24/5

Es ist ein Phänomen: Sobald der Hauptfreund (oder ja, mittlerweile der Erstmann 😉 am Wochenende bei uns ist, falle ich nachts in Tiefschlaf. Das ist unter der Woche anders. Bin ich mit dem Prinz allein, scheine ich das mit dem Stand-by-Schlafen besser hinzubekommen. Ich wache nachts leichter auf, das Stillen reißt mich nicht aus den wirrsten Träumen und auch am morgen – so gegen 6 Uhr – bin ich wacher, frischer und bereiter mit dem Prinz aufzustehen. Schläft jedoch der Hauptfreund neben mir, habe ich das Gefühl, nachts nichts mitzubekommen. Er muss mich wecken, damit der Prinz seinen Mitternachtssnack einnehmen kann. Ich bekomme einfach das prinz’sche Brabbeln, was wenig später auch zum Weinen wird, einfach nicht mit. So, als wüsste mein Körper: Ey, da is jemand, du kannst dich mal ausschlafen!

Auf der einen Seite ist das schön. Es fühlt sich annähernd wie durchschlafen an. Und weil das ja auch nur am Wochenende vorkommt, habe ich ein nur mäßig schlechtes Gewissen, den Hauptfreund trotz Nachtschicht in den Tag zu schicken. Am Montag hat er noch zwei Stunden „Erholung“ im Zug und am Wochenende arbeitet er ja nicht. 😉 Aber für mich ist das echt komisch: Am Morgen bin ich erstmal wie gerädert, weil ich von den beiden trotzdem spätestens 20 vor 7 geweckt werde. Entweder hat der Prinz Hunger oder die beiden wissen nicht mehr, was sie noch machen/ spielen/ angucken sollen. Ich bin dann aber noch im Urlaubsmodus und wer bitte steht im Urlaub freiwillig noch vor 7 auf? Und zum anderen ist unser ganzer Tagesablauf dann schon durcheinander. Weil der Prinz und ich in ebendiesen 40 Minuten schon Sachen machen. Weil diese 40 Minuten einfach dazu gehören. Und ich sie nun verpasse.

Das führt widerrum dazu, dass ich latent frustiert bin. (Ich weiß, das is völlig bescheuert. Is aber so.) Frustriert, weil der Hauptfreund eben Dinge anders macht als ich. Weil der Prinz dadurch einen kleinwenig anderen Start in den Tag hatte. Bescheuert, ich sags ja. Aber das führt auch dazu, dass der Hauptfreund und ich uns dann latent annerven. So wie letzten Samstag, als wir uns gegenseitig einfach nichts recht machen konnten. Er geht ins Wochenende mit der Einstellung „Wir sind ja zu zweit, wir werden das Kind schon schaukeln“ und ich gehe ins Wochenende mit „Welcher Tag ist heute nochmal? Egal, es ist eh jeder Tag gleich“. Ist es aber nicht, wenn hier noch eine Person mit rumwuselt, die unseren normalen Tagesablauf gar nicht kennen kann. Und von der ich nach sehr anstrengenden Wochen auch mal unterbewusst erwartete, dass sie sich den Prinz schnappt und mir mal eine, zwei Stunden Pause gönnt. Macht sie aber nicht, weil wir das kurze Wochenende ja auch gern als Familie – also zu dritt – verbringen wollen. Verzwickt.

Zudem habe ich festgestellt, dass ich unter der Woche einfach funktioniere. Da werde ich nicht „müde“ oder „genervt“. (Also müde bin ich meist die ganze Zeit, aber dann kommt es eben schon mal vor, dass ich mit dem Prinz gegen 18.30Uhr ins Bett gehe.) Die krasse Müdigkeit kommt erst am Freitagnachmittag. Wenn ich weiß, dass ich bald nicht mehr allein bin und jemand den Prinz anstatt meiner schuckeln, puscheln, kuscheln kann. Dann keimt der Gedanke auf, Zeit für sich selbst zu haben.

Im Prinzip bin ich Teilzeitalleinerziehend. 24/5 quasi. Und ich bewundere jede Mama, jeden Papa, der diesen Job 24/7 macht. Aber manchmal denke ich, dass 24/7 auch leichter wären. Dann weiß man, dass man da allein durch muss. Das keiner kommen und einem das Baby „abnehmen“ wird. Und dann kommt man gar nicht in die Verlegenheit in Tiefschlaf zu fallen oder an „Urlaub“ zu denken. Zumindest geht es mir so.

Gestern kam die Nachricht, dass die Fernbeziehung zwischen dem Hauptfreund und mir Mitte August – nach ziemlich genau vier Jahren –  ein Ende haben wird. Ich will mir noch gar nicht ausmalen, weil gerädert er und ich dann sein werden…

3 thoughts on “24/5

  1. dieses problem kennen nicht-teilzeiterziehende in zügen auch. es ist das wochenendephänomen: vati hat andere vorstellungen als mutti. vati sagt sich: ich habe wochenende, mutti sagt sich: ich kann endlich arbeit abgeben. das führt unweigerlich zu konflikten. noch eins kommt dazu: ganz vielen vätern ergeht es im ersten jahr so, dass sie mit dem nachwuchs nichts wirklich anzufangen wissen. interaktion ist ja noch nicht so möglich und dann noch die mütterliche/kindliche abhängigkeit des stillens.
    das wird einfacher wenn euer prinz noch etwas größer ist. wenn du die beiden mal in den park zum spielen schicken kannst. für jetzt bietet sich vielleicht an, feste ruhezeiten zu definieren. also wenn ihr ausmacht: samstag, 10uhr habe ich mal 1-2h für mich. dann gehst entweder du mal aus, einen kaffee trinken oder die jungs. dann kannst du ja vielleicht noch ein bissl schlafen oder lesen. so haben wir es hier gemacht und sind damit gut gefahren. versucht irgendwie eine regelmäßigkeit auszumachen. gerade im hinblick auf eure baldige familienzusammenführung wäre es nicht schlecht sich mal zusammenzusezten und sich darüber auszutauschen wie ihr euch das dann vorstellt.

    ihr macht das schon!

  2. Dabei wollte ich nie so eine Mutti werden, die sobald Papa zur Tür reinkommt, ihm genervt das Baby in die Hand drück und in der Wanne verschwindet. 😉 Bei uns ist es aber so, dass der Hauptfreund von anfang an sehr viel mit dem Prinz „anfangen“ konnte. Er hatte nie diese Berührungsängste und macht seit wir den Prinz bei uns haben immer altersgerechten Quatsch mit ihm. Gerade deshalb, will ich auch, dass die beiden am Wochenende viel Zeit zusammen verbringen und ziehe mich dann zurück. Dann mach ich eben den Abwasch… Und okay, ein bisschen „ausspannen“ und einfach mal vorm Rechner sitzen ist auch ganz schön.

    Mal sehen, wie sich das einpendelt, wenn Papa jeden Abend nach Hause kommt. Es sind ja nur noch drei Wochen.

  3. Davor hätte ich auch Angst…
    Bin so eine „meistens“-24/7-Alleinerziehende und habe auch das Gefühl, dass ich erschöpfter bin und mehr Chaos herrscht, wenn mein Mann da ist. Aber das schmälert doch nicht die Freude über seine Anwesenheit. Und unsere Tochter (gerade 1 geworden) akzeptiert ihn, als wäre er gerade eben erst weggegangen.
    Freu Dich!

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