Die Geschichte vom kleinen Prinz

[oder: Woher der Prinz seinen Namen hat und das Osterkind keine kleine Prinzessin ist.]

Es war einmal ein kleiner Prinz, der nun schon seit fast zwei Jahren auf dieser Welt ist und deshalb gar nicht mehr so klein ist. Es ist also an der Zeit die Geschichte zu erzählen, wie aus dem kleinen Prinzen ebendieser wurde.

Im Sommer 2011 war der kleine Prinz nur ein Krümel im Bauch seiner Mama. Diese hatte sich einmal fest vorgenommen, erst über Namen ihrer Kinder nachzudenken, wenn sie deren Geschlecht wüsste. Zu anstrengend ist diese Namensgebungssache und dann kann man einen von beiden wieder in die Schublade legen. Und nachdem der eigentliche Wunsch-Jungenname dann schon interfamiliär vergeben war, mussten die Karten eh neu gemischt werden.

Der Prinz wuchs im Bauch zu einer Erbse, Erdnuss, einem Apfel und so weiter heran, aber das Geschlecht wussten Mama und Papa Prinz immer noch nicht. Bis zu einem Tag im September, an dem sich der kleine outete. Jedoch konkretisierte die Frauenärztin das Gesehene nicht 100%ig und so wurden die Namensdiskussionen wieder nach hinten verschoben. Die Schwangerschaft befand sich erst in der Halbzeit und so wollte man abwarten, was der nächste Ultraschall entblössen würde. Dann kam aber alles ganz anders.

Eines Tages beschloss der kleine Prinz nämlich aus dem Bauch ausziehen zu wollen. Leider viel zu früh, worauf die prinz’sche Mama erst einmal ins Krankenhaus kam. Dort wurde untersucht und immer wieder betont, dass eine Geburt in diesem Stadium ganz sicher nicht gut ausgehen würde. Es ging um Leben und Tod. Und ein Name war plötzlich das letzte an was Mama und Papa jetzt dachten.

Die Wochen zogen ins Land. Mama Prinz lag brav den ganzen Tag im Bett und hätte eigentlich genug Zeit gehabt, dem Kind nun endlich einen Namen zu geben. Aber sie konnte nicht. Denn ein Name machte die Sache real und die Angst, das Baby im Bauch könnte die Tatsache einen Namen zu besitzen als Aufforderung für einen Auszug verstehen, nur größer. Das Baby blieb also das Baby. Ohne wenn und aber. Ohne Namen kommt hier nämlich mal keiner auf die Welt. Basta.

Das dachte sich die Mama. Der kleine Prinz sah das anders und wurde an einem regnerischen Samstag geboren. Obwohl noch kein Name für ihn ausgesucht war.

Da lag er also. Das kleine, winzige Bündel Mensch. Im Inkubator. Und als seine Mama ihn das erste Mal sehen durfte, am Tag nach seiner Geburt, da fiel ihr nur eins ein: Der kleine Prinz. Dieses winzige Wesen, so zart und zerbrechlich, aber auch stark und voller Willen zu leben, das ist der kleine Prinz. Wie aus dem Buch von Antoinne de Saint-Exupéry. Mit seinen wachen Augen betachtete er die Welt außerhalb der Plastikbox, die nun sein zu Hause gewurden war.

Eine ganze Wochen haben seine Eltern gebraucht, um ihm einen richtigen, echten Namen zu geben. Eine ganze Woche war er der kleine Prinz. Und weil man heute  noch dieses kleine, wache und starke Menschlein in seinen Augen sehen kann, bleibt er auch der kleine Prinz. Auch wenn er bald schon nicht mehr klein ist.

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