Herzen und Steine

Jetzt haben wir sie also hinter uns. Die 2-Jahres-Untersuchung von Frühgeborenen unter der 28. SSW. Der Prinz wurde gewogen, gemessen, abgehört und ihm wurde in die Ohren geguckt. Aber im Vordergrund stand der Bayley II-Test, welcher Auskunft über den Entwicklungsstand unseres Sohnes geben soll.

Wir fuhren also gestern in die Nachsorgeambulanz der MHH und durften nach einer kurzen Eingewöhnung am Duplo-Tisch direkt im Behandlungszimmer Platz nehmen. Dort wartete die Assistentin mit den Testmaterialien. Der Prinz setzte sich auf den TrippTrapp und es ging los: Türme bauen, Züge schieben, Formen zuordnen, Dinge erkennen und zeigen. Er rockte die Bude. Selbst kniffligen Aufgaben stellte er sich und versuchte sie verbissen zu lösen. Allein das Sprechen war das Manko. Dinge benennen gehört ja noch nicht zu seinen Repertoire und so verabschiedete uns die Assistentin mit der ersten kleinen Prognose, dass man da evtl. etwas tun müsse.

Wir fuhren nach Hause und mein Mamaherz platzte fast vor Stolz. Natürlich wusste ich, dass ich einen tollen und bezaubernden Sohn habe. Aber das von fremden Menschen noch einmal zu hören, tut sehr gut. Die Sache mir dem Sprechen machte mir noch ein paar Sorgen, aber eher in der Hinsicht, dass ich ihn nicht gleich zur Logopädie schleppen will. Ich will ihm noch ein bisschen Zeit geben, anstatt gleich zu pushen. Aber es stand ja noch ein Gespräch mit dem Arzt an indem die Problematik erörtert werden würde.

Heute dann Teil II der Nachuntersuchung. Nachdem wir gestern gar nicht warten mussten (was in der MHH einem Wunder gleich kommt), versetzte uns der Arzt um glatte 45 Minuten. Zur Mittagszeit, weshalb ich eh schon Bedenken ob des fehlenden Mittagsschlafs hatte. Aber der Prinz war relativ gut drauf, spielte mit dem Lego und den Autos und war zufrieden. Der Doc beobachtete ihn dabei und befragte mich nach Ess- und Schlafgewohnheiten, Entwicklungssprüngen und dem allgemeinen Befinden. Er nahm zur Kenntnis, dass der Prinz bereits eine kleine Schwester hat und sagte, dass er das sehr schön findet. Manchmal, so der Arzt, ist es nicht das schlechteste, wenn Frühchen nicht in Watte gepackt werden und ein normales Leben mit Geschwistern leben. Die letzten drei Aufgaben des Tests (wir mussten aus Müdigkeit am Vortag abbrechen) machte der Prinz eher schlecht als recht, aber die waren auch wirklich schwer.

Dann kam der Moment der Wahrheit, aber warum ich mir im Vorfeld so viele Gedanken gemacht habe, wusste ich da schon nicht mehr. Der Prinz ist ein gesundes und normal entwickeltes Kind von 2 Jahren. Die Sprachentwicklung ist nicht ganz altersgemäß, aber auch der Arzt ist der Meinung, dass wir ihm da noch Zeit geben können.

Und einmal mehr ist mir bewusst geworden, welches Glück wir hatten. Der Prinz ist zwar ein Frühchen unter 28. SSW, hatte aber keins dieser fiesen Frühchenprobleme. Während andere mit Darmproblemen, Hirnblutungen und anderen schweren Komplikationen kämpfen müssen, waren seine Baustellen „nur“ seine Lungen (und ein bisschen das Herz aufgrund der Lungen). Das ist nichts im Vergleich zu dem, was ihm erspart geblieben ist. Und jeden einzelnen Tag, wenn ich diesen zauberhaften kleinen Menschen ansehe, bin ich dankbar. Dankbar, dass er gekämpft hat. Und dankbar, dass ihm so viel mehr erspart blieb.

Und ganz sicher hat man es heute in Hannover ganz laut poltern hören. Das waren die Steine, die mir vom Herzen gefallen sind. Es ist alles gut.

One thought on “Herzen und Steine

  1. Prima 😉 Auch ich wurde (’73) ziemlich früh zu früh geboren und verstehe heute (2 eigene Kinder später) meine Eltern ein wenig besser. (Wir kennen uns nicht, aber wir kennen beide Gero.)

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