Das Ende.

Sie sagte immer, sie stirbt nicht. Niemals konnte man mit ihr über das Thema sprechen. Nicht darüber, was wir im Falle des Falles entscheiden sollen, nicht was danach passieren soll, nicht darüber, wie sie vorgesorgt hat. Sie stirbt nicht. Das war ihr Mantra.

Irgendwann wurden aber die Schmerzen stärker. Die Beschwerden schlimmer. Die Arztbesuche unausweichlich, obwohl sie sich lange dagegen sträubte. Sie kümmerte sich nicht um ihre Gesundheit. Ging viel zu spät zum Arzt. Traf Entscheidungen, die für mich nicht nachvollziehbar sind. Am Ende entschied sie sich widerwillig für ihre letzte Option und als auch das nicht mehr half, entschied sie sich zu gehen. Und das ist die einzige Entscheidung, die ich ihr nicht übel nehmen kann. Alles davor weckt bei mir nur Kopfschütteln, aber den Wunsch zu sterben, den kann ich nachvollziehen. Und ich wünschte ihr, dass es schnell und friedlich geschieht.

Ihr ganzes Leben hat sie gearbeitet, sich nie etwas „für sich“ gegönnt. Sie hat fünf Kinder groß gezogen und ihre Mutter gepflegt. Sie hat einen Sohn und ihren Mann viel zu früh verloren. Sie war unfair und gemein. Aber sie konnte auch nett und lieb sein. Sie hat sich für uns aufgeopfert und mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Sie liebte ihre Enkel und Urenkel und vergaß nie einen Geburtstag. Ihrer wäre heute gewesen. Heute wäre sie 68 geworden.

Und während ich heute den ganzen Tag beruflich über Zukunft sprach, muss ich nun meine Vergangenheit beerdigen. Sie sagte immer, sie stirbt nicht. Sie hatte Unrecht.

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