„Er hat geheiratet.“

Wenn man nicht mehr in der Großstadt wohnt, so wie wir, wird man eigentlich täglich auf das Baby im Tragetuch angesprochen. Hier sieht man noch häufig Kinderwagen, weshalb man als tragende Mama eher zu den Exoten gehört. Ich habe mittlerweile schon meine Standartsätze, die über „so schläft sie am besten“ bis hin zu „es ist einfach ungemein praktisch, weil man beide Hände frei hat“ reichen.

Auch heute sprach mich eine Frau an. Ich schätze sie auf Mitte 50. Vielleicht auch 60? Sie ist hocherfreut und meint, es sei ja so schön und das Osterkind sähe so glücklich aus, wie es da an meine Brust gekuschelt schläft. Ich sage „ja“ und wie praktisch es eben sei.

Dann guckt die Frau etwas betreten nach unten. Betrachtet die Kühltruhe, die sich zwischen uns befindet und meint: „Da wird mir gleich ganz anders. Und ich erinnere mich.“ Ich nicke. Und dann fügt sie hinzu: „Er hat geheiratet.“ In ihren Augen sehe ich, dass damit nicht einfach das normale Loslassen gemeint ist. Ich nicke mitfühlend und schaue nach unten, weil ich nicht weiß, was ich dazu sagen soll. Was soll man da erwidern? Im A*ldi. Eine Kühltruhe zwischen uns?

Natürlich kenne ich die Umstände nicht. Manchmal machen ja auch Eltern Dinge, sodass man sich als Kind los sagt.

Aber dennoch: Dieses Loslassen muss so schwer sein. Vor allem, wenn das Kind nicht mal für einen Moment zurück ins eigene Leben kommt.

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