Hoffentlich für immer.

Als ich gestern den Blogpost „Manchmal. Nicht für immer.“ von Pia las, fand ich mich in ihren Worten wieder. Auch mir ist manchmal alles zu viel. Leider schaffe ich es in diesen Momenten kaum meine Grenzen zu setzen. Ich weiß, dass die Kinder Grenzen kennenlernen und respektieren müssen, um auch ihre eigenen setzen und verteidigen zu können. Aber dennoch fällt es mir unendlich schwer, den Kindern Nähe zu verweigern, wenn ich mich nun einmal nicht danach fühle.

Denn immer, wenn ich an dem Punkt bin, kommen alle Erinnerungen von den ersten drei Lebensmonaten des Prinzen hoch. Die Zeit auf der Frühchenstation. Die Abende im Stillzimmer. Die Zeiten, in denen ich mein Kind nur durch zwei Löcher im Inkubator berühren durfte. Und dann denke ich auch immer an die Ängste, die wir damals erlitten. Die Angst, dass unser Kind sterben könnte. Denn diese Angst, die wohl alle Eltern irgendwann mal kurz ereilt, die war bei uns real. Der Tod besuchte das Krankenzimmer, in dem der Prinz lag, zweimal. Und obwohl mein Sohn niemals schlimme Frühchenprobleme hatte und sich sein Zustand im Großen und Ganzen stetig verbesserte, war mir die Kostbarkeit eben dieses Lebens immer bewusst.

Bewusst waren mir aber auch immer die Schuldgefühle. Zwar kann ich mir rational erklären, dass ich die Frühgeburt nicht begünstigt oder heraufbeschworen habe. Aber dennoch war ich es doch, die es nicht schaffte annähernd 40 Wochen schwanger zu sein. Ich bin doch seine Mama und habe direkt am Anfang so katastrophal versagt. Dass er lebt, ist ja nun gar nicht mir, sondern nur den Ärzten der MHH und diesem kleinen Kämpfer zu verdanken.

Seit der Prinz bei uns zu Hause war, machten mir daher durchwachte Nächte, anstrengende Tage, Schreiattackten nur wenig aus. Denn bei jeder Nacht, die ich nicht geschlafen habe, dachte ich: Aber er lebt! Und dafür bin ich jeden Tag so unendlich dankbar, dass sich meine Grenzen unendlich geweitet haben. Solange er oder das Osterkind mich brauchen, stecke ich zurück. Vielleicht, um endlich meinem Seelenfrieden zu finden. Und den hoffentlich für immer.

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