Warum wir keine Krabbelgruppe besuchen

Die wunderbare Mama Miez fragte kürzlich über T*witter und F*acebook, was man denn in einen Vortrag zum Thema „Was man übers Kinder kriegen/ haben wissen sollte“ einbauen kann. Also vorher, nicht was man sich gezwungenermaßen aneignet, wenn das Baby erst einmal eingezogen ist. Auf F*acebook kamen viele gute Einwände, aber da wurde mir auch klar, warum der Prinz und ich keine Krabbelgruppe besuchen.

Sachen wie „das erste Stillen tut ja weh“, sind nämlich völliger Kindergarten, wenn das erste „Stillen“ über eine Milchpumpe erzwungen wird. Eine Geburt im Geburtshaus steht nicht zur Debatte, wenn man knapp zur Halbzeit bereits in eine Klinik eingeliefert wird. Das die postnatalen Heultage nix gegen das sind, was man durchmacht, wenn man eben kein Baby im Arm halten kann. Wie sich Schmerzen anfühlen, die das eigene Kind erleidet, nicht man selbst.

Mir ist klar, dass 90 Prozent aller Mütter nicht wissen können, welches Glück sie hatten. Mir ist auch klar, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat und auch diese Probleme nicht nichts sind. Aber ehrlich, ich hätte gern vorher gewusst, dass eben nur weil man während der Schwangerschaft alles „richtig macht“, nicht unbedingt alles glatt laufen muss. Ich hätte vorher gern gewusst, welche Risiken auf mich, uns, zukommen. Natürlich gibt es Menschen, die sowas vorher nicht wissen wollen. Mir hätte es aber geholfen, die Situation einzuschätzen. Ich dachte in meiner grenzenlosen Naivität immer, dass ich 40 Wochen einen immer größer werdenden Bauch vor mir hertrage, solange ich mich nur an einige Spielregeln halte. Pustekuchen!

Aber wie gesagt, dass sind alles spezielle Probleme, meine persönliche Situation betreffend. Es ist gut, dass 90 Prozent aller (werdenden) Mütter da nicht drüber nachdenken (müssen). Aber ich persönlich könnte mir diese „Alltagsprobleme“ nicht immer wieder anhören. Und deshalb besuchen wir keine Krabbelgruppe oder einen Müttertreff. So.

6 thoughts on “Warum wir keine Krabbelgruppe besuchen

  1. Hallo! Ich kann Deine Gedanken sehr gut nachvollziehen.

    Unsere Tochter wurde damals mit einem Herzfehler (schlimm für uns) und Down-Syndrom (nicht schlimm für uns) geboren, ohne das wir das vorher wussten. Es war eine 1a Bilderbuch-Schwangerschaft. Die ersten 2 Wochen lag sie intensiv, und wir bangten um ihr Leben. Danach war eben nix mehr so wie vorher. Ich ging trotzdem zum PEKiP etc, weil es ihr gut tat- oftmals kotzte mich das Rosa-rot Gequatsche der anderen grenzwertig an. Unsere Tochter hat es leider nicht geschafft, sie starb mit 9 Monaten. Wir haben lange gebraucht um uns nochmal zu trauen, ein weiteres Kind zu bekommen, aus Angst es wieder hergeben zu müssen. Nun ist also „unser“ kleiner Prinz da, und ich tat mich auch sehr, sehr schwer mit Rückbildung, PEKiP etc.- gerade beim PEKiP bin ich bei der selben Leiterin wie damals, und als sie mir sagte, es wären nur Leute in der Gruppe, die schon mal bei ihr waren dachte ich mir „na Spitze, dann kannst Du Dir die ganze Zeit Geschwister-Gequatsche anhören.“ Ich bin trotzdem hin, und bei der obligatorischen Vorstellungsrunde sagte natürlich jeder „Ich war mit Kind xy auch schon hier,“ und blablablubb. Ich kam als letze und sagte also „Ich war mit unserer Tochter auch schon hier, und sie würde jetzt 5 Jahre alt werden. Sie ist aber verstorben, und insofern ist der kleine Prinz nun unser einziges lebendes Kind zuhause.“ Es gab erst eine kurze Stille, aber dann sind eigentlich alle gut damit umgegangen, es hat mich nie jemand darauf angesprochen, und es wurde auch nicht betreten zur Seite geschaut oder ähnliches. Es hat insofern einfach gut geklappt mit diesem „Offensivangriff“, und ich muß sagen, ich bin froh, dass ich das mache. Es ist auch einfach mal schön, unter anderen Menschen zu sein und das Kind dabei zu beobachten, wie es mit anderen kommuniziert.

    Gegenbeispiel war allerdings mein Aquafitness-Kurs in der Schwangerschaft, da waren die Leute einfach nur ätzend, und ich bin nachher gar nicht mehr hingegangen. Musste irgendwie immer heulen, weil die alle pausenlos von ihrer heilen Welt erzählten.

    Wer so etwas erlebt hat, wird die Dinge immer mit anderen Augen betrachten. Ich hatte damals mal gelesen, dass ein Aufenthalt auf einer Neugeborenenintensivstation für die Eltern ein Posttraumatisches Streßsyndrom auslösen kann – quasi, als wäre man im Krieg gewesen. Und das waren wir ja auch, irgendwie.

    Herzliche Grüße,
    Claudia.

  2. Verstehe ich absolut.
    Ich war bisher nur im Rückbildungskurs und da habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele etwas für sie traumatisches erleben. Man kann das untereinander kaum vergleichen.
    Die eine durfte nur liegen und bekam ihr Baby dann über 6 Wochen zu früh, eine andere hatte eine ganz traumatische Geburt und ich zb hatte durch die vorherige Fehlgeburt wahnsinnige Angst um mein Baby und bin immer dankbar dass sie nun hier ist.
    Wenn man von Beginn an ganz offen damit umgeht (wenn man das denn kann), dann ist es vielleicht nicht immer nur ein Austausch über den aktuellen Windelinhalt, sondern auch mal tiefgründiger. Ich hoffe es zumindest und bemühe mich weiterhin andere Mütter kennenzulernen.

  3. @blumenpost Da könntest du recht haben. Aber hat man während des Kurses denn Zeit über sowas tiefgründiges zu sprechen? In Krankenhaus hab ich ja auch viele Mamas kennengelernt, jede mit ihrer Geschichte… Naja, vielleicht beim nächsten Mal. 😉

  4. Hab deinen Blog gerade entdeckt und fand doch sofort diesen Post interessant.
    Ich gehe mit meinem Kind (knapp 20 Monate) zu diversen Spiel- und Krabbelgruppen. Aber auch mich, die ich, zum Glück, keine schlimmen Geburts- oder Kind-im-Krankenhaus-Erlebnisse hatte, nerven manchmal diese immer gleichen Gespräche um Banalitäten wie Kinderschlaf, Zähne, Essen etc.
    Ich denke, es liegt einfach daran, dass wir Mütter in den Kursen uns halt auch nur so kurz kennen und da spricht man eben doch (erstmal) lieber über Alltägliches, Banales. Ich jedenfalls mag nicht gleich jeder Bekannten mein Herz ausschütten oder mit ihr über sehr persönliches sprechen.

  5. Hallo Magdi,

    das ist richtig. Ich bin dann eher der Typ: Fresse halten. 😉 Ich schütte auch nicht jeden gleich mein Herz aus. Hab aber auch schon während der Schwangerschaft nicht wegen jedem Zipperlein rumgeheult…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit nehme ich die Datenschutzbedingungen dieses Blogs an.