Routine

Eigentlich wollte ich einen Blogbeitrag darüber verfassen, dass es der Prinz hasst zu verreisen. Vergangenes Wochenende waren wir nämlich in meiner Heimat und haben vier Tage bei der Omi des Prinzen verbracht. Die ersten zwei Tage ging es noch, aber ich merkte sofort, dass er anders war. Nicht so fröhlich. Weinerlicher. Anstrengender. Ich schob es jedoch auf unsere angeschlagene Gesundheit. Mich hatte es am Samstag vor Muttertag schließlich mit Fieber, Schnupfen, Husten etc. dahingerafft und auch der Prinz hat – gottseidank nur – einen Schnupfen abbekommen. Auch der Hauptfreund war krank, sodass wir ein fulminates Trio abgaben: Alle angeschlagen und keiner hatte richtig Bock zu irgendwas. Es war für mich also klar, dass der Prinz nicht der gewohnte Sonnenschein sein kann. Ich war es ja auch nicht.

Das Wochenende endete jedoch mit einem fiesen Heul- und Mecker-Marathon auf der prinz’schen Seite. Das ganze ging mir sehr an die Substanz, hatte ich ja nun auch noch mit Husten und Schnupfen zu kämpfen. Die Aussicht, dass der Prinz und ich allein nach Hannover zurückfahren und eine weitere Singlewoche vor uns liegt, kam mir unschaffbar vor. Bis kurz vor Abfahrt unseres Zuges überlegten wir ernsthaft, ob der Hauptfreund den 300km Umweg auf sich nehmen sollte, um wenigstens in der Nacht von Sonntag auf Montag da sein zu können. Unsere Vernunft stimmte aber dagegen und so machten wir uns allein auf den Heimweg.

Schon im Zug entspannte sich die Lage enorm. Der Prinz schlief in der Manduca und was das pflegeleichte Kind, das ich eigentlich kenne. Gegen Ende der Reise war es nochmal ein bisschen grenzwertig, aber da saßen wir auch schon drei Stunden im IC und mussten bei 28°C auch noch mit dem Bus nach Hause. Kaum betraten wir jedoch unsere Wohnung, hatte ich das Gefühl, dem Prinz fällt ein großer Stein vom Herzen. Mit einem Mal ist er Zucker und lacht mich breit an. Der Abend war as entspannt as he could be.

Letzte Woche waren wir wieder für eine Übernachtung außer Haus. Diesmal bei der prinz’schen Cousine. Eigentlich war alles prima, aber gegen Abend wurde er sehr ungehalten. Am folgenden Tag wollten wir dann noch seine Tante besuchen und den Tag in ihrem Garten verbringen. Aber schon auf dem Weg zu ihr brüllte der Herr Prinz das Auto zusammen. Bei meiner Schwester angekommen wurde es auch nicht wirklich besser. Er war unleidlich, nölig und am liebsten auf meinem Arm. Stillen ging auch immer, aber ansonsten wollte er nichts sehen und hören. Wieder hatte ich latente Panik vor dem Heimweg – schließlich hatten wir noch 50 Minuten S-Bahn vor uns. Aber auch hier war es ein Wunder: Kaum betraten wir die S-Bahn, schloss der Prinz die Augen und machte sie erst in Hannover wieder auf. Zuhause dann wieder totale Entspannung. Relaxtes ins Bett bringen. Nach ein bisschen leichtem Schimpfen seeliges schlafen.

Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Der Prinz verreist einfach nicht gern. Er liebt sein zu Hause. Er mag es, wenn er den Tagesablauf kennt. Wenn er weiß, was auf ihn zukommt. Dass er seine Regeln braucht haben der Hauptfreund und ich erst heute wieder gesehen. Heute durfte ich nämlich mal bis acht Uhr schlafen und der Papa kümmerte sich um den Babyschatz. Aber natürlich machte er einiges anders und das spätere Frühstück brachte auch einiges durcheinander. Es folgten prinz’sche Beschwerden und Motzen. Und es wurde erst besser, als wir den alten Trott wiedergefunden hatten. Am Nachmittag war er nämlich wieder Zucker. Kandis. Ganz große Stückchen.

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