Von ungebetenen Ratschlägen

Eigentlich wollte ich darüber bloggen, wie schön es ist, die eigenen Kinder wachsen zu sehen. Wie sie die Welt erkunden und sich die Persönlichkeit entwickelt. Ich wollte darüber schreiben, dass der Prinz – könnte er schon sprechen – wohl alles mit „Nein, ich!“ kommentieren würde. Eben, weil er immer mehr allein machen will.

Gestern wollte ich ihn füttern, da das Mittagessen noch sehr heiß war und ich pusten musste. Doch der Prinz sah das anders und drehte ständig den Kopf weg. Müde und hungrig ist eine schlechte Kombination, vor allem für meinen kleinen Dickkopf. Der Prinz wollte also nicht essen. Stattdessen zeigte er auf den Küchenschrank und schimpfte in seiner (mir noch unbekannten) Sprache. Ich nahm ihn also aus seinem Hochstuhl, stellte ihn auf den Boden und erklärte, dass er nicht essen müsse, wenn er nicht will. Ich jetzt aber Hunger habe und deshalb sitzen bleibe. Der Prinz wandte sich ab und spielte mit den Kochtöpfen. Zwei Minuten später stand er aber wieder neben mir. Also setzte ich ihn wieder in seinen TrippTrapp und wir starteten einen neuen Versuch. Aber wieder wollte er sich nicht füttern lassen. Ich gab es auf, steckte den Löffel in die gedrückten Kartoffeln und aß weiter. Und dann geschah es: Der Prinz nahm den Löffel und begann zu essen. Er wollte es eben allein machen. Leider klappt das allein essen noch nicht so gut. Entweder es landet ihm zu wenig auf dem Löffel oder das Essen fällt auf dem Weg zum Mund wieder herunter…

Leider ist mein Sohn keiner von der geduldigen Sorte. Wenn etwas nicht klappt, dann fliegt es schon mal in die Ecke. So eben der Löffel (und wenn er könnte wie er wöllte auch der Teller mit dem Essen).

Ich beobachte in den letzten Tagen immer mehr, dass eine Menge in seinem Köpfchen passiert. Er lernt gerade so unglaublich viel (Duplosteine aufeinander stecken zum Beispiel) und erzählt den ganzen Tag in seiner „Babysprache“. Und ich wollte darüber bloggen, wie eifrig er übt und mit Misserfolgen (noch) schlecht umgehen kann. (Das hat er dann wohl von mir. Kritikunfähig ist mein zweiter Vorname.)

Aber jetzt will ich über ungebetene Ratschläge schreiben, die einem gegeben werden und sich dann ins Hirn fressen und alles, was man tut in Frage stellen. Ich will schreiben, dass mir heute gesagt wurde, dass mein Sohn nur nachts schrei-kreischend aufwacht, weil er die Misserfolge vom Tag verarbeiten muss. Und er diese Misserfolge nur hat, weil ich ihn zu viel allein machen lasse. Ich bin die Mutter und muss ihm Dinge abnehmen, die er nicht kann. Mit dem Löffel essen zum Beispiel.

Und das ist es, was mich gerade innerlich zerfrisst. Weil ich immer dachte, dass ich meinen Kindern eben nicht zuviel zumute. Dass sie aber auch nur durchs alleine machen lernen können. Und ich frage mich, ob mein Bauchgefühl doch so falsch ist.

Ich verkrieche mich dann mal. Morgen sieht die Welt bestimmt wieder besser aus.

3 thoughts on “Von ungebetenen Ratschlägen

  1. Du mahcst das schon richtig auf Deine Weise. Lass Dir NIE einreden das Du etwas verkehrt machst. Jeder nach seiner Facon. DU bist die Mutter und nur DU kennst DEINE Kinder am Besten. Niemand sonst. Also Kopf hoch und weiter so. Wird schon. Muss ich mir auch jeden Tag auf ein neues sagen. Kussi

  2. Es mag ja für vieles Patentrezepte geben, aber nicht für die Erziehung von Kindern. Jedes dieser kleinen Geschöpfe ist einzigartig und wird sich nicht an die Ratschläge halten, die andere dir geben. Und was Misserfolge angeht: Die gehören zum Leben dazu, die haben auch Erwachsene und träumen dann schlecht. Solange du das Gefühl hast, deine Kinder sind glücklich, machst du auch alles richtig. Aus eigener Erfahrung kann ich sogar sagen, dass selbst Fehler bei der Erziehung im Nachhinein betrachtet ihre Berechtigung haben, denn man wächst mit ihnen. Also, lass dich nicht verrückt machen!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit nehme ich die Datenschutzbedingungen dieses Blogs an.