Osterkind-led weaning

Ach, was habe ich mir beim zweiten Kind Sorgen ums Essen gemacht! Man kann es kaum glauben, aber ja, während ich beim Prinz nur ganz, ganz selten diese typischen Elternanwandlungen á la „Der muss doch was essen! Der verhungert doch sonst!“ hatte, ging es mir beim Osterkind ganz anders. Woran das genau lag, kann ich gar nicht so genau sagen. Wahrscheinlich gibt es auch ganz viele Kleinigkeiten, die da zusammen gespielt haben.

Der Prinz beschritt den traditionellen Weg des „Essenlernens“: Zufüttern ab dem vierten Monat mit Brei. Dann schrittweise immer mehr (selbstgekochter, Bio-) Brei inkl. Abstillen mit paralleler Umstellung auf Pulvermilch aus der Flasche (Warum ich das gemacht habe, ist mir heute vollkommen schleierhaft.). Irgendwann so ab Oktober 2012 – da war er korrigiert neun Monate – war der Prinz dann abgestillt und trank nur noch nachts ein Fläschen. Er war schon immer ein guter Esser. Und er praktizierte ausgiebig das Essen mit den Händen, bevor er sich auf Löffel und erst sehr viel später auf Gabeln einließ.

Beim Osterkind wollte ich es anders machen. Mittlerweile hatte ich von „baby-led weaning“ (BLW) gehört (Mama Miez schrieb darüber und auch Frau Schussel), was nichts anderes bedeutet, als das Kind selbst entscheiden zu lassen, wann es von Milch auf feste Nahrung umstellen möchte. Dazu wird das Kind gestillt, solange und so oft es will. Parallel wird dem Baby aber ab dem Zeitpunkt, an dem es Interesse an „echtem“ Essen zeigt, auch Fingerfood angeboten. Es gibt mittlerweile auch das Buch „Baby-led weaning – Das Grundlagenbuch: Der stressfreie Beikostweg“ von Gill Rapley und Tracey Murkett, welches ich aber erst sehr spät (da war das Osterkind schon ein Jahr alt) bekam. Dennoch warf ich einen Blick hinein und finde es hilfreich, auch wenn es für uns etwas spät kam.

Der Plan war also, das Osterkind selbst entscheiden zu lassen, wann sie auf Muttermilch verzichten und dem „echten“ Essen zusprechen möchte. Sie saß bei den Mahlzeiten mit am Tisch, ich bot ihr gedünstete Gemüsesticks usw. an. Aber es passierte nichts. Sie knabberte mal hier, mal da an einem Stück Karotte. Aber essen? Nein, so konnte man das nicht nennen. Kartoffel ging gar nicht. Da schüttelte sie sich einmal komplett, als sei es pure Zitronensäure. Äpfel oder Paprika biß sie ab und spukte die Stückchen dann direkt wieder aus. Zu Beginn machte ich mir keine Gedanken, sie ist einfach noch zu klein. Kinder in ihrem Alter bekamen den ersten Brei, das Osterkind interessierte „echtes“ Essen nicht die Bohne. Es war mir egal, schließlich war das Osterkind nie ganz zierlich und trank ordentlich Milch.

Dann kam jedoch die Zusage für meinen neuen Job und meine Elternzeit hatte eine nicht ganz weit entfernte Deadline. Und mit der Gewissheit wieder arbeiten zu gehen, kam auch die Panik. Was, wenn sie dann immer noch nicht isst? Muss der Hauptfreund sie zu mir ins Büro bringen? Wird sie jemals (tagsüber) ohne die Brust einschlafen? Verhungert sie in den neun Stunden, die ich nicht zu Hause sein werde? Und ganz unbewusst, setzte ich mich und wahrscheinlich auch sie ein wenig unter Druck. Das Osterkind interessierte es aber nicht weiter. Sie forderte ihre Muttermilch und begann nur ganz langsam ausgewählte Speisen zu sich zu nehmen.

Dann kam er, mein erster Arbeitstag. Der Hauptfreund war mit ihr allein zu Hause und plötzlich war „echtes“ Essen das einzige, was ihr tagsüber zur Verfügung stand. Und was soll ich sagen? Es klappte. Immer ein bisschen besser. Natürlich klammerte sie sich direkt an mich und forderte das Stillen mit meinem Betreten der Wohnung quasi schon auf der Türschwelle (einmal kam das ganz sicher vor), aber sie überlebte es. Beim Abendessen saß sie jetzt richtig im TrippTrapp mit am Tisch, nicht länger nur auf meinem Schoß. Und langsam, ganz langsam, kam das Interesse am Essen. Zuerst am Besteck und Madame versuche mir mein Brot zu schmieren. Dann versuchte sie ständig ihr Essen auf die Gabel aufzupieken. Löffel gehen nämlich gar nicht, das ist was für Babys! Und je mehr sie mit dem Essen spielen, experimentieren und je weniger wir „interventierten“ und sie zum Essen „animierten“, je mehr begann sie sich in den Mund zu stecken.

Und jetzt, vor ein paar Wochen, ist der Knoten geplatzt. Jetzt, wo auch ihre Verdauung endlich richtig klappt (das war lange Zeit ein Problem), ist auch das Essen kein Thema mehr. Es ist, als hätte ihr Körper instinktiv gewusst, dass er keine richtige Nahrung verdauen kann und hat sie deshalb auch nicht zu sich nehmen wollen. Diese Natur ist so raffiniert und schlau! Und nun mampft sie fleißig vor sich hin und rastet förmlich aus, wenn sie sieht, das es bald Essen gibt. (Auch wenn Kartoffeln immer noch nicht zu ihrer Leibspeise gehören. Nudeln dagegen schon – ganz der Papa.)

Gestillt wird übrigens trotzdem noch. Abends zum Schlafen und nachts immer und immer wieder gibts noch die Brust. Aber das ist kein Hunger mehr. Das ist Kuscheln, Geborgenheit, Liebe. Und die kann sie haben, solange sie sie braucht. Irgendwann werden ihre Schlafphasen länger und dann kann ich auch wieder abends ausgehen.

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