Von Muttergefühlen.

Niemals. Niemals hätte ich auch nur ansatzweise erwartet, was dieses Muttersein mit mir machen würde. Liebe? Kenn ich. Liebe? Kann ich. Zumindest dachte ich das immer. Jetzt weiß ich, dass diese Liebe – die Liebe zum eigenen Kind – ganz anders ist. Noch nie, niemals habe ich einen Menschen so geliebt wie den kleinen Prinz. Nicht meinen Bruder, nicht meinen Vater, nicht einmal den Hauptfreund. Alle diese Menschen sind so wichtig für mich. Und ich liebe sie zweifellos. Aber die Liebe, die ich seit dem 29. Oktober empfinde – und die seit diesem Tag stetig wächst – diese Liebe sprengt alles.

Dabei war es nicht vom ersten Augenblick so. Als ich den Test machte und klar war, dass da ein kleines Etwas in meinem Bauch wächst, war sofort klar: Kein Alkohol, keine Zigaretten, schonen. Ich habe alles für das Ungeborene getan, aber Liebe? Ich weiß nicht. Dann landete ich in der MHH und wusste, wenn ich jetzt nicht wirklich die Bettruhe einhalte, dann wird es dieser kleine Mensch in meinem Bauch nicht schaffen. Und doch dachte ich, wenn es absolute Bettruhe ohne wenn und aber wird, werde ich das nicht durchhalten. Dann lag ich da fünf Wochen (es war ja nur eingeschränkte Bettruhe) und ehrlich, ich hätte auch die letzten zwölf Wochen noch in Zimmer 22 verbracht. Ohne mit der Wimper zu zucken. Weil ich wusste, dass es die einzige Chance für mein Kind ist und das ja nun weiß Gott kein großes Opfer ist… [Später erfuhr ich von den Oberärzten der Kinderintensiv, dass sie sehr oft auf Station 84 rumhängen und uneinsichtigen Müttern erklären müssen, dass jeder Tag im Bauch gold wert ist. Ich verstehs nicht. Weder vor, noch nach dieser Geschichte. Wenn es einen Weg gegeben hätte – und ich hätte mir auch jeden Tag diese Hammer C*ortisonspritze verpassen lassen – nur, um es annähernd an die 40+0 zu schaffen, ich hätte es getan.] Vielleicht sind das schon Muttergefühle gewesen. Ich weiß es nicht.

Als der kleine Prinz dann geboren war und auf der Kinderintensiv lag, da liebte ich ihn. Obwohl ich ihn nach der Geburt nicht auf der Brust hatte. Obwohl ich meinen Sohn erst am nächsten Tag sehen konnte. Ich liebte dieses winzige Wesen und hätte ihm so gern all die Schmerzen abgenommen. Ich wollte nicht aus dem Krankenhaus entlassen werden und ihn zurück lassen. Ich wollte am Liebsten immer nur an seinem Bettchen sitzen und wir wurden abends oft erst aus dem Zimmer „geschmissen“, als die Nachtschwerstern zur Übergabe kamen. Irgendwann in dieser Zeit habe ich in der Elternrunde einmal gesagt, dass ich mich gar nicht wie eine Mama fühle. Das ich dieses Kind liebe und mich um es sorge, aber dass ich mir nicht sicher bin, ob das Muttergefühle sind. Sie waren es. Wenn auch erst in Ansätzen, weil ich den kleinen Prinz erst kennenlernen musste. Aber niemals gab es einen Tag, an dem ich nicht ins Krankenhaus gefahren wäre (und ja, es gab Kinder, die zwei Wochen von ihren Eltern nicht besucht wurden – fragen Sie nicht!). Es hab keine Diskussion, was wir Heiligabend machen würden: Natürlich, wie jeden Tag, bis 20Uhr am Bettchen des kleinen Prinzen sitzen. Und dann schweren Herzens irgendwann nach Hause fahren. Müssen.

Und jetzt ist er zu Hause. Seit drei Monaten. Und ich liebe ihn mit jeden Tag, jeder Stunde, jeder Minute ein kleines Stück mehr. Ich genieße die Zeit und möchte ihn nie, niemals wieder hergeben. Ich richte mein Leben nur noch auf die fünfeinhalb Kilo aus und mache das gern. Ich stehe nachts alle eineinhalb Stunden auf und mache das gern. Das sind Muttergefühle. Und sie sind so überwältigend, wie ich es nie geglaubt hätte. Wie ich es nicht annähernd in Worte fassen kann. Hammer. Ich sags Ihnen.

7 thoughts on “Von Muttergefühlen.

  1. GENAU. Ganz genau so ist das. Nach der Geburt unseres großen Sohnes habe ich echt ein bissl an mir gezweifelt und meine Mutter gefragt ob diese, so fast schon unheimlichen, Gefühle normal sind. Sie lachte nur.
    Du hast das hier ganz wunderbar formuliert. Danke.
    Laudi2

  2. Ohja,… und auch Ihr werdet irgendwann das Alter erreichen in dem diese Muttergefühle mitunter ganz schön auf die Probe gestellt werden 😉

  3. Das hast du sehr schön geschrieben! Unsere Kleine war 4 Wochen im Brutkasten. Wenn man gemeinsam so eine schwere Zeit durchgemacht hat, dann schweißt das noch mehr zusammen.

    Liebe Grüße Karin

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