Der Weihnachtsmann kann mich mal

Nennt mich ruhig naiv, aber dieser Erziehungsstil „emotionale Erpressung“ macht mich ja latent aggressiv. Und vor allem nachdenklich. Funktioniert das? Kann man einem Kind Werte und Umgangsformen beibringen, wenn man mit Sprüchen wie „Wenn du nicht lieb bist, bekommst du nichts vom Weihnachtsmann!“ oder „Wenn du das nochmal machst, bekommst du XYZ nicht?“ – ja auch das gehört meiner Meinung nach dazu – ganz zu schweigen von „Wenn du das machst, hat Mami dich nicht mehr lieb.“ erziehen? Echt?

Bevor ich Mutter wurde, machte ich mir keine Gedanken darüber, wie ich meine Kinder einmal erziehen will. Wird schon, dachte ich. Dann kam ich mit einem kleinen Bündel Mensch aus dem Krankenhaus nach Hause (okay aufgrund des langen KH-Aufenthalts des Prinzen schwahnte es mir schon vorher) und mir wurde bewusst, dass das mit dem Erziehen vielleicht doch nicht so ein Selbstläufer ist. Je älter der Prinz nun wird, je präsenter wird das Thema (logischerweise) und je mehr reflektiere ich mein/unser Verhalten und die Regeln, die ich/wir aufstelle(n).

Mir ist klar, dass Kinder nicht jede Entscheidung allein treffen können. Dass wir Erwachsenen sie anleiten und ggf. auch einmal zurückhalten müssen. Ich denke aber, dass Kinder im Grunde ihres Wesens auch nach einem harmonischen Zusammenleben streben und dieses eben nach ihren Mitteln gestalten möchten. Ich glaube nicht, dass ein Zweijähriger „trotzt“, weil er seine Eltern bloßstellen und ärgern will. Ich glaube viel mehr, dass es oft ein Verständnis- und Geduldsproblem ist. (Wobei ich hierzu noch nicht viel sagen kann. Der Prinz „trotzt“ noch nicht soooo viel und meist löst sich jeder „Wutausbruch“ mit Ruhe und Verständnis in Luft auf. Vielleicht habe ich aber auch nur ein besonders leichtes Exemplar und finde meinen Meister im Osterkind. Wer weiß das schon.) Wenn der Prinz eben etwas macht, was ich nicht für gut heiße (bspw. seine Schwester hauen/ mit Spielzeug werfen/ etc), dann erkläre ich ihm, dass ich das nicht will. Nehme das Osterkind aus der Schussbahn. Nehme ihm auch schonmal das bald fliegende Spielzeug weg. Aber ich „bestrafe“ nicht mit der Drohung, dass der Weihnachtsmann ihm keine Geschenke bringt (was man ja allerorts im Dezember vernehmen kann) oder dass er eines seiner Spielzeuge abgeben muss. Für mich macht das nämlich keinen Sinn.

Auch ich bekam die Sache mit dem Weihnachtsmann öfter zu hören. Komischerweise aber nie von meinen Eltern. Aber immer wenn mir so etwas angedroht wurde, fragte ich mich, woher der Weihnachtsmann das wissen will. Und da ist mein grundlegendes Verständnisproblem: Wenn ich meinen Kindern (oder auch anderen Menschen) etwas schenke, dann weil ich sie liebe/mag und ihnen eine Freude machen will. Dann drohe ich vorher aber auch nicht, dass sie nichts bekommen, wenn sie „nicht lieb sind“. Der Hauptfreund grummelt mich auch gern mal an, aber ich denke trotzdem nicht daran, ihm sein Geburtstags-/ Weihnachtsgeschenk vorzuenthalten. Genauso sage ich ja nicht zu ihm, dass ich ihn nicht mehr liebe, nur weil er mal meine Gedanken nicht lesen konnte. Und genau das wende ich eben auch bei meinen Kindern an. Ich will nicht, dass sie ihr Sozialverhalten einem (materiellen) Belohnungssystem anpassen. Ich will sie nicht „emotional erpressen“, damit sie das Verhalten zeigen, was ich mir von ihnen wünsche. Ich möchte mit ihnen zusammen an ihrem und auch meinem Verhalten arbeiten. Eben weil eine Eltern-Kind-Beziehung nichts anderes als eine Partnerschaft ist. Keine gleichberechtigte Partnerschaft. Aber eine Partnerschaft in der Respekt herrschen sollte. Nein muss.

[Just my 2 cents.]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit nehme ich die Datenschutzbedingungen dieses Blogs an.