Stillen in der Öffentlichkeit

Gerade dreht eine Blogparade zum Thema „Stillen in der Öffentlichkeit“ ihre Runden und weil ich gerade mit dem Prinz im Auto sitze und seinen Schlaf bewache, will ich mal was dazu schreiben. (Bei „Mama arbeitet“ war der Auftakt, hier gibts auch einen Artikel dazu.)

Stillen beim Prinz

Als ich schwanger wurde, machte ich mir nicht viele Gedanken ums Stillen. Für mich war klar, dass ich es machen werde. Mindestens sechs Monate lang. Weil alle Mütter in meiner Umgebung (damals gab es noch nicht so viele davon), es taten oder wenigstens versuchten. Ich machte mir keine Gedanken, ob es klappt. Warum denn nicht, fragte ich mich stattdessen. Dann kam der Prinz zur Welt und unsere Stillbeziehung begann doch so anders als geplant.

Ich legte kein Baby, sondern die Milchpumpe an. Mein Kind trank nicht aus der Flasche, sondern bekam die Muttermilch – nachdem sie aus Sicherheitsgründen für 3 Tage eingefroren wurde – mit der Magensonde direkt in den Bauch. Ich pumpte und pumpte und machte meine ersten Erfahrungen mit dem Füttern von Muttermilch, indem ich sie dem Prinz sondierte. Aber es half mir in dieser Zeit, in der das Leben meines Kindes mehr oder weniger am seidenen Faden hing, mit einem Gefühl ihm zu ‚helfen‘ ins Krankenhaus zu fahren. Nachdem seine Atmung besser wurde und der CPAP gegen den Low-flow getauscht wurde, startete die prinz’sche Fütterung über das Fläschchen. Zuerst trank er nicht viel und der Rest wurde sondiert. Nachdem er aber seine zugeteilten Milliliter aus dem Fläschchen trank, wurde die Magensonde gezogen. Den ersten Stillversuch machten wir im Krankenhaus, da war er genau 2 Monate (korrigiert -1 Monat) alt. Er saugte als hätte er nie etwas anderes gemacht und autsch! Es tat wirklich weh. Da er aber noch in der Klinik bleiben musste, blieb es beim Fläschchen und ich pumpte weiter.

Nach zehn Wochen holten wir unser Kind nach Hause. Ich hatte noch viel eingefrorene Milch und so blieben wir erstmal bei Fläschchen und pumpen. Nach dem ersten (schmerzhaften) Stillversuch im Krankenhaus, sagten die Schwestern und auch die Stillberaterin ich solle es mit Stillhütchen versuchen. Das würde besser klappen. Ich lief also los und besorgte Stillhütchen. Heute denke ich, dass wir es mit mehr Anleitung und Unterstützung auch ohne geschafft hätten. Nunja.

Ich stillte das erste Mal unter Anleitung meiner Hebamme und es klappte. Ab diesem Moment motteten wir die Fläschchen ein und brachten die Pumpe zurück in die Apotheke. Der Prinz und ich stillten und einzig der Hauptfreund trauerte der Fläschchenzeit etwas hinterher.

Ich stillte aber nicht in der Öffentlichkeit. Da der Prinz aus dem Krankenhaus feste Essenszeiten gewohnt war, bekam er immer nach genau drei Stunden Hunger. Ich richtete unsere außerhäuslichen Aktivitäten danach aus, zum Essen wieder zu Hause zu sein. Viele Sachen verkniff ich mir, weil es länger gedauert hätte. Wie bescheuert, oder? Wenn wir doch mal länger unterwegs waren, stillte ich in Stillzimmern (der Möbelschwede) oder auf Toiletten. Ja ehrlich! Ich war so doof und fütterte mein Kind auf dem Klo! Nur um andere Menschen vermeintlich nicht zu stören. Wenn ich daran denke, kann ich es selbst nicht glauben. Warum, will ich mein Erstlingsmama-Ich fragen und weiß eigentlich die Antwort: Ich wollte mich nicht in aller Öffentlichkeit ‚entblößen‘. Weil man eben nie stillende Mütter sieht ist es eben doch irgendwie ein Tabu. Himmel, hilf! Erst nach einiger Zeit und gegen Ende unserer Stillbeziehung merke ich wie bekloppt diese Gedanken sind. Ab dann stillte ich im Café, im Park, im Restaurant. Da, wo alle essen, sollte auch mein Baby essen.

Stillen beim Osterkind

Beim Osterkind war alles anders. Nicht nur, dass sie spontan und termingerecht zur Welt kam und ich aus diesem Grund gleich ‚richtig‘ stillen konnte, bei ihr hatte ich auch das Selbstbewusstsein und Verständnis überall zu stillen. Nach dem die Schmerzen der ersten Wochen verklungen waren und Stillen keine Tortur mehr war, wurde es quasi zum Selbstläufer. Allein das Stillen auf dem Spielplatz, wenn ich allein mit beiden Kindern da war, vermied ich, weil ich dachte, dass ich sonst nicht schnell genug auf den Prinz reagieren könnte. Aber auch das erledige sich bald.

Das Osterkind wurde und wird nach Bedarf gefüttert und hat so keine festen Zeiten. Ich konnte mich also hinter nix verstecken und so stillten wir in der Stadtbahn, auf Parkbänken, beim Kinderarzt, in der Manduca während ich dem Prinz hinterher sprinte und erst heute auf der Bierbankgarnitur beim Firmenevent des Hauptfreundes. Mit dem zweiten Kind kam die Selbstverständlichkeit des Stillens in der Öffentlichkeit einfach mit. Und ganz ehrlich, es ist ja auch das natürlichste der Welt. Also warum verstecken?!

[Ich muss allerdings auch sagen, dass ich niemals das Platzes verwiesen wurde, weil ich gestillt habe. Und dumme Blicke habe ich nie mitbekommen.]

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