Warum wir einen Reboarder haben.

Am Sonntagabend kam in meiner Twittertimeline und bei Facebook das Thema „Reboarder“ auf. Zuerst bloggte Blumenpost darüber, dass sie darüber nachdenken einen solchen zu kaufen. Dann stellte MamaMiez die vollkommen berechtigte Frage, warum die größtmögliche Sicherheit für den Nachwuchs eigentlich so teuer und damit ein absolutes Luxusgut ist?

Wir haben seit Anfang Januar einen Rebaorder – also einen Kindersitz der wie die Babyschale nach hinten gerichtet ist – für den Prinz im Auto. Und ja, wir haben dafür einen ganze Stange Geld bezahlt. Aber das war es uns wert.

Ich hatte bereits vor Weihnachten den Film vom ARD Automagazin zu den Reboardern gesehen und nur so von dieser Art Kindersitzen erfahren. Der Bericht hat mich mitgenommen, zum Nachdenken gebracht und schlussendlich hat mich der Satz „Ein querschnittsgelähmtes Kind ist deutlich teurer als der teuerste Reboarder.“ überzeugt. Ich berichtete meiner Familie von unserem Plan und seitdem darf ich mich ständig erklären.

Meinst du nicht, ein sicheres Auto wäre erstmal ein Anfang?!

Wir fahren einen zehnjährigen Polo. Nicht aus Spaß oder weil wir das gern wollen, sondern weil im Moment kein anderes Auto drin ist und das Auto ansich für uns schon Luxus genug ist. Egal ob es ein Polo oder eben der neuste Mercedes ist. Was meine Schwester aber meinte, war: Der teuerste und vielleicht auch sicherste Sitz wird euch nix bringen, wenn ihr in einer „Pappschachtel“ unterwegs seid. Tja, kann sein. Aber der teuerste und sicherste Sitz ist immer noch billiger als ein neues Auto und schützt eben doch besser als ein „normaler“ nach vorn gerichteter Autositz. Basta.

Hast du dir den Preis mal angesehen?

Natürlich haben wir nicht schlecht geguckt, als wir den Preis der Reboarder sahen. Die Dinger kosten locker das doppelte eines „normalen“ Sitzes. Aber ehrlich? Die Sicherheitsaspekte haben mich überzeugt und dann sind mir die 180 Euro mehr – ein guter Sitz kostet ja auch um die 200 Euro – es auch wert. Natürlich haben wir hin und her überlegt. Wir nutzen das Auto nicht oft. Es gibt Wochen, da steht es nur oder wird maximal von mir oder dem Hauptfreund zum Einkaufen oder Mädelsabend gefahren. Der Prinz ist ja kein Autofahrer und wir erledigen einfach sehr viel mit Bus und Bahn. Weil die öffentlichen Verkehrsanbindungen hier sehr gut sind, wir kleinere Einkäufe mit dem Kinderwagen machen und ich nach Hannover rein sowieso nicht mit dem Auto fahre. (Stau! Ampeln! Parkplatzsuche!) Dennoch haben wir uns für den Reboarder entschieden. Eben weil der Prinz aufgrund seiner baldigen Babyschwester aus der Babyschale raus muss (Nein, wir kaufen keine zweite Babyschale, nur damit der Prinz so lange wie möglich in einer sitzt.) und ich aber eben seine größtmögliche Sicherheit will. Denn, wenn wir fahren, dann meist weite Strecken über die Autobahn (die prinz’schen Großeltern wohnen mindestens 200km von uns entfernt). Und ehrlich: Ich hatte schon genug Angst um das Leben meines Sohnes, da muss ich mir nicht noch selbst ein Riskiofaktor mehr ins Auto holen.

Der Preis ist aber eben so ein Thema. Und ich kann sehr gut verstehen, wenn es Familien gibt, die sich das einfach nicht leisten können. Auch wir mussten an unsere Ersparnisse ran. Aber meine Devise ist: Schuhe und Autositze sind wichtig. Klamotten kaufe ich gern secondhand. Meine Wickeltasche ist von R*ossmann. Unser Kinderwagen war gebraucht über ebay ersteigert. Ich brauche keine Designermode für mich oder meine Kinder. Aber bei der Sicherheit machen wir keine Abstriche. Basta. Im entfernten Bekanntenkreis gibt es eine Familie, wo die Mama extra nachts putzen geht, um „ihren Kindern was bieten zu können“. Das finde ich gut und ist sicher ein Opfer – eben für die Kinder. Was ich aber nicht ganz nachvollziehen kann: Die Kindersitze (M*axiC*osis etc) werden trotzdem teilweise für einen Euro bei ebay ersteigert – dafür gabs zum zweiten Geburtstag der Großen aber eine Hüpfburg. Ähem ja. wft?!

Der Einbau ist so kompliziert!

Blabla. Ist er (eigentlich) nicht. Okay, es ist vielleicht umständlicher, weil an einem Reboarder (gerade wenn er wie unserer kein Isofix hat) einfach mehrere Teile und Gurte zu befestigen sind. Aber mal ehrlich: Das macht man einmal und dann basta. Ich bin eh davon überzeugt, dass man Kindersitze nicht täglich von einem Auto ins andere umbaut. Und wenn doch, besteht auch da die Möglichkeit, irgendwann mal nachlässig zu werden. Wer mit dem Prinz jetzt wegfahren will, der muss eben unser Auto nehmen. Dann is das eben so. Es gibt schlimmeres, oder?!

Der schönste Spruch aber war: Euer Auto ist für diesen Sitz viel zu klein!

Okay. Unser Auto ist winzig. Wie gesagt, Polo mit zwei Türen und einer Kofferraumklappe. Das Reinsetzen des Prinzen ist kein Spaß – schon gar nicht mit einem Schwangerschaftsbauch der 36. Woche. Auch mussten wir den Beifahrersitz ein Stück weit nach vor rücken, damit der Sitz dahinter optimal passt und eingebaut ist. Das bedeutet, dass eben unser Beifahrer im Moment nicht den größmöglichen Luxus im Auto hat, was die Bequemlichkeit angeht. Aber ehrlich? Das is mir sowas von schnuppe! Und ändern können wirs eh nicht, weil wir uns eben derzeit kein anderes Auto leisten können und wollen. Die Alternative wäre, das Auto komplett abzuschaffen und auf den Luxus mal eben schnell zu meiner Familie (die irgendwie alle auf dem Dorf ohne Bahnanbindung wohnen) zu schnipsen. Kann man machen. Muss man aber nicht.

Das Thema Reboarder und die Kosten/ Bequemlichkeit kann man, wie so oft bei Themen rund um Anschaffungen fürs Baby, endlos weiter diskutieren. Und wahrscheinlich gibt es kein „gut“ oder „schlecht“. Wenn man einen normalen Sitz kauft und niemals einen ernsten Unfall hat, war es die richtige Entscheidung – weil: 180 Euro gespart. Wenn man einen Reboader kauft und niemals einen ernsten Unfall hat – gelitten. Wenn, wenn, wenn… Sie verstehen schon.

PS. Wir haben übrigens den HTS BeSafe iZi Combi X3. Und hier findet man von den Zwergperten einen schönen Film zum Einbau des Ganzen.

Edit.

Gerade fällt mir ein, dass ich ja noch ein paar gradiose Sprüche vergessen habe. Also los.

Wo sollen denn die Füße hin, wenn der Prinz wächst?

Diese Frage lässt mich ja immer ein bisschen schmunzeln und zeigt mir, dass auf Biegen und Brechen Gründe GEGEN einen Reboarder gefunden werden wollen. Erstens machen wir uns darüber Gedanken, wenn es soweit ist (noch haben wir eine Menge Spielraum) und zweitens, wird sich unser Sohn da schon was einfallen lassen. Der Prinz soll ja nicht bis ans Ende der autositzpflichtigen Zeit nach hinten gerichtet fahren. Ab 3,5 – 4 jahren sind auch die Experten der Meinung, dass Kinder nun nach vorn gucken und einen Unfall unbeschadeter überstehen können. Und bis dahin wird der Prinz jetzt keine 1,5m wachsen. Nehmen ich stark an.

Der sieht ja gar nix und wird voll motzen!

Der sieht sehr viel, weil der Sitz nämlich höher als die Babyschale ist und der Prinz sowohl aus dem Seiten- als auch aus dem Rückfenster (solange das nicht mit Jacken zugeballert ist) gucken kann. Ich gebe zu, es stört ihn arg, wenn Papa oder Mama vom Fahrersitz auch spricht und er uns nicht sehen kann. Dann motzt er auch schon mal. Aber der motzt auch so, weil unser Sohn Autofahren schon immer eher so bäh fand.

Den Sitz kann man gar nicht richtig in Liegeposition bringen!

Es ist richtig, dass man unseren Reboarder nicht richtig in Liegeposition klappen kann und der Prinz – sollte er im Auto einschlafen – nicht wie bei herkömmlichen Sitzen, eher liegend schlafen kann. Das geht nicht, weil der Sitz eh schon an den Vordersitz stößt (das muss so!) und da eben kein Spiel mehr ist. Meine Schwester meint nun, dass Schlafen so mega unbequem sei. Okay, kann ich nachvollziehen. Aber eben auch nicht ändern. Und mal ehrlich: Schlafen im Auto ist nie das bequemste der Welt, oder? Dafür gibt es ja Betten. Mensch.

5 thoughts on “Warum wir einen Reboarder haben.

  1. Toll geschrieben, kann ich alles nur bestätigen. Ich würde deinen Post gerne verlinken, wenn du nichts dagegen hast! Das Reinsetzen ist echt doof, mit einem Babybauch stell ich mir das Super schwierig vor, da wäre vielleicht der Sirona gut gewesen- aber wir haben uns auch für den BeSafe entschieden- bei uns war es die Staufächer-Problematik. Viele Grüsse & alles gute weiterhin!

  2. Du kannst den Beitrag sehr gern verlinken. Danke dafür – und für das Lob. 😉

    Der Sirona fiel bei uns weg, weil es den 1. nur mit Isofix gibt (der zehnjährige Polo hat keins) und wir hinten eh keine Türen haben. Da hätte uns das nicht sooo viel gebracht. Und der Bauch verschindet ja auch in 4-5 Wochen wieder. 😉

  3. Freut mich sehr, dass ihr euch für eine Reboarder entschieden habt – die Beste Entscheidung die man treffen kann! Wir fahren auch den BeSafe, allerdings mit Isofix und sind super zufrieden damit. 🙂

    Falls du dich zu dem Thema weiter engagieren willst, kann ich dir eine Mitgliedschaft im Verein (http://www.reboard-kindersitze.info/verein) empfehlen. Das Forum und die Facebook-Seite kennst du sicherlich auch, oder? Ansonsten hab ich zu dem Thema auch ein paar Infos zusammen getragen, wo du alle Links findest: http://menschens-kinder.blogspot.de/p/reboard.html

    Liebe Grüße
    Isa

  4. Oh ja, hier auch so ein Thema. Das liebe Geld 🙁 Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Im Moment hoffe ich, das der Rauperich noch bis zum ersten Geburtstag oder kurz vorher in die Babyschale passt. Im Sommer haben die Lütten ja weniger an und das schafft schon noch ein bisschen Platz im Sitz. Und dann, ja dann hoffe ich, dass die Familie zusammentut und wir ihm alle gemeinsam einen Reboarder spendieren können. Plus ein paar Kleinigkeiten für den Geburtstagstisch. 🙂 Ausserdem hoffe ich, dass die Sitze bald preiswerter werden, da es ja bald diese Pflicht zum rückwärtsgerichteten Fahren bis zum 15. (?) Monat gibt. Ich finde jedenfalls auch, dass sich die meisten Gegenargumente bei genauerer Betrachtung in Luft auflösen. Aber leben und leben lassen, das muss jeder für sich entscheiden.

    Du darfst übrigens auch noch was entscheiden. Nämlich ob du bei der Aktion 11 mitmachen magst. Hab dich getaggt. 🙂

  5. Die Frage wie du sagst, wer kann sich das leisten?! Zudem auch das passende Auto zu finden ist nicht einfach. Das haben wir bei unserem Test einige Male festgestellt – auch Modelle die OK sind, sind sehr schwer zu montieren.

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