Attachment Parenting

Eigentlich sollte das letzte Wochenende ein Wochenende nur für mich werden. Ich wollte mich mit meinen Schulfreundinnen im Harz treffen. Quatschen, relaxen, Wellness. So der Plan.

Schon im September, als wir den Plan schmiedeten, ahnte ich, dass ich die Rechnung ohne das Osterkind gemacht habe. Aber ich war zuversichtlich. Die Krippe wird bewirken, dass sie sich etwas von mir löst. Dass wir nicht mehr jede Nacht stillen. Ja vielleicht auch, dass sie zu ihrem Bruder ins Kinderzimmer zieht und dort schläft. Im Oktober verdeutlichte sich dann aber, dass das wohl nix wird. Die anstrengenden Wochen in der Krippe – beide Kinder sind schließlich den ganzen Tag da – führten dazu, dass ich am Wochenende umso wichtiger wurde. Sie fordert viel Kuscheln und Nähe – und eben auch verstärkt das Stillen. Aktuell kommen noch diese blöden Eckzähne. Oben und unten. Als ich diese entdeckte, schrieb ich „mein“ Wochenende ab. Denn wenn meine Tochter mich braucht, dann bleibe ich natürlich zu Hause. So ist das eben.

Der Hauptfreund und ich leben nämlich dieses „Attachment Parenting“. Aus Überzeugung. Ich wüsste gar nicht, wie ich es anders machen sollte, als auf die Bedürfnisse meiner Kinder einzugehen. Dieses Wochenende war dadurch aber vor allem eins: Anstrengend. Das Osterkind wollte sich quasi nicht von mir lösen. Ab Freitagabend waren wir eins. Wollte sie laufen, dann nur an meinem Finger. Meist wollte sie jedoch getragen werden. Von mir. Auf keinen Fall vom Papa. Sie wollte stillen. Immer und überall. Sie wollte kuscheln. Das alles raubt Kraft. Wenn man nicht mal in Ruhe aufs Klo gehen, geschweige denn sich die Haare föhnen kann. Das zehrt an einem. Unsere Nächte waren kurz. Das Stillen anstrengend und schmerzhaft (das ist es immer, wenn sie Zähne bekommt). Fast freute ich mich ein bisschen auf den Montag, weil ich nun die Bahnfahrten zur Arbeit und zurück „für mich“ habe.

Aber dennoch möchte ich nichts anders machen. Eigentlich schreibe ich das nur auf, um mich bei dem Gedanken an ein evtl. drittes Kind zu erinnern. Ja, es ist anstrengend. Ja, ich könnte Abstillen und hätte meine Freiheit wieder. Aber im Grunde will ich das nicht. Ich will, dass meine Kinder wissen, dass ich immer für sie da bin. Dass sie zu mir kommen können. Ich stecke immer neue Grenzen für mich, weil ich öfter über den Punkt der Erschöpfungen hinaus gehe. Weil ich weiß, dass es sich auch wieder ändert. Dass sie irgendwann, in 10, 20 oder 30 Jahren, nicht mehr nur mit meinem Finger als Sicherheit loslaufen werden. Aber ich möchte, dass sie dann noch nach Hause kommen. Mich an ihrem Leben teilhaben lassen. Und dieses Urvertrauen in uns als ihre Eltern, bekommen sie nun mal jetzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit nehme ich die Datenschutzbedingungen dieses Blogs an.