Vom Stillen

Ich bin und war ja immer eine Verfechterin vom Stillen. Nicht unbedingt nur, weil es eben das Beste fürs Kind ist. Sondern (zumindest in meinem Fall) weil ich es ungemein praktisch finde. Kein lästiges Abwaschen der Flaschen. Kein nachts aus dem warmen Bett rausmüssen. Es kostet nix, ist immer verfügbar und richtig temperiert. Alle diese Gründe kennt man ja. Mir hat das Stillen des Prinzen zudem ungemein geholfen mit der Hilflosigkeit fertig zu werden. Mein Kind lag 2.5 Monate auf der Intensiv und ich war so ziemlich die letzte Person, die ihm hätte helfen können. Durchs Stillen (auch wenn es „nur“ Abpumpen war) hatte ich ansatzweise das Gefühl, etwas für ihn zu tun. Ihm beizustehen. Ja, das Stillen hat mir geholfen, indem ich „eine Aufgabe hatte“.

Und auch als der Prinz dann zu Hause war, war ich mehr als glücklich, dass wir nun „richtig“ stillen konnten. Es gibt doch etwas mehr Nähe – und davon hatten wir nun eine Menge aufzuholen.

Ich finde stillen wichtig. Auch wenn ich weiß, dass es ein Privileg ist, weil es eben nicht immer so klappt. Ich verurteile niemanden, wenn es seinem Kind die Flasche gibt (geben muss). Kinder werden so auch groß. Aber ich wusste, dass für mich das Stillen eben dazu gehört. Auch beim Osterkind.

Nun wurde das Osterkind geboren und ich musste lernen, das stillen eben nicht immer das einfachste der Welt ist. Denn mit dem Milcheinschuss kamen die Schmerzen. Höllische Schmerzen. So hatte ich das alles nicht in Erinnerung. Jedes Stillen wurde zum Graus, denn es waren nicht nur die „Ansaugschmerzen“, sondern dauerte über die ganze Zeit des Trinkens an. Ich hörte die Englein singen und ja, das eine oder andere Mal kamen mir auch die Tränen. Aber es half nichts. Die Parole hieß durchhalten. Ich cremte, verwendete Heilwolle, versuchte es mit Stillhütchen und schluckte fleißig homöopathische Mittel. Die Wunden wurden besser, aber die Schmerzen blieben. Und dann kam er, der Punkt an dem ich dachte nie zu landen: Ich dachte ernsthaft ans Abstillen und Fläschchen geben.

Wie gesagt, ich verurteile niemanden fürs Fläschchen geben. Gut, ich kann manche Gründe nicht ganz nachvollziehen, warum frau es nicht wenigstens versucht. Aber gut. Es muss ja beiden – Mutter und Kind – mit dem Stillen gut gehen.

Meine Umgebung sagte ständig, dass es mit der Zeit besser wird. Und meine Timeline erwähnte was von zwei Wochen. Also, dachte ich mir, diese zwei Wochen gebe ich uns. Dann sehen wir weiter. Und gerade als ich dachte, es geht nicht mehr und wird vermutlich niemals besser, ließen die Schmerzen nach. Erst langsam, dann immer schneller. Und nun haben das Osterkind und ich eine Stillbeziehung. Ohne wenn und aber.

6 thoughts on “Vom Stillen

  1. Hallo!
    Ja, die Schmerzen. Darauf hat mich auch niemand im Vorfeld vorbereitet. Ich hatte jedes Mal Schweißausbrüche deswegen. Und irgendwann waren sie weg. Aber es hat nerven gekostet. Warum sagt das niemand vorher? Da hieß es nur „es ist vielleicht nicht einfach und klappt auf Anhieb“. So recht begeistert war ich, zugegebenermaßen, nicht, von dem Gedanken, zu stillen. Aber die Bequemlichkeit und natürlich das enge
    Verhältnis zum Kind waren stärker. 🙂 und jetzt ist er schon sooo groß!

    Liebe Grüße und schönen freien Tag morgen!

  2. Du hast meinen vollen Respekt! Ehrlich! Dass du das zwei Wochen durchgehalten hast!
    Ich bin wohl etwas schmerzempfindlich als du – ich konnte jeweils nach 24h nicht mehr. Er brüllte, ich weinte vor Schmerzen. Und für mich das Schlimmste: an der Brust war nichts zu erkennen… Ein bisschen gerötet, aber kein Blut und nichts.
    Und wie oft habe ich es neu versucht. Ungezählte Male. Jedes mal drei Tage Brustweh nach einem einzigen Tag Stillen. Wir blieben beim Abpumpen und sind seit einiger Zeit komplett bei PRE. Und es geht uns besser damit. 🙂
    Trotzdem oder gerade weil: ich freue mich mit euch!

  3. Naja, gesehen hat man auch nicht wirklich was. Das Blut war im Stillhütchen und Madame hat etwas angeekelt den Kopf weggezogen. Daher wusste ich es.

    Wegen dem Schmerzempfinden: Das is wohl bei jeder anders. Es fühlte sich wie tausend Nadeln an. Meine Nichte hatte es bspw. auch nicht so schlimm…

    Aber wie gesagt, man muss den Weg wählen, der am besten für sich selbst ubd das Kind ist.

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