Sorgen einer Mama

Am vergangenen Dienstag waren der Prinz und ich in der Phoniatrie der MHH. Weil der Prinz ein (extrem frühes) Frühchen ist wurde uns angeraten auch sein Hörvermögen regelmäßig testen zu lassen. Weil bei Frühchen nicht nur die Augen, Lungen, der Darm, Magen oder oder oder, sondern eben auch die Ohren zu Baustellen werden können.

Die Ärzte der Phoniatrie waren mir immer schon suspekt. Immer – auch bei unserem ersten Besuch, als der Prinz knapp sechs Monate alt war – war die erste Frage: Wie ist denn die Entwicklung des Kindes? Öhm, normal?! Damals war der Prinz korrigiert drei Monate. Also konnte er noch nix, außer Pupsen, Trinken, Weinen und ein bisschen in die Weltgeschichte gucken. Dazu kommt, dass der Prinz mein erstes Kind ist. Woher soll ich denn bitte wissen, wie die Entwicklung eines Babys mit drei Monaten ist?

Auch am Dienstag fragten sie nach seiner Entwicklung. Ich antwortete, wahrheitsgemäß, dass alles ganz normal entwickelt ist. Bei der U6 sagte unser Kinderarzt noch, dass wir da einen ganz tollen kleinen Menschen haben. Und auch ich konnte nichts feststellen, was mich beunruhigen würde. Der Prinz brabbelt vor sich hin, motzt bei einem „Nein“ (er hört also!), reagiert auf mich oder seinen Papa (und natürlich auch auf andere Menschen), er zieht sich an den Möbeln hoch, krabbelt und läuft, wenn er zwei Hände umfassen kann. Alles so, wie es sein soll. Dachte ich.

Das war es nämlich, was die Ärzte der Phoniatrie beim Abschlussgespräch zu mir sagten. Und das war es, was mich auf dem Heimweg fast aufgefressen hätte. Manchmal denke ich, ich wäre lieber eine Assi-Mutter, die nicht reflektiert und der solche Nachrichten wohl egal wären. Aber nein, ich mache mir Gedanken. Darüber, was ich besser/ anders/ öfter machen muss. Rede ich zu wenig mit ihm? Rede ich zu wenig babykompatibles Zeug? Rede ich zuviel babykompatibles Zeug? Müssen wir mehr singen? Und wenn ja, dann aber nicht mehr Helge Schneider, oder? Alles das ging mir durch den Kopf, als wir die MHH verließen und uns auf den Weg nach Hause machten.

Auf die Frage, was denn genau „nicht der Altersnorm“ entsprechend ist, bekam ich die Antwort: „So genau müssen wir das jetzt nicht besprechen.“ Ähem, was?! Wie soll ich denn bitte wissen, was wir üben sollten, auf was ich besonders achten sollte? Ich finde nicht, dass der Prinz etwas „nicht der Altersnorm entsprechend“ kann. Okay, er erzählt eher vor sich hin. Er sagt „mamamamam“ und „bababababa“, aber eben (noch) nicht Mama und Papa. Aber er hört (oder eben nicht), wenn ich „nein“ sage, weil er mal wieder das Heu aus der Futterraufe des Häschen zupft. Und er kann mir folgen, wenn ich ihm die Welt erkläre.

Je mehr ich im Verlauf der Woche über das (missratene) Gespräch nachdachte, je mehr kam ich zu dem Entschluss, dass sich die Ärzte a) nicht ausdrücken können oder b) sie mir so eindrucksvoll eine weitere Behandlung empfohlen haben, um diese abrechnen zu können. Ich weiß es nicht. Auch der Arztbrief, der heute im Briefkasten lag, macht uns nicht schlauer. Da steht, dass nach korrigiertem Alter alles okay ist. Dass er nach seinem echtem Alter aber „der Altersnorm nicht entspricht“.

Mich nervt sowas. Kinder, nein Menschen, funktionieren nun mal nicht nach Lehrbuch. Und seine Ohren wachsen doch nun nicht schneller, nur weil er drei Monate früher zur Welt gekommen ist. Das hat mich schon immer gestört. Die sollen mir sagen, ob anatomisch mit seinen Ohren alles okay ist. Wann und wie der Prinz anfängt zu sprechen, darf er ganz allein entscheiden. Basta.

 

 

7 thoughts on “Sorgen einer Mama

  1. Oah wie ätzend! Man kann doch als Arzt nicht so ne Aussage machen und dann nichts weiter erklären?!
    Ist doch klar, dass man dann besorgt ist.

    Was sagt denn der Kinderarzt dazu, der kriegt den Arztbrief doch sicher auch, oder?

  2. Unser Kia – der Beste übrigens 😉 – fragte nur ganz cool, was der Prinz denn so kann. Ich antwortete. Dann kam nur: Machen Sie sich mal keine Gedanken. Das isses doch, was Kinder in dem Alter machen! Binnen zwei Minuten waren alle Bedenken zerstreut. Denke nun über einen neuen Arzt (Phoniatrie) nach.

  3. Und als unserer mit einem Jahr nichts erkennbares sprach….sagte kein Mensch was – aber er ist ja auch zum Termin geboren…
    (und redet seit kurz nach dem 2. Geburtstag ohne Punkt und Komma – nicht immer verständlich aber meistens erkennbar)

  4. Schweinerei… *sprachlos*
    Blöderweise ist man in solchen Momenten ja auch immer so überrumpelt, dass man irgendwie nicht reagieren kann. Diesen Arzt hätte man so lange löchern müssen, bis er sich mal richtig erklärt.
    Hatte eine ähnliche Situation schon mal mit meiner Frauenärztin (Versuch Spirale einzusetzen): ernstes Gesicht, Blick zur Assistentin, Spruch „Das geht nicht, ich kann sie nicht einsetzen“ mit Stirnrunzeln. Da dachte ich auch, was ist jetzt los – hat sie irgendwas schlimmes entdeckt? Geschwüre, Krebs, etc. Solche Gedanken gehen einem da durch den Kopf. Letztendlich hat sich dann alles recht harmlos aufgeklärt. Das Gewebe war einfach zu weich noch von der Geburt (und wahrscheinlich Bindegewebsschwäche).

    Die Ärzte wissen manchmal gar nicht, was sie mit ihrem Gebaren und den für Laien unerklärlichen Aussagen so anrichten… Ich würde den Arzt noch mal anrufen und genauer befragen. Und wenn er dann patzig wird einen anderen suchen. Fachwissen ist nicht alles, man muss es den Patienten auch angemessen vermitteln können. Wenn ein Arzt nicht weiter weiss, dann fragt er einen Kollegen. Wenn er aber nicht empathisch ist, lässt er eben solche Sprüche los.
    Kann dich gut verstehen, aber wenn du und euer Kinderarzt ein gutes Gefühl habt, dann solltest du dich nicht allzusehr verunsichern lassen. Die Mama merkt noch am ehesten, wenn was nicht stimmt – und du sowieso, wenn du dir solche Gedanken machst.

  5. Denk doch nur mal an uns… so spät krabbeln und lauifen gelernt und zeitweise der Verdacht auf Behinderung… und heute? Ein ganz normler Dreijähriger… Spätentwickelt eben. Na und?

  6. Öhm, mein Kleiner ist im November geboren, also 1 Jahr und 3 Monate… Öhm, er wäre dann auch nicht der Norm entsprechend, denn er redet nur, wenn er abends müde wird und sagt dann Mama, sonst ist er schlicht und einfach mundfaul… UNsere Große war genauso – sie hat sich auf alles andere konzentriert, nur nicht auf´s Reden und dann- auch einmal – Bang, fragte ich mich, wo der Stop- Knopf ist 😉

    Ich würde ehrlich gesagt den Arzt wechsel. Ich finde einfach, dass man das generell nicht normen kann, wann ein Kind was kann…. Jedes Kind ist anders!!! Mach dir nicht so viele Gedanken!!!! Das kommt noch 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit nehme ich die Datenschutzbedingungen dieses Blogs an.