Gelassenheit

Gestern telefonierte ich mich meiner Schulfreundin, die gerade mit ihrem siebenwöchigen Töchterchen das Abenteuer „Mamasein“ angeht. Eigentlich wollten wir sie heute besuchen und das neue Erdenmädchen begrüßen, aber mit dem kranken Prinz ist das eher keine gute Idee. Wir telefonierten also und sie berichtete von den Sorgen und Nöten, die man als (Erstlings-) Mama so hat.

Die Kleine ist nun sieben Wochen alt. Und sie steckt mitten in diesem fiesen 7-Wochen-Schub, wo jede Mama an sich und der Welt zweifelt und meint, die Milch würde nicht reichen und man müsse jetzt zufüttern. Auch mir gings beim Prinz so. Aber ich biss mich durch und hatte – zum Glück – meine Twittertimeline voller Mamas, die mir versicherten, dass das ganz normal sei. Und gestern war ich es, die ihr erklärte, dass das eben so ist. Das die Milchmenge nur steigen kann, wenn auch die Nachfrage steigt. Und dass das eben nur über ständiges Trinken geht. Ich hörte den Stein, der meiner Freundin vom Herzen fiel, auch hier in 300km Entfernung noch. Denn leider, leider sind so viele in meiner alten Heimat noch von „der alten Schule“. Raten „das Kind auch mal schreien“ zu lassen, halten nichts vom Tragen und haben nichts von Clusterfeeding gehört. Ihre Hebamme reagierte auf das vermehrte Stillen mit „Tja, das ist dann eben so ein Machtkampf.“ – Ähem, bitte was? Ich sträube mich ja dagegen zu glauben, dass Neugeborene aus Bosheit oder Hinterlist weinen. Sowas kann und will nicht in meinem Kopf und geht doch komplett gegen den gesunden Menschenverstand. Auch meine Hebamme gab mir ja mal fragwürdige Tipps, die ich aber zum Glück weder beim Prinz noch beim Osterkind auch nur im Entferntesten in Betracht gezogen habe.

Aber dennoch hatte ich beim Prinz so viele Zweifel, Fragen, Bedenken. Ich schob es immer darauf, dass der Prinz ein Frühchen ist und wir eben nichts falsch machen wollten. Nicht falsch im Sinne von „wenn ich jetzt nicht mit ihm zum PEKIP gehe, wird er nie seinen Doktor machen“, sondern eher so „wenn ich das so oder so mache, könnte er vielleicht doch sterben“. So dachte ich nämlich. Wir hatten den Tod gesehen. Bei unserem und anderen Kindern und das lässt einen dann auch zu Hause nicht sofort los. Ich machte mir Sorgen, ob meine Milch reicht, ob er genug Nährstoffe erhält, dass er nicht krank wird und und und. Aber nach dem Gespräch gestern wurde mir klar: Das alles lag nicht daran, dass der Prinz ein frühgeborenes, sondern dass er unser erstes Kind war. Beim Osterkind war ich viel entspannter. Ich dachte mir, die Natur hat das mit der Muttermilch so eingerichtet, also wird sie auch dafür sorgen, dass das Kind dadurch satt wird. Jeder Schnupfen wurde von mir nicht zum „Super-GAU“ erhoben, eben weil die Lungen des Osterkindes ganze 40 Wochen reifen durften bevor sie ihren Dienst antreten mussten. Ich machte mir einfach weniger Sorgen, weil ich ahnte, was kommt. Weil ich wusste, dass Babys zäher sind, als man im Allgemeinen so annimmt. Und weil ich mir eine Menge angelesen hatte. Von meiner Schwester lieh ich mir – nur aus Interesse – das Buch „Das Kind, das wie ein Hund gehalten wurde“ von Bruce D. Perry, was mich das erste Mal mit „Bindungstheorien“ konfrontierte. Danach laß ich mehr und mehr Blogs, Artikel, Bücher zum Thema Attachment Parenting etc. und bildete mir so meine Meinung, wie ich meine Kinder erziehen will. Die Frau Buntraum hat nämlich vollkommen recht, wenn sie in ihrem Podcast sagt, dass wir uns nicht nur auf unser Bauchgefühl verlassen dürfen. Eben weil unser Bauchgefühl unserer Erziehung entspringt und *damals* eben doch andere Dinge empfohlen wurden.

Das Gespräch gestern hallte auch heute noch etwas nach und ich hoffe, dass ich einige ihrer Bedenken zerstreuen konnte. Wie schade, dass man diese Gelassenheit von zweiten Kind nicht schon beim ersten hat. Man könnte soviel mehr genießen!

One thought on “Gelassenheit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit nehme ich die Datenschutzbedingungen dieses Blogs an.