteste insgesamt, aber mit unseren großen Geschwistern haben wir als Nachzügler nie zusammen gewohnt. Früher, da dachte ich immer, dass die Erstgeborenen immer die A*-Karte gezogen haben. Ständig müssen sie zurückstecken, helfen, verstehen. Der Kleine kann das noch nicht. Der Kleine muss doch noch. Der Kleine. Der Kleine.

Ich habe es gehasst. Während ich Dinge können musste, wurde meinem Bruder geholfen. Während ich kritisiert wurde, wurde mein Bruder in Schutz genommen. Das kann zum einen an unserer Mutter liegen. Das will ich auch gar nicht abstreiten. Aber natürlich muss man den Jüngeren unterstützen, das sehe ich mittlerweile ein. Aber als Kind wünscht man sich dann doch das eine oder andere Mal, als Einzelkind aufzuwachsen. Die Aufmerksamkeit der Eltern nicht teilen müssen. Nicht verglichen werden.

Seit ich den kleinen Prinz zu Hause habe, denke ich etwas anders darüber. Es gibt Momente, da sitze ich vor seinem Bettchen und schaue ihn einfach nur an. Momente, in denen ich ihn im Arm halte und einfach nichts tue. Nur dieses kleine Wesen kuscheln, riechen, genießen. Meine ganze Aufmerksamkeit und Energie gehört derzeit diesem 52cm kleinen Wesen – exklusiv. Ich schreibe Tagebuch, schieße Fotos, sammle jeden Schnipsel in einer Kiste, die er später bekommen wird. Wenn ich mich erst – wie beispielsweise heute – um 14Uhr unter die Dusche stelle und danach anziehe, weil der kleine Prinz den ganzen Vormittag lieber auf meinem Arm verbringt, dann ist das eben so. Wir kuscheln. Wir huscheln. Wir puscheln.

So versuche ich jede Minute zu genießen, alles rund um den Babyschatz aufzusaugen. So, wie ich es auch während der Schwangerschaft gemacht habe. Wie habe ich diese Zeit genossen. Und wie sehr trauere ich immer noch der Tatsache nach, dass ich kein dickes Walross geworden bin. Denn bei einem bin ich mir sicher, falls es ein Geschwisterchen geben sollte, dann werde ich dafür lange nicht die Zeit haben.

Und schon sind wir am Knackpunkt: Als Kind dachte ich immer, dass die jüngeren Geschwister viel mehr geliebt werden. Weil ihnen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Weil sie nicht alles allein machen müssen. In Wahrheit hat Mama oder Papa aber gar nicht die Zeit, die ganze Aufmerksamkeit – wie noch beim ersten Kind – nur auf dieses winzige Wesen zu lenken. Weil ja auch noch ein „Großes“ da ist, was Aufmerksamkeit einfordert. Und schon denke ich, dass die kleinen Geschwister doch nicht immer besser dran sind, denn sie müssen auf eins verzichten: Exklusivzeit mit Mama und/ oder Papa. So hab ich das bisher aber nie gesehen.

2 thoughts on “Geschwister

  1. und es gibt sie doch, die Exclusivzeit mit dem Zweiten – wenn der erste im Kindergarten ist. Und ich habe sie viel bewusster genossen als beim ERsten, denn da war das selbstverständlich für mich, nur für ihn da zu sein.
    Wie es jetzt dann beim Dritten wird – wir werden es sehen – aber wenn es läuft wie geplant, dann hat auch der nächste Untermieter seine Exclusivzeit

  2. Okay… Aber irgendwie nimmt man die erste Schwangerschaft doch auch noch anders wahr, oder? Also, ich kenn mich da nicht so aus. Aber da is noch alles neu, anders. Ich kenne Geschichten, da ist die werdende Mama beim dritten Kind mal schnell selbst mit Wehen ins Krankenhaus gefahren, damit Papa bei den anderen beiden bleiben kann. Beim ersten Kind hätte man da doch nen Herzkasper bekommen, oder?

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