Geschrei erzeugt Gegengeschrei

Ich habe den Prinz angebrüllt. Und ja, ich bin da so gar nicht stolz drauf. Das, was ich niemals nicht machen wollte. Weil meine Mutter quasi meine ganze Kindheit über geschrieen hat. Ich kenne sie quasi nicht anders. Und jetzt bin ich genauso. 🙁

Aber von vorn. Ich hatte keine einfache Nacht. Das Osterkind schläft sehr unruhig und zerkaut mir nachts beim Dauerstillen, okay eher Dauernuckeln, die Brustwarzen. Aua! Dazu wird sie verlässlich gegen halb 5 wach. Ab da kann ich maximal noch dösen, aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Halb 7 weckten mich dann der Hauptfreund und der Prinz. Wir starteten in den Tag, aber der Prinz hatte da schon schlechte Laune. Beim Frühstück war nichts recht. Er wollte nicht essen, auch wenn ich Müsli, Toast, ja sogar Kekse (da er in den Fiebertagen fast gar nichts aß, sind mir auch Kekse recht) anbot. Irgendwann löffelte er das restliche Mittagessen von gestern, welches noch im Kühlschrank stand. Da beruhigte sich seine miese Laune etwas. Danach zog ich ihn an und auch das Fiebermessen (kein Fieber, aber dafür an der unteren Grenze der Normaltemperatur) ließ er über sich ergehen.

Dann kam der Wutausbruch. Nichts war mehr recht und irgendwann flog sämtliches Spielzeug, ach was alles, was er in die Finger bekam, durchs Wohnzimmer. Ich sagte „Nein!“, nahm ihm die Sachen aus der Hand (bevor sie flogen), versuchte es mit ignorieren, am Schluss packte ich das Spielzeug in die Kiste und brachte sie weg. Das Osterkind – weil auch müde – klebte an mir, aber ich konnte sie nicht hinlegen, weil sie beim Geschrei ihres Bruders nicht schlafen kann. Und dann passierte es. Das Gebrüll des Prinzen erzeugte Gegengebrüll – meins. Absoluter Muddifail. Machte die Sache auch eher schlimmer.

Besser wurde es erst, als auch ich mich beruhigte, indem wir „Die Ärzte“ hörten. Bei „Schrei nach Liebe“ (wie ironisch!) tanzten wir drei durchs Wohnzimmer. Dann gingen wir ins Schlafzimmer. Ich stillte das Osterkind in den Schlaf und als ich mich dann zum Prinz kuscheln wollte, war auch er schon im Traumland.

Jetzt schlafen beide. Ich liege dazwischen. Und gehe jede Möglichkeit durch, in solchen Situationen besser zu reagieren. Für’s nächste Mal. Denn ich will nicht, dass mich meine Kinder als brüllende Mama in Erinnerung behalten.

5 thoughts on “Geschrei erzeugt Gegengeschrei

  1. Puh. Werden wir wie unsere Eltern, ist ein großes Thema. Um es vorwegzunehmen, nein, werden wir nicht. Denn wir reflektieren darüber. Klar, gibt es in manchen Situationen Ähnlichkeiten, aber eben nur manchmal. Meine Mutter war das genaue Gegenteil von Deiner: sie schwieg. Wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen lief, wurde die Kommunikation eingestellt. Liebesentzug. Man durfte raten, was nun wieder war. Da ist mir heute manchmal ein Ausbruch lieber. Und ehrlicher. Mir passiert es aber auch heute noch, dass ich ähnlich wie meine Mutter reagiere, insbesondere dem Mann gegenüber. Der bricht dieses Verhalten aber konsequent durch Reden auf. Und auch ich selbst reflektiere und versuche mein Verhalten zu korrigieren. Worauf ich hinaus will: Das genau tust Du ja auch. Manchmal kann man nicht aus seiner Haut, aber man kann daran arbeiten. Das wirst Du schaffen und deinen Kindern nicht als Brüllmama in Erinnerung bleiben.

    (Entschuldigung, falls das alles total Oberlehrerhaft und anmaßend klingt, ich wollte nur sagen: Alles wird gut.)

  2. Bin kurz auf dem Sprung hier vorbei und muss aber kurz meinen Senf dazu geben {bin sporadische Vorbeischauerin 😉 }
    Klar, den ganzen Tag Anschreien ist eher suboptimal und generell ist es schöner wenn mann nett und wohlüberlegt mit seinen Kindern und allen Mitmenschen umgeht.
    Aber, nach einer (Haha.. nur eine?) Nacht mit zu wenige Schlaf, Backgroundgeschrei der sich leider weder ausblenden noch -schalten lässt, finde ich es absolut menschlich auch mal austicken zu dürfen.
    Ich habe meine Tochter (bald 4) schon einige Male „angeschrien“ oder ihr gesagt dass jetzt genug sei und sie mich nervt. Und dennoch wage ich zu behaupten, dass wir eine sehr gute Beziehung zueinander haben und dass wir gegenseitigen Respekt haben.
    Im Gegenteil, ich finde es falsch, dem Kind vermitteln zu wollen, dass die eigenen Energie- und Geduldreserven unerschöpflich sind. Und dass selbst am äussersten Rand dessen, wir als Eltern noch immer alles unter Kontrolle haben (sollen/können etc.)

    Ich möchte dass meine Tochter auch MEINE Grenzen kennt und diese auch, ihrem Alter entsprechend, zu respektieren, bezw. zu erkennen kennt.

    Solange man sein Kind liebt und man das spürt, in alle Richtungen, ist gut! Finde ich zumindest.

    So, alles gute! Sie machen das schon gut! 😀

  3. Du wirst den beiden sicher nicht als brüllende Mama in Erinnerung bleiben! Du bist eine tolle Mama! Deine Nerven liegen einfach im Moment blank, das ist doch verständlich.
    Dir tut sowas hinterher doch auch immer wahnsinnig leid, wirklich Gedanken solltest Du Dir machen, wenn das nicht so wäre.
    Ja, ich weiß, ich hab keine Kinder und demnach auch keine Ahnung: Aber eins weiß ich in jedem Fall: Du bist eine tolle Mama und Du wirst Dich sicher nie so verhalten wie Deine Mutter!

  4. Gerade in den letzten Tagen erinnere ich mich oft an diesen Eintrag von Dir,… Du willst echt nicht wissen, wie oft ich im Moment laut (teilweise sogar sehr laut) werden muss, damit ich überhaupt wahrgenommen werde… heute hatte der Mäuserich zum ersten Mal Wasser in den Augen, nachdem es hier mal wieder ordentlich gekracht hat. Das tat mir so richtig leid. Andererseits Rede ich mir den Mund fusselig, erkläre und erkläre und im nächsten Augenblick machen sie doch wieder denselben Mist, was derzeit zu 99% nicht gut ausgeht und mit 3 heulenden Kleinkindern endet sowie einem Donnerwetter meinerseits, weil irgendwann auch meine Geduld am Ende ist und ruhige Worte in solch einer Situation auch nicht mehr ankommen. Wenn dann noch die Lieblingsnachbarin türknallend das Haus verlässt und im nächsten Moment wieder mit der Nachbarin gegenüber übern Gartenzaun tratscht, hast Du echt keine Lust mehr. Ich freu mich so auf die eigenen 4 Wände, ehrlich…. Nicht mehr ständig die Kinder ermahnen müssen, ruhig zu sein… selbst aber auch laut werden dürfen, ohne diese ständige Angst im Nacken, erneut vorgeworfen zu bekommen, die Kinder würden misshandelt 😛

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