16.

Heute vor 16 Jahren wurde ich gegen 7 Uhr mit den Worten „Wenn ihr euren Vater noch einmal sehen wollt, müsst ihr jetzt aufstehen. Er liegt tot in der Küche.“ geweckt. Es war meine Mutter, die uns so unsanft aus den Träumen riss und damit meine Kindheit, alles unbeschwerte in meinem bisherigen Leben, beendete.

Das alles geschah am 5. Dezember 1998. Seither ist dies mein „schwarzer Tag“. Die ersten waren schlimm. Später wurde es besser, aber gut wird es vermutlich nie. Meist versuche ich mir an diesem Tag frei zu nehmen. Immer wieder kommen Gedanken an _den_ Tag hoch und dann will und kann ich nicht weiter machen, als sei nichts. Ich denke oft an meinen Papa. Aber am 5. Dezember sind diese Gedanken dunkel. Ich durchlebe den Tag immer und immer wieder.

Heute vor drei Jahren saß ich mit dem Prinz auf der Brust in der Intensivstation der MHH. Er hatte noch seinen CPAP, aber es ging bergauf. Ich nutzte den Nachmittag, an dem der Hauptfreund ausnahmsweise mal nicht dabei war, und erzählte dem Prinz von seinem Opa. Dessen Namen er trägt und den er nie kennenlernen wird. Und da wurde mir klar: Meine Kinder werden niemals diese Liebe zu ihrem Opa spüren, so wie ich. Sie werden ihn nur aus meinen Erzählungen kennen. Vielleicht können sie irgendwann Anekdoten nachplappern, aber sie werden keine eigene Erinnerung an ihn haben.

Und dann fiel mir auf, dass auch meine Erinnerungen blasser werden. Die Geschichten, die sich einbrannten sind da. Aber es sind immer die gleichen. Es ist so, als würde meine Kindheit und damit auch dieser Teil meines Lebens ausbleichen. Und das tut immer noch weh. Es schmerzt also nicht nur der Verlust dieses Menschen, sondern auch der Verlust der gemeinsamen Zeit.

Was aber immer noch da ist, so wie damals, ist das Gefühl. Die Liebe. Ich weiß, dass er mich immer bedingungslos geliebt hat. Er stand immer an meiner Seite und manchmal rede ich mir ein, das wäre auch heute noch so. Die Liebe stirbt nicht. Und das ist es, was mich weitermachen lässt.

Es wird niemals gut. Vermutlich.

PS. Ach ja, was ich noch sagen wollte: Zeit und Wunden. Papperlapapp!

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