Mütter.

Mütter sind ja auch so ein Thema. Also nicht die, die sich auf Spielplätzen oder in Internetforen verbal oder mit Blicken die Augen auskratzen wollen. Die gibt es natürlich auch. Aber was mir in letzter Zeit immer häufiger auffällt, egal ob im realen Leben oder online, ist dass kaum jemand (weibliches) ein „normales“ oder „gutes“ Verhältnis zu eigenen Mutter hat. Mich eingeschlossen.

Natürlich gibt es sie auch. Die Mutter-Tochter-Beziehungen die eher freundschaftlich und (fast gänzlich) ohne Neurosen sind. Und es gibt die Beziehungen, die irgendwie noch nie funktionierten. So wie die zwischen meiner Mutter und mir. Solange ich denken kann, war ich der Meinung adoptiert worden zu sein. Dabei war ich mir immer sicher, dass mein Vater auch mein Vater sei. Nur bei meiner Mutter war ich mir da nie sicher. Wir haben kein gutes oder gar inniges Verhältnis. Das liegt vielleicht an den Ohrfeigen, die ich bekam, als ich mich in der ersten Klasse mit dem Lesen etwas schwer tat. Vielleicht liegt es an den Brüllereien, die ich mir anhören musste. Vielleicht liegt es an der Tracht P*rügel, die ich für die 4 im Diktat bekam. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir nur anhören konnte, dass ich keine Ahnung (weil keine Lebenserfahrung) habe. Vielleicht liegt es an ihrem Desinteresse, weshalb sie nicht einmal die Zeugnisausgabe meines Abiturs besuchte. Ich weiß es nicht.

Als ich das erste Mal schwanger war, dachte ich natürlich auch darüber nach, was für eine Mutter ich denn mal sein werde. Was für eine Mutter ich sein MÖCHTE. Ich machte mir Gedanken, wie oft ich brüllen werde. Ich machte mir Gedanken, wie das ist mit dieser Mutterliebe, von der auch meine Mutter immer sprach („Du kannst dir das nicht vorstellen! Das Herz einer Mutter… blabla“), von der ich aber so wenig zu spüren vermag. Als ich dann erfuhr, dass der Prinz ein Junge wird, war ich etwas erleichtert. Ich hoffte, dass ich bei einem Jungen gar nicht erst in die Verlegenheit kommt, die Beziehung so zu versauen. Zu meinem Bruder hat meine Mutter ja auch eine durchaus liebevolle Beziehung. Aber als der Prinz dann geboren war, lernte ich vor allem eins: Das ich dieses Wesen so sehr und über alles liebe. Und ich verstand das Verhalten meiner Mutter mir gegenüber noch weniger. Wie kann man mit seinem Kind so umgehen, wie sie mit mir, wenn da doch sowas wie „Mutterliebe“ sein soll?

Dann kam das Osterkind und ich begann wieder zu grübeln: Werde ich beide Kinder lieben können? Werde ich es schaffen, keins zu bevorzugen? Als sie dann da war, gab es diese Gedanken nicht mehr. Ich liebe meine Kinder. Beide. Von ganzem Herzen. Und wieder ist da das Unverständnis, wenn ich an meine Kindheit zurück denke.

Irgendwann kommt man an den Punkt, da sind die eigenen Eltern keine Wunderwesen mehr. Da sieht man, dass auch sie Fehler haben und Fehler machen. Niemand ist perfekt. Aber irgendwann ist auch mal gut. Während ich mich manchmal zu Tode reflektiere, reflektiert meine Mutter gar nicht. Null. Nada.

Immer wieder höre ich von Töchtern, die den Kontakt zu ihren Müttern abgebrochen haben. Aber auch von Töchtern, die mit ihren Müttern Fernsehabende machen. Die sie um Rat fragen und sie gern an ihrem Leben teilhaben lassen. Und dann wünsche ich mir so sehr, dass das Osterkind und ich auch einmal so eine Beziehung haben werden. Dass sie mir meine Fehler verzeihen kann, weil ich sie eingestehen kann und daraus lerne. Weil ich ihr auch in 20 Jahren noch zeigen kann, wie sehr ich sie liebe. Seit dem ihr Herz das erste Mal ganz leise in meinem Bauch blubberte.

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