Krippenprinz

Der Tag musste ja irgendwann kommen und dennoch passierte es (gefühlt) viel zu schnell: Der Prinz ist seit gestern ein Krippenkind.

Am 1. Juli begann die Eingewöhnung. Also fuhren der Prinz, das Osterkind und ich um 10 Uhr in die Krippe. Mein Magen machte ein paar Purzelbäume, so wie in den letzten Tagen, als wir die Wechsel- und Regensachen, das Fotoalbum und die Lederpuschen zusammen packten…

Bereits im Mai hatten wir das Erstgespräch mit der prinz’schen Bezugserzieherin. Sie ist nett und ich habe ein gutes Gefühl bei den beiden. Sie wartete also auch gestern schon auf uns, als wir den Gruppenraum betraten. Zuerst hielt der Prinz meinen Finger noch sehr fest und reagierte gar nicht, als sie ihn mit Autos „locken“ wollte. Aber dann sah er die Spielküche und zog mich am Finger quer durch den Raum. Dort angekommen, hockte er sich neben seine Erzieherin und inspizierte die Töpfe, Tassen und Kannen. Da ich mich nicht mit hinhocken konnte (das Osterkind wollte bewegt werden und so lief ich immer auf der Stelle), lies der Prinz meinen Finger sehr schnell los. Ich trat also einen Schritt zurück und verzog mich komplett in die Ecke mit meinem Stuhl, als das Osterkind gestillt werden wollte. Ab da spielte der Prinz in der Küche, erkundete den Raum und ich schien vergessen. Viel zu schnell verging diese erste Stunde des Kennenlernens.

Auch heute stand noch eine Stunde kennenlernen, mit Mama im Raum, auf dem Plan. Und auch heute spazierte der Prinz direkt in „seine“ Spielküche und war weg. Selbst als sich zeitweise alle anwesenden Gruppenkinder (ein Teil von ihnen war draußen auf dem Spielplatz) um mich herumstanden und das Osterkind im Tragetuch bewunderten, war der Prinz ganz mit seinem Spiel und seiner Erzieherin beschäftigt. Zeitweise hatte ich das Gefühl, dass er mich komplett vergessen hat.

Morgen steht dann die erste Trennung auf dem Plan. Ich werde ihn in den Gruppenraum bringen, mich verabschieden und dann mit dem Osterkind auf dem Sofa im Eingangsbereich platz nehmen. So der Plan.

Bei Twitter wurde ich heute gefragt, ob ich mir nicht tief in mir drin wünsche, dass er sich etwas schwerer von mir löst. Also hörte ich in mich hinein und war froh aus der Tiefe meines Herzens antworten zu können: Nein. Ich bin froh, dass der Prinz glücklich mit seinem Einstieg in die Krippe ist. Es zeigt mir, dass es die richtige Entscheidung war. Obwohl ich ja noch ein Jahr mit dem Osterkind zu Hause bin. Es zeigt mir, dass es an der Zeit ist, das Band zwischen Mama und Sohn etwas zu lockern. Ihn ein kleines bisschen in die Welt zu entlassen. Würde er nur die kleinsten Anzeichen machen, dass er nicht will, würde ich ihn sofort wieder mit nach Hause nehmen und den Platz wieder kündigen.

Denn diese Eingewöhnung ist nicht nur für ihn wichtig. Heute dachte ich so, dass auch ich das brauche. Ich sehe, dass es ihm gut geht. Und lerne, wie er, schrittweise das Loslassen.

Mein Baby ist jetzt ein Krippenprinz. Und ich platze vor Stolz, wie toll er das alles macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit nehme ich die Datenschutzbedingungen dieses Blogs an.