Stillen in der Stadtbahn. Ein Rant.

Heute erhielt ich eine Anfrage, wie das denn bei meinem Arbeitgeber sei: Würde man auch aus Bus und Bahn geworfen, nur weil man sein Baby stille? So, wie es am Wochenende in Hamburg der Fall gewesen war. Da ich den Fall nicht mitbekommen hatte (Mama-Timeline, wo warst du?!), fragte ich zuerst einmal Google und las nach, was da eigentlich passiert war. Und wirklich, in Hamburg wurde eine stillende Mütter samt Baby aus dem Bus geworfen. Puh. Starkes Stück.

Als ich darüber meinen Unmut kundtat, war die Reaktion hinter meinem Monitor: „Na ich will mir sowas auch nicht ansehen müssen?“ Ähem, wie Bitte?! „Sowas?“ Geht’s noch? Ich erklärte meiner Kollegin also – vielleicht ein bisschen zu energisch – meinen Standpunkt. Denn seien wir mal ehrlich: Jeden Tag sehen wir im TV, in der Werbung, in Serien die Hupen sämtlicher Frauen. Aber wenn es darum geht, ein Kind zu ernähren, dann soll das bitte entweder steril mit einer Flasche oder hinter geschlossenen Türen passieren. Aber solange Stillen in der Öffentlichkeit nicht passiert, wird sich daran auch nichts ändern. Vor 100 Jahren waren auch kurze Röcke verpönt, heute gehören sie zum Alltag. Leider tut die Gesellschaft ja heute immer noch so, als ob stillende Mütter erstmal alles ausziehen, jedem Menschen im Umkreis von 50 Metern ihre Brüste ins Gesicht halten und erst dann das Kind stillen. Als sei das Kind nur „Beiwerk“ und man wolle eigentlich nur mal blank ziehen. Dass diese Einstellung dann aber nur von nicht Betroffenen vertreten wird, wird auch ganz schnell klar.

Und deshalb kann die Kollegin auch für ihre Einstellung nichts. Als ich in ihrem Alter war, fand ich es auch komisch, weil es eben nicht zum Alltag gehört. Und wir nun mal so erzogen wurden, bei „echten“ Brüsten beschämt zu Boden zu gucken. Das jeden Tag viel mehr Nippel auf der Titelseite der BILD zu sehen sind, fällt uns aber gar nicht mehr auf.

  
Ich stillte jedenfalls zwei Jahre erfolgreich in der Stadtbahn und wurde nie rausgeworfen. Auch hat mir niemand gesagt, ich solle mich wieder einpacken oder komisch geguckt. Und wenn, dann ist es mir nicht aufgefallen. Ich kann es nur leider gar nicht haben, wenn Leute angeekelt darüber sprechen, wenn Babys ernährt werden. Denn genau diese Leute verzichten ja auch nicht darauf, vor anderen zu essen. Und ja, meine Kollegin und ich sind mit dem Thema noch nicht durch. Da wird sie sich noch noch ein paar Sprüche anhören müssen. Aber das ist sie von mir ja schon gewohnt. 😉

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